Auf einen Blick
- Narration: Alexander Müller hält das Tempo dieser Genre-Mischung sauber und verleiht Derek eine glaubwürdige Alltagsstimme – weder überdramatisch noch flach.
- Themen: LitRPG-Progression, Slice-of-Life-Fantasy, Isekai, komödiantische Begleiter
- Stimmung: Locker, warmherzig und stellenweise überraschend komisch
- Fazit: Wer Band 1 mochte, bekommt hier mehr von allem – einschließlich Koch-Ambitionen eines Mörderhäschens.
Ich bin kein LitRPG-Native. Das Genre kenne ich hauptsächlich aus Randerwähnungen in Genre-Diskussionen und dem gelegentlichen Blick auf Rezensionen, die von Statusboxen und Skill-Trees schwärmen, die ich mir nie genug vorstellen konnte, um wirklich einzusteigen. « Torith: Ein LitRPG-Abenteuer » war also ein Experiment – und zwar eines, das ich an einem verregneten Nachmittag startete, ohne große Erwartungen und ohne den ersten Band der Reihe gehört zu haben.
Letzteres war ein Fehler, den ich nach etwa einer Stunde bemerkte und dann trotzdem dabei blieb. Denn « Torith » ist der zweite Band der System Universe-Reihe von SunriseCV, und obwohl man die groben Grundzüge schnell versteht – Derek, der Systemreisende, bewegt sich von einem überwältigten Dorf in eine Stadt – fehlen ohne Band 1 einige emotionale Anker. Dass ich trotzdem hängen blieb, sagt etwas über die Stärken dieser Fortsetzung.
Der Charme liegt im Ensemble
Was « Torith » trägt, sind nicht die System-Mechaniken selbst, auch wenn die ihren Platz finden. Es ist das Beziehungsgeflecht rund um Derek: die Begleiterin Silvi, die in diesem zweiten Band endlich mehr Raum bekommt und sich einen großen Wunsch erfüllen darf, und natürlich das Mörderhäschen Tommy, das sprechen lernt und damit seinen Charme noch direkter entfalten kann. Das klingt absurd. Es ist absurd. Aber SunriseCV versteht, dass die besten absurden Prämissen dann funktionieren, wenn sie mit echter Wärme erzählt werden.
Die Koch-Ambitionen des Häschens sind kein Gag für einen Absatz, sondern ein echtes Handlungselement, das mit überraschender Konsequenz durchgezogen wird. Und Silvis Entwicklung wirkt organisch, nicht wie ein nachgereihtes Zugeständnis. Das ist sorgfältigeres Figurenhandwerk, als das Genre es oft liefert.
Stadtfantasy und das Adligen-Problem
Der strukturelle Kern des Bandes ist Dereks erster Kontakt mit städtischem Leben in Cydaria – und damit mit einer Klasse von Charakteren, die er schon aus der Populärliteratur kennt: den Adligen. Die Synopsis macht daraus einen selbstreferenziellen Witz, und das Buch hält dieses Versprechen nur teilweise ein. Die Stadt Torith bringt neue Verbündete und Feinde, aber die Adligen-Konflikte bewegen sich noch recht nah an bekannten Genre-Schienen.
Das ist kein Beinbruch – Reviewer Randoom gibt vier Sterne und merkt an, dass die Helden etwas zu overpowered seien und die Statistik-Passagen kürzer ausgefallen sind als erwartet. Für Hardcore-LitRPG-Leser, die das taktische Kalkül mögen, könnte das ein Manko sein. Für Neueinsteiger war es eher eine Erleichterung.
Alexander Müller und das Tempo
Müller spricht Derek mit einer angenehm bodenständigen Stimme, die gut zur Attitüde des Protagonisten passt. Er differenziert die Figuren klar voneinander, ohne ins Karikaturhafte zu kippen, und hält das Tempo des Bandes – das stellenweise sehr breit und episodisch ist – gut zusammen. Bei einem fast 14-stündigen Hörbuch, das viel Raum für Alltagsszenen lässt, ist das keine Kleinigkeit.
Die Übersetzung – Reviewer Sköll hebt sie explizit hervor als sehr gut und nicht mehr alltäglich – fühlt sich flüssig und nicht konstruiert an. Das ist bei übersetzten Web-Fiction-Titeln keine Selbstverständlichkeit.
Wer hier richtig ist – und wer nicht
Hören: LitRPG-Fans, die Slice-of-Life-Elemente schätzen und sich an komödiantischen Begleitern freuen können, die mehr Tiefe haben als ihr Gag-Potenzial vermuten lässt. Auch als Einstieg ins Genre geeignet, sofern man danach Band 1 nachholt. Überspringen: alle, die harte System-Mechaniken, viel Statistik und taktische Tiefe erwarten. Und alle, die ohne vorherigen ersten Band keine Handlungslücken tolerieren.
Häufig gestellte Fragen
Muss man Band 1 der System Universe-Reihe gehört haben, um ‘Torith’ zu verstehen?
Empfohlen, aber nicht zwingend notwendig. Die groben Grundzüge erschließen sich auch ohne Vorkenntnisse, aber emotionale Bindung an die Figuren und das volle Verständnis der Systemregeln setzt Band 1 voraus. Am besten in Reihenfolge hören.
Wie stark steht das LitRPG-Element im Vordergrund – geht es mehr um Statusboxen oder um Geschichte?
In ‘Torith’ liegt der Schwerpunkt klar auf Figuren und Beziehungen. Die System-Mechaniken sind vorhanden, treten aber hinter die Slice-of-Life- und Isekai-Elemente zurück. Wer primär taktische Progression sucht, könnte enttäuscht sein.
Was hat es mit dem Mörderhäschen auf sich – ist das ein Running Gag oder ein ernsthaftes Handlungselement?
Beides. Tommy, das an Dereks Seele gebundene Häschen, entwickelt sich in Band 2 weiter – bekommt Sprache und eine Storyline rund um Koch-Ambitionen. Es ist komödiantisch, aber mit echter Konsequenz erzählt.
Ist ‘System Universe’ eine abgeschlossene Reihe oder noch laufend?
Die Reihe ist zum Zeitpunkt dieser Rezension noch nicht abgeschlossen. ‘Torith’ endet mit einem offenen Bogen. Wer Serien-Abschlüsse bevorzugt, sollte das berücksichtigen.