Auf einen Blick
- Narration: Josef Tratnik verleiht jedem Charakter eine eigene Stimmlage und haelt das Tempo ueber fast sechzehn Stunden stabil, fuer eine Serie dieses Alters und Umfangs eine echte Leistung.
- Themen: Galaktische Machtpolitik, biologische Bedrohung, Loyalitaet unter Extrembedingungen
- Stimmung: Klassisches Space-Opera-Abenteuer, dicht und ereignisreich
- Fazit: Fuer eingefleischte Perry-Rhodan-Fans ist dies eine gelungene Auffrischung eines Silberband-Klassikers; Neuleser sollten mit Band 1 beginnen.
Ich gehoere nicht zu den Menschen, die Perry Rhodan als Kind gelesen haben. Mein Einstieg in die laengste Science-Fiction-Serie der Welt kam ueber Umwege, erst durch einen Kollegen, der schwaermte, dann durch die Silberband-Ausgaben, die zumindest einen narrativ geordneten Einstieg ermoeglichen. Der Robotregent fiel mir an einem langen Samstagvormittag in die Haende, als draussen Regen gegen die Fensterscheiben schlug und ich eigentlich anderes vorhatte.
Clark Darlton schrieb diesen Band in einer Zeit, als Science Fiction noch ungezwungen mit ihren Praemissen spielen durfte. Das Grosse Imperium der Arkoniden, das Robotgehirn, das es mit eisernem Willen regiert, Perry Rhodan als Beauftragter und gleichzeitig als moralisches Korrektiv, das sind Figuren und Konstellationen, die ihre Entstehungszeit nicht verbergen. Aber das ist kein Vorwurf. Die Geschichte funktioniert, weil sie ihre Regeln ernst nimmt und innerhalb dieser Regeln konsequent erzaehlt.
Die Nonus-Pest und das Prinzip der doppelten Bedrohung
Das Herzstuck dieses Bandes ist nicht die politische Intrige um das Robotgehirn, sondern die Nonus-Pest, die Rhodans Besatzung auf dem Planeten Honur befaellt. Siebenhundert Menschen, darunter vertraute Figuren wie Thora und Bully sowie eine ganze Gruppe Mutanten, sind vom Tod bedroht. Darlton nutzt diese Situation geschickt: Die Suche nach einem Heilmittel zwingt Rhodan nach Aralon, dem Zentrum der Galaktischen Mediziner, wo sich die medizinische Frage und die politische Frage um das Schicksal der Menschheit ploetzlich ueberlagern.
Das ist solides, handwerklich kompetentes Plotting. Die Bedrohung ist konkret, die Loesung erfordert aktives Handeln, und die Konsequenzen betreffen mehr als nur die unmittelbar beteiligten Figuren. Man kann ueber den sprachlichen Stil der Entstehungszeit diskutieren, aber die Plotstruktur haelt.
Tratnik und die Stimmen des Imperiums
Josef Tratnik ist in der Perry-Rhodan-Hoerspielserie bekannt, und er bringt diese Vertrautheit mit der Welt auch in die Silberband-Lesung mit. Sein Vortrag ist nicht das neutrale Vorlesen eines Textes, sondern eine aktive Interpretation: Rhodan klingt entschlossen ohne Pathos, die Arkoniden haben eine leicht distanzierte, kuehle Qualitaet, und die Momente echter Gefahr werden nicht durch Lautstaerke, sondern durch Tempo signalisiert. Tratnik beschleunigt, wenn die Handlung es verlangt, und nimmt sich Zeit fuer die wenigen ruhigeren Passagen.
Eine Rezension beschreibt es gut: Man hat das Gefuehl, mehr als nur einen Leser zu haben, weil jeder Charakter seine persoenliche Note und Klangfarbe behaelt. Das ist nicht uebertrieben. Tratnik schafft tatsaechlich einen akustischen Raum, in dem die verschiedenen Spezies und Charaktertypen voneinander unterscheidbar bleiben, und das ueber fast sechzehn Stunden.
Fuer Perry-Rhodan-Einsteiger: eine ehrliche Einschaetzung
Der Robotregent ist kein Einstiegspunkt. Die Welt der Arkoniden, die Mutanten, die Vorgeschichte um das Robotgehirn, all das setzt Grundkenntnisse voraus, die Darlton nicht liefert. Wer mit diesem Band beginnt, wird vieles verstehen, aber die emotionale Tiefe der Figurenkonstellation erst mit mehr Hintergrundwissen erschliessen. Die Silberband-Ausgaben sind konzipiert fuer Leser, die bereits in der Welt zu Hause sind oder bereit sind, mit Band 1 anzufangen.
Wer aber die klassische Space Opera kennt und schaetzt, wer Asimov oder fruehen Clarke gelesen hat und neugierig ist, wie die deutsche Tradition klingt, der wird hier mehr finden als erwartet. Die Kernfragen dieser Geschichte, wer die geheimnisvollen Drahtzieher wirklich sind und was das fuer die Zukunft der Menschheit bedeutet, sind gut gestellt und werden befriedigend beantwortet.
Fuer wen, fuer wen nicht
Empfehlung fuer Perry-Rhodan-Leser ab Band 1 der Silberband-Reihe, fuer Fans klassischer Space Opera ohne Beruehrungsangst vor 60er-Jahre-Praemissen, und fuer Hoerer, die Tratnik aus den Hoerspielen kennen und seine Stimme schaetzen. Wer moderne Weltraum-Science-Fiction wie Andy Weir oder Martha Wells sucht, findet hier einen anderen Ton. Das ist keine Schwaeche, aber man sollte die Erwartungen entsprechend kalibrieren.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich die Perry-Rhodan-Serie von Anfang an kennen, um diesen Band zu verstehen?
Grundkenntnisse sind hilfreich. Die Figuren Rhodan, Thora, Bully und das Konzept des Robotgehirns werden nicht neu eingefuehrt. Fuer Neuleser empfiehlt sich der Einstieg mit Band 1 der Silberband-Reihe.
Ist die Geschichte trotz ihres Alters noch lesbar, oder wirkt sie veraltet?
Die Plotstruktur funktioniert auch heute noch. Der Sprachduktus und manche wissenschaftliche Praemisse tragen die Handschrift der Entstehungszeit, aber das stoert den Hoerfluss bei weitem nicht so stark, wie man befuerchten koennte. Wer sich auf die Welt einlaesst, findet sich schnell darin zurecht.
Wie ist Josef Tratnik im Vergleich zu den Perry-Rhodan-Hoerspielen?
Tratnik ist in beiden Formaten zu Hause, und das hoert man. Er bringt die Figurenkenntnisse aus den Hoerspielen mit, ohne die Lesung zu einem Hoerspiel zu machen. Das Ergebnis ist eine Lesung mit mehr Tiefe als ein rein neutrales Vorlesen.
Eignet sich das Hoerbuch fuer die Autofahrt, oder ist die Handlung zu komplex?
Fuer die Autofahrt gut geeignet. Die Handlung ist ereignisreich und haelt die Aufmerksamkeit auch unter Fahrbedingungen. Die sechzehn Stunden lassen sich problemlos auf mehrere Fahrten aufteilen, ohne den Ueberblick zu verlieren.