Auf einen Blick
- Sprecher: Uve Teschner hält knapp dreißig Stunden Laufzeit mit gleichbleibend ruhiger Autorität zusammen, die gut zur historisch-epischen Anlage des Romans passt.
- Themen: Science-Fiction-Geschichte, Herkunft und Identität, Kalter Krieg und Weltraumwettlauf, Entstehung eines Mythos
- Stimmung: Episch und nostalgisch, mit dem Sog einer großen Enthüllungsgeschichte
- Fazit: Ob Perry-Rhodan-Fan oder Eschbach-Leser oder beides: Dieser Roman funktioniert als eigenständiges Werk und braucht keine Serienkenntnis als Eintrittskarte.
Ich hatte knapp dreißig Stunden vor mir und keine Entschuldigung mehr, dieses Hörbuch weiter aufzuschieben. Seit Jahren stand Perry Rhodan: Das größte Abenteuer auf meiner Liste, und ich hatte mich immer gescheut: zu viele Bände, zu viel Vorwissen nötig, zu viel Verpflichtung gegenüber einer Serie, die ich nie wirklich gelesen hatte. Was ich beim Einstieg dann erlebte, war eine der erfreulichsten Überraschungen meines Hörjahres. Andreas Eschbach schreibt hier nicht als Hüter einer Serie, sondern als Autor, der eine Welt mit frischen Augen betritt und ihr das zurückgibt, was Jahrzehnte der Fortschreibung manchmal nehmen: einen Ursprung.
Cape Kennedy, 1971. Die Apollo-Missionen sind katastrophal gescheitert. Amerika wagt einen letzten verzweifelten Versuch. Das Raumschiff heißt Stardust. Der Kommandant heißt Perry Rhodan. Und mit diesen Sätzen beginnt, wie Eschbach zeigt, nicht nur eine der erfolgreichsten Science-Fiction-Serien der Welt, sondern auch eine Geschichte, die man erst jetzt in ihrer ganzen Tiefe erzählt bekommt.
Eschbach als Gast im Universum
Was einen großen Teil der Faszination dieses Buches ausmacht, ist der Mut, den Eschbach als Gast im Perry-Rhodan-Universum an den Tag legt. Er ist nicht der Schreiber der Heftreihe, er ist ein Besucher mit freiem Blick, und das merkt man. Rezensent Leseratte beschreibt das mit den Worten, Eschbach schreibe, wie es K.H. Scheer würdig gewesen wäre, dem Gründer der Originalserie. Das ist ein hohes Lob, und ich kann es bestätigen: Die Art, wie dieser Roman Rhodans Kindheit, seine politischen Eskapaden, seine Zeit als Testpilot und schließlich den Countdown zur Stardust-Mission entwickelt, hat eine Energie, die einen nicht loslassen will.
Ich habe dieses Buch nicht mit den Ohren einer Perry-Rhodan-Leserin gehört, sondern mit denen einer Eschbach-Leserin, die Eine Billion Dollar und Das Jesus Video kennt, und auch so funktioniert es ausgezeichnet. Die Serie ist Hintergrund, nicht Voraussetzung. Eschbach legt diese Herkunftsgeschichte so an, dass man keinen einzigen der mehr als fünfzigtausend Romanhefte gelesen haben muss, um zu verstehen, was auf dem Spiel steht.
Uve Teschner und die Last des Epos
Neunundzwanzig Stunden und vierundzwanzig Minuten sind eine beträchtliche Laufzeit. Uve Teschner trägt sie mit einer ruhigen, gefassten Autorität, die gut zu diesem Material passt. Das ist kein Buch für schnelle Pointen oder emotionale Extremmomente. Es ist ein epischer Roman, der Rhodans Leben entfaltet wie ein Fresko, und Teschner versteht das. Er liest mit der Stille eines Erzählers, der weiß, dass er Zeit hat, und dieses Bewusstsein überträgt sich auf die Hörerinnen und Hörer.
Ich habe das Buch in längeren Sitzungen gehört, nicht in kleinen Häppchen, weil die Laufzeit und Teschners Stil einen in eine Art Lesefluss bringen, aus dem man nicht gerne herausgerissen wird. Das ist ein Gütezeichen für jeden Sprecher: Man vergisst, dass jemand liest, und glaubt, eine Geschichte zu erleben. Bei einer Laufzeit von fast dreißig Stunden ist das keine Selbstverständlichkeit.
Für Einsteiger und für Kenner gleichsam
Die vielleicht ungewöhnlichste Qualität dieses Hörbuchs ist seine Zugänglichkeit. Wer Perry Rhodan nicht kennt, bekommt hier einen Ursprung erzählt, der in sich vollständig ist. Wer die Serie kennt, bekommt die Enthüllung, wie alles wirklich begann. Rezensent tgreat merkt an, dass das Ende für Nicht-Rhodan-Leser ein wenig zäh werden kann, und das ist fair. Die letzten Stunden setzen etwas mehr Bindung an das Universum voraus. Aber was davor kommt, knapp achthundertfünfzig Seiten in Druckform, vergeht wie im Flug, und diese Einschätzung teile ich vollständig.
Für wen und für wen nicht
Wer keine Berührungspunkte mit Science Fiction hat, die im historischen Amerika des Kalten Krieges verankert ist, wird sich an manchen Stellen möglicherweise fremd fühlen. Und wer schnelle, actionlastige SF-Unterhaltung sucht, sollte wissen, dass Eschbach ein Autor ist, der Figuren aufbaut, bevor er sie in Gefahr bringt. Die Belohnung für Geduld ist groß. Aber Geduld muss man mitbringen. Wer das kann und wer einen langen, sorgfältig erzählten Abenteuer- und Herkunftsroman hören möchte, der mit dreißig Stunden sehr verantwortungsvoll umgeht, findet hier etwas Besonderes.