Meine Davidwache
Hörbuch & E-Book

Meine Davidwache, by Waldemar Paulsen

Von Waldemar Paulsen

Gesprochen von Thorsten Giese

★★★★☆ 4.3/5 (354 Bewertungen)
🎧 8 Stunden und 8 Minuten 📘 Audio-To-Go Publishing Ltd. 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Als Zivilfahnder in Deutschlands berühmtestem Vergnügungsviertel: Käufliche Liebe, Revierkämpfe, skurrile Kiez-Originale – St. Pauli und die Reeperbahn faszinieren seit Jahrzehnten ganz Deutschland. Für ein mehr oder weniger respektvolles Miteinander sorgen nicht zuletzt die Polizisten der Davidwache, zu denen Waldemar Paulsen viele Jahre lang gehörte. Er erlebte als Zivilfahnder mit dem Spitznamen « Rotfuchs » die 70er und 80er auf dem Kiez; Begegnungen mit Halbweltgrößen und RAF-Terroristen, mit Damen des erotischen Gewerbes und brutalen Serienmördern gehörten zu seinem Alltag, und eine Schießerei kostete ihn fast das Leben. Ein spannender Insiderbericht von der sündigsten Meile Hamburgs.

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Auf einen Blick

  • Narration: Thorsten Giese liest mit der entspannten Vertrautheit eines alten Kiez-Kenners — glaubwürdig, nie aufgesetzt, mit der richtigen Portion Hamburger Lakonie.
  • Themen: Polizeialltag der 70er und 80er, Reeperbahn-Milieu, Insiderbericht aus dem Rotlichtmilieu
  • Stimmung: Kurzweilig und authentisch, gelegentlich brutal, immer nah am Leben
  • Fazit: Wer sich für das echte St. Pauli jenseits der Tourismusbroschüren interessiert, bekommt hier eine seltene Innenperspektive — ohne Beschönigung, aber auch ohne Sensationsgier.

Es war ein verregneter Dienstagnachmittag, als ich mit diesem Hörbuch anfing, und ich war eigentlich sicher, dass ich nach einer Stunde wieder etwas anderes einlegen würde. Stattdessen saß ich noch drei Stunden später am Fenster und lauschte Waldemar Paulsen alias « Rotfuchs », der mir von Schießereien auf der Reeperbahn, von RAF-Kontakten und von Damen des erotischen Gewerbes erzählte, die er offenbar mit echter Zuneigung betrachtete. Das ist die Art von Hörbuch, die sich nicht ankündigt — und genau deshalb landen.

Paulsen war jahrelang Zivilfahnder bei der berühmtesten Polizeiwache Deutschlands, der Davidwache in Hamburg St. Pauli. Sein Buch ist kein Polizeibericht, keine Analyse und keine Abrechnung. Es ist eine Sammlung von Erinnerungen, episodisch strukturiert, manchmal augenzwinkernd, manchmal erschreckend sachlich — und immer sehr nah an den Menschen, die er beschreibt.

Der Kiez als Bühne, nicht als Kulisse

Was Paulsen von anderen Polizeiautoren unterscheidet, ist sein Blick auf das Milieu. Er beschreibt die Reeperbahn der 70er und 80er nicht als Abszess der Gesellschaft, sondern als lebendigen, komplizierten Kosmos mit eigenen Regeln, eigenen Hierarchien und einer Art pragmatischem Frieden zwischen den Beteiligten. Die Frauen des erotischen Gewerbes, die er trifft, sind keine Opfer in seinem Erzählrahmen — sie sind Figuren mit Geschichte, manchmal sogar mit Würde. Das ist keine romantische Verklärung, sondern die nüchterne Wahrnehmung eines Mannes, der über Jahre dieselben Gesichter sah und lernte, zwischen Person und Tätigkeit zu unterscheiden.

Rezensent « Tommes » schreibt, das Buch sei « mal augenzwinkernd, mal traurig, mal spannend und brutal » — das trifft es genau. Paulsen wechselt zwischen Ton und Tempo, ohne dass es sich erzwungen anfühlt. Wenn er von einem Schusswechsel berichtet, der ihn fast das Leben kostete, klingt das genauso geradlinig wie der Bericht über einen skurrilen Kiez-Stammgast. Das ist entweder sehr gute Erinnerungsprosa oder die Stimme eines Mannes, der so vieles erlebt hat, dass er aufgehört hat, zwischen Dramatik und Normalität zu unterscheiden. Beides ist interessant.

Die Grenzen des Formats

Wer hier eine politische Analyse erwartet, wird enttäuscht sein. Paulsen bewertet selten und wenn, dann zurückhaltend. Die RAF-Kontakte, die er erwähnt, bleiben episodisch — sie sind Teil seines Alltags, keine Anklage. Das kann man als Schwäche lesen, wenn man einen kritischen Rückblick auf die politische Realität der 70er erwartet. Ich lese es lieber als Konsequenz: Paulsen erzählt, was er gesehen hat, nicht was er darüber denken soll. Für Hörende, die den Kiez dieser Epoche nicht selbst kennen, kann das Buch manchmal Kontext vermissen lassen. Die Namen und Figuren, die für Zeitzeugen sofort greifbar sind, schweben gelegentlich kontextlos durch die Erzählung.

Auch die Struktur ist episodisch im strengen Sinne — es gibt keinen dramatischen Bogen, kein Finale. Das ist dem Memoirformat geschuldet und kein Vorwurf, aber wer einen durchkomponierten Spannungsaufbau erwartet, wird das Hörerlebnis anders bewerten als jemand, der gerne in Geschichten sitzt und Zeit vergehen lässt.

Thorsten Giese und die Frage der Glaubwürdigkeit

Thorsten Giese liest mit der Haltung eines Mannes, der dem Stoff vertraut. Er dramatisiert nicht, er verkauft nicht — er erzählt. Das ist bei einem Memoirformat der richtige Ansatz: Die Kraft liegt in der Authentizität, nicht in der Inszenierung. Gieses Tempo ist gemächlich genug, um Atmosphäre entstehen zu lassen, ohne je in Trägheit zu kippen. Bei 8 Stunden und 8 Minuten ist das keine Kleinigkeit. Ein paar Passagen hätten von etwas mehr Varianz profitiert, aber das sind Randnotizen.

Rezensent « Dieter », der selbst damals in St. Pauli war, schreibt, man erkenne « vieles wieder » — das ist das höchste Lob für eine solche Produktion. Wenn ein Zeitzeuge nickt, hat der Narrator seinen Job gemacht.

Wer sollte zuhören, wer nicht

Zuhören sollten alle, die sich für das reale Hamburg interessieren — nicht das Postkartenpanorama, sondern die Stadt, die hinter der Linie lebt. Wer Polizeiarbeit nicht als Actionfilm, sondern als menschliches Handwerk versteht. Wer gerne in Epochen eintaucht, die zu verschwinden drohen.

Weniger geeignet ist das Hörbuch für alle, die einen narrativ komponierten Thriller erwarten oder die politische Analyse der bundesrepublikanischen Sicherheitspolitik suchen. Auch das Format — episodische Erinnerungen ohne starken Handlungsbogen — ist nicht jedermanns Sache.

Häufig gestellte Fragen

Muss man Hamburg oder den Kiez persönlich kennen, um das Hörbuch zu genießen?

Nein, aber Zeitzeugenwissen erhöht den Wiedererkennungswert deutlich. Mehrere Rezensenten berichten, dass Namen und Orte für sie sofort lebendig wurden. Wer die Reeperbahn der 70er und 80er nur aus zweiter Hand kennt, kann dem Buch trotzdem folgen — es leiht einem einen authentischen Blick.

Wie explizit ist die Darstellung des Rotlichtmilieus?

Paulsen beschreibt das Milieu direkt, aber ohne voyeuristische Sensationsgier. Es gibt keine grafischen Szenen. Der Ton ist sachlich und respektvoll gegenüber den Menschen, die er beschreibt — auch den Frauen des erotischen Gewerbes.

Hat das Hörbuch einen durchgehenden Handlungsstrang oder ist es rein episodisch?

Es ist episodisch. Paulsen erzählt einzelne Begegnungen und Erlebnisse, keine zusammenhängende Geschichte mit Anfang, Wendepunkt und Finale. Wer das weiß, hört entspannter zu — wer einen Krimi erwartet, wird überrascht sein.

Ist « Meine Davidwache » auch für Hörerinnen und Hörer interessant, die keine Polizeifans sind?

Ja, vorausgesetzt das Interesse gilt dem sozialen Milieu und der Zeitgeschichte, nicht der Polizeiarbeit selbst. Paulsen ist kein Held seiner eigenen Geschichte — er ist eher Beobachter eines verschwundenen Lebensraums.

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin