Auf einen Blick
- Sprecher: Pia-Rhona Saxe trägt Ryiahs Stimme mit genau der Mischung aus Sturheit und Verletzlichkeit, die die Figur auszeichnet.
- Themen: Rivalität und Vertrauen, verbotene Gefühle, Bewährung unter Druck
- Stimmung: Spannungsgeladen, jugendlich und romantisch mit dunklen Untertönen
- Fazit: Eine starke Fortsetzung für alle, die den ersten Band der Reihe geliebt haben, mit einem Finale, das echte Konsequenzen hat.
Es gibt Momente beim Hören, in denen man merkt, dass eine Fantasyreihe über das hinausgewachsen ist, was die Beschreibung auf der Rückseite vermuten ließ. Bei « Magic Academy – Die Prüfung » passierte mir das irgendwann im mittleren Drittel, als Ryiah und Prinz Darren in einer gemeinsamen Szene standen, die gleichzeitig ihre Feindschaft und ihre unausgesprochene Anziehung auf den Punkt brachte, und ich merkte, dass Rachel E. Carter diese Dynamik mit mehr Sorgfalt konstruiert hat, als ich anfangs erwartete.
Das ist Band 2 der Magic-Academy-Reihe, und ich sage das direkt: Wer hier beginnt, ohne Band 1 zu kennen, wird keinen Spaß haben. Die Figuren, die Machtverhältnisse an der Akademie und die Vorgeschichte der Hauptfiguren werden nicht erneut aufgerollt. Carter setzt voraus, dass man dabei war, als Ryiah zum ersten Mal die Akademie betrat und ihren Platz unter den Kriegsmagiern erkämpfte.
Ryiahs zweites Jahr und warum es schwerer ist als das erste
Der erste Band stellte die Frage, ob Ryiah es durch die Aufnahmeprüfung schafft. Der zweite stellt eine härtere: Was passiert, wenn man es geschafft hat? Die Ausbildung zur Kriegsmagierin ist nicht weniger brutal als die Prüfung, und Ryfiahs Erzverfeindin Priscilla ist weiterhin präsent. Dazu kommt ein Kommandeur, dem Ryiahs Anwesenheit sichtlich missfällt, und Prinz Darren, der verlobt ist, sie gleichzeitig aber nicht loslässt.
Carter versteht, dass eine Fortsetzung die Einsätze erhöhen muss, ohne die Dynamik des ersten Bandes zu zerstören. Das gelingt ihr. Ryiah ist in Band 2 keine andere Figur als in Band 1, aber sie ist gereifter. Ihre Fehler sind andere Fehler, ihre Stärken haben sich entwickelt. Eine Rezensentin schrieb, sie würde Ryiah gerne als Freundin haben, weil man von ihr und aus ihren Fehlern lernen könnte. Das ist kein schlechtes Maß für eine geglückte Protagonistin.
Pia-Rhona Saxe und das Problem der Ich-Perspektive in Fantasy
Fantasy in der Ich-Perspektive stellt Sprecherinnen und Sprecher vor eine spezifische Herausforderung: Die innere Stimme der Protagonistin muss über viele Stunden glaubwürdig bleiben, auch wenn die Figur irrt, auch wenn sie etwas nicht sieht, was die Zuhörenden längst gesehen haben. Pia-Rhona Saxe löst das sehr sicher. Ryiah klingt nie wie eine allwissende Erzählerin, die ihre eigene Geschichte kommentiert. Sie klingt wie jemand, der mittendrin ist und versucht, sich zurechtzufinden.
Die Kampfszenen sind ein Prüfstein für jedes Fantasy-Hörbuch: Tempo, Klarheit, körperliche Präsenz. Saxe schafft das überzeugend. Man verfolgt die Aktionen, ohne den Überblick zu verlieren, und das ist bei komplexen Gruppenszenen keine Selbstverständlichkeit. Die romantischen Spannungsmomente zwischen Ryiah und Darren werden ebenfalls subtil gespielt, keine überzeichneten Gefühlsausbrüche, sondern das Zögern und Zurückhalten, das diese Konstellation interessant macht.
Was das Finale ankündigt, ohne es zu zeigen
Der dritte Akt des Buches setzt das Tempo deutlich herauf. Als die Landesgrenzen von Jerar bedroht werden und Ryiah und ihre Freunde gezwungen sind, noch vor der offiziellen Abschlussprüfung zu handeln, bekommt die Geschichte eine ernstere Tonalität, die zeigt, wohin Carter die Reihe insgesamt steuert. Das ist mutig für eine Jugendfantasyreihe, weil es bedeutet, dass nicht alles gut ausgeht. Die Konsequenzen sind real und nicht rückgängig zu machen.
Was mich etwas nachdenklich stimmt: Der Schreibstil von Carter ist stellenweise sehr direkt, fast protokollarisch. Das funktioniert gut für die Aktions- und Trainingsszenen, kann aber in den emotionalen Momenten etwas flach wirken. Wer große literarische Tiefe erwartet, wird sie hier nicht finden. Wer unterhaltsame, gut konstruierte Jugendfantasy mit echter Protagonistinnenentwicklung sucht, wird sehr gut bedient.
Wer weiterhören sollte und wer aussteigen kann
Fans des ersten Bandes werden diesen zweiten Band ohne Einschränkung empfehlen können. Wer die Reihe noch nicht kennt: Mit Band 1 anfangen, dann entscheiden. Wer Jugendfantasy mit Romance-Anteil generell nicht mag, findet hier keinen Einstiegspunkt. Mit zehn Stunden und vierzehn Minuten ist es ein vollständig befriedigender Hörtag.