Die Manns: Geschichte einer Familie
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Die Manns: Geschichte einer Familie, by Gesprochen von: Christian Baumann

Von Gesprochen von: Christian Baumann

Gesprochen von Spieldauer: 16 Std. und 5 Min.

★★★★☆ 4.3/5 (337 Bewertungen)
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Über dieses Hörbuch

Thomas Manns literarisches Werk hat einen überragenden Stellenwert in der Welt – und es beherrscht die Familie. Seine Frau Katia hält ihm den Rücken frei und die Kinder vom Hals. Ihre scharfe Zunge ist gefürchtet. Der schöne Sohn Klaus will als Schriftsteller so berühmt sein wie der Vater. Erika, die älteste Tochter, liebt so leidenschaftlich, wie sie hasst. Der scheue Golo sucht sein Glück fern der Familie. Michael will ein großer Musiker werden und kämpft gegen seinen Jähzorn und die hohen Ansprüche der Familie. Der Liebling des Vaters, Elisabeth, redet mit Tieren und rettet die Welt. Und alle lästern über Monika.

Die Geschwister experimentieren in der Liebe und mit Drogen, verschleudern das Geld der Eltern – und werden zu ernsthaften Gegnern Hitlers. Wohin das Schicksal sie auch trägt: Die Manns halten zusammen. Und sie verraten einander.

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Auf einen Blick

  • Narration: Christian Baumann liest diese Familiensaga im Chroniktempo — klar und sachkundig, mit subtiler Differenzierung der sehr verschiedenen Geschwisterpersönlichkeiten.
  • Themes: Ruhm als Last, Geschwisterdynamik unter einem übermächtigen Vater, Exil und politische Haltung
  • Mood: Dicht und fesselnd — 16 Stunden, die man nicht als zu lang empfindet
  • Verdict: Wer Thomas Mann kennt und die Menschen hinter dem Werk verstehen will, findet in Lahmes Familienbiografie das informierteste und am dichtesten geschriebene Buch zu diesem Thema.

Ich habe « Die Manns » an einem Wochenende begonnen, an dem ich gerade « Der Zauberberg » beiseitegelegt hatte — nicht weil ich aufgeben wollte, sondern weil mir der Mensch Thomas Mann plötzlich mehr interessierte als der Roman. Tilmann Lahmes Familiengeschichte hat mich dann sechzehn Stunden nicht losgelassen. Das ist selten bei Sachbüchern, die einen solchen Umfang haben.

Lahme ist Literaturwissenschaftler und hat über Gottfried Benn promoviert. Seine Herangehensweise an die Mann-Familie ist nicht die des bewundernden Fanatikers, sondern die des genauen Lesers: Er folgt den Quellen, er wertet keine der Figuren auf oder ab, und er erlaubt sich trotzdem ein stilistisches Tempo, das das Buch näher an Biographieroman als an akademische Biografie bringt.

Thomas Mann als Schwerkraft — und alle anderen

Das Buch heißt « Die Manns », aber Thomas selbst steht nicht im Mittelpunkt — er ist die Schwerkraft, um die alles kreist. Katia hält den Apparat am Laufen und schützt den Schreibtisch ihres Mannes mit scharfer Zunge. Klaus will schreiben wie der Vater, findet aber zu einem eigenen Werk und scheitert trotzdem. Erika liebt leidenschaftlich und hasst leidenschaftlich — ihre Liebesbeziehungen, ihre anti-faschistischen Kabarettauftritte, ihre Beziehung zum Vater sind alle von gleicher Intensität. Golo, der Scheue, entkommt am weitesten und lebt doch am wenigsten von sich selbst. Michael kämpft gegen Jähzorn und gegen die Erwartungen einer Familie, in der Talent Selbstverständlichkeit zu sein scheint. Elisabeth, der Liebling des Vaters, ist die ruhigste aller Figuren. Und Monika, über die alle lästern.

Lahme nimmt jede dieser Figuren ernst — er erlaubt ihnen Komplexität. Thomas Manns politische Irrungen der frühen Weimarer Jahre, seine Verehrung des deutschen Geistes, bevor er zum erklärten Hitler-Gegner wurde, werden von einem Rezensenten als erschaudernd beschrieben. Das ist fair. Lahme hält das aus, ohne zu urteilen, ohne wegzuschauen.

Das chronologische Prinzip als Stärke

Ein Rezensent hebt ausdrücklich hervor, dass Lahme chronologisch erzählt — und hält das für sehr angenehm zu lesen. Ich teile das. Bei einer Familie mit so vielen Figuren, so vielen Zeitebenen (Weimar, Exil in Frankreich, Amerika, Rückkehr nach Europa), so vielen parallelen Lebensläufen wäre eine thematische Struktur undurchdringlich. Die Chronologie gibt Orientierung, ohne zu vereinfachen. Man verfolgt, wie sich die politischen Katastrophen auf jedes einzelne Leben auswirken, in Echtzeit — das hat eine Dramatik, die keine Konstruktion braucht.

Christian Baumann hält das über sechzehn Stunden durch. Er liest das dichte Faktenmaterial ohne Monotonie, differenziert die verschiedenen Charaktere subtil durch Sprechrhythmus und Tonlage — nie so extrem, dass es karikiert, aber klar genug, dass man weiß, wenn Erika spricht und wenn Klaus spricht. Für ein Sachbuch dieser Länge ist das keine Selbstverständlichkeit.

Was das Buch nicht leistet — und warum das kein Problem ist

Wer eine literaturkritische Auseinandersetzung mit Manns Werk erwartet — also eine Analyse des Zauberbergs oder der Buddenbrooks als Texte — wird enttäuscht. Lahme schreibt Biografie, keine Literaturwissenschaft. Das Werk erscheint als Hintergrund, als Referenzpunkt für die familiären Spannungen, nicht als Objekt der Analyse. Das ist eine Entscheidung, die den Textzugang für ein breiteres Publikum öffnet: Man braucht Thomas Mann nicht gelesen zu haben, um dieses Buch zu verstehen. Man will ihn danach lesen — das ist vielleicht das größte Kompliment, das ich Lahmes Arbeit machen kann.

Für wen dieses Hörbuch ist

Für alle, die Thomas Mann kennen und die Menschen hinter dem Werk sehen wollen. Für Hörerinnen und Hörer, die Familienbiografien mögen, die literarisch geschrieben sind. Für alle, die die deutsch-jüdische Intellektuellengeschichte des 20. Jahrhunderts als gelebte Biografie erleben wollen. Wer dagegen rein literaturkritisches Interesse hat und die Familie nur als Fußnote zum Werk betrachtet, ist mit Lahmes Ansatz möglicherweise nicht vollständig bedient.

Häufig gestellte Fragen

Muss man Thomas Manns Romane kennen, um dieses Hörbuch zu genießen?

Nein. Lahme setzt kein Vorwissen über die Romane voraus — das Werk erscheint als Hintergrundfolie, nicht als Analyseobjekt. Wer Mann nicht gelesen hat, versteht das Buch vollständig. Wer ihn kennt, findet zusätzliche Schichten.

Wie behandelt Lahme Klaus Manns Suizid und die Drogenprobleme der Geschwister?

Direkt und ohne Beschönigung, aber auch ohne Sensationalismus. Klaus’ Drogenabhängigkeit und sein Tod werden in den chronologischen Ablauf eingebettet — als Konsequenz eines Lebens, das Lahme über mehrere Kapitel aufgebaut hat. Es erschüttert, aber es überrumpelt nicht.

Eignet sich das Hörbuch für jemanden, der Lahmes separates Buch über Thomas Mann bereits gelesen hat?

Ja, die Bücher ergänzen sich. Eine Rezensentin schreibt ausdrücklich, « Die Manns » sei noch besser als Lahmes Thomas-Mann-Biografie. Die Familiengeschichte gibt den breiteren Rahmen, das Thomas-Mann-Buch geht in die literarische Tiefe.

Wie hält Christian Baumann den Rhythmus über sechzehn Stunden aufrecht?

Baumann liest im Chroniktempo, das zum Buch passt — klar, sachkundig, mit subtiler Differenzierung der Figuren über Sprechrhythmus und Tonlage. Die sechzehn Stunden wirken nicht lang, weil das Material nie repetitiv wird und Baumann keine Ermüdungserscheinungen zeigt.

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin