Auf einen Blick
- Sprecher: Julian Mill uebernimmt beide Perspektiven mit feinem Gespuer fuer die unterschiedlichen Temperaturen der zwei Maenner — warmherzig und ueberzeugend.
- Themen: MM-Romance, Identitaet nach dem Scheitern, Grenzen zwischen oeffentlichem und privatem Selbst
- Stimmung: Leicht, witzig und herzwaermend — mit dem noetigen Schuss Herzklopfen
- Fazit: Wer die Puck-Mates-Reihe von Alessia Gold mag, bekommt hier das bisher stimmigste Buch der Serie — und wer neu einsteigt, verpasst nichts Wesentliches.
Es gibt Hoerbuecher, die man sich fuer einen langen Abend aufhebt. Und dann gibt es Hoerbuecher, die man sich eigentlich nur kurz goennen wollte und dann feststellt, dass man schon drei Kapitel weitergehoert hat, waehrend das Abendessen kalt wird. « Just Fans » von Alessia Gold gehoert zur zweiten Kategorie. Ich hatte es an einem Donnerstagabend angefangen, eigentlich als Ueberbrueckung. Am Freitagabend war ich durch.
Die Geschichte beginnt mit einer Verwechslung, die in jeder Schule des romantischen Humors gelten wuerde: Dylan, ein ehemaliger Hockeyspieler, der seinen Traum durch einen Unfall begraben musste, landet durch eine falsche Hausnummer auf dem Set eines sehr speziellen Films. Ohne seine Brille bemerkt er die Kameras nicht. Und seinen heissen Gegenueber haelt er fuer seinen neuen Vorgesetzten. Was folgt, ist das kurioseste Vorstellungsgespraech in der Geschichte der Liebeskomoedie — und das Buch hat die Nerven, diesen Moment voellig durchzuspielen.
Zwei Maenner, zwei Verluste, ein Missverstaendnis
Was « Just Fans » von vielen MM-Romances unterscheidet, ist, dass beide Protagonisten tatsaechlich etwas zu verlieren haben. Dylan hat seinen Beruf verloren und damit die einzige Identitaet, die er je hatte. Er ist pleite, desorientiert und taumelt durch sein Leben mit einer Verletzlichkeit, die man ihm sofort glaubt. Ryder dagegen ist auf der Oberflaeche alles, was Dylan nicht ist: erfolgreich, selbstsicher, begehrt. Aber auch er steckt in einem Gefaengnis — dem seiner Marke, seiner Fans, der Rolle, die er spielen muss, um das zu bleiben, was er ist.
Alessia Gold erlaubt beiden Maennern, sich zu veraendern. Und das ist wichtiger, als es klingt. In vielen Romances dieser Art ist einer der Protagonisten hauptsaechlich Katalysator fuer den anderen. Hier wachsen beide — und das macht die Liebesgeschichte glaubwuerdiger als der Plot es vielleicht erwarten laesst. Eine Rezensentin schrieb, Ryder nehme Dylan zu jeder Zeit ernst, zeige ihm Hoffnungen und Perspektiven auf. Das ist kein Klischee — das ist die Arbeit, die das Buch tatsaechlich leistet.
Julian Mill und die Kunst, zwei Stimmen zu sein
Die Lesung von Julian Mill ist ein echter Gewinn. Er wechselt zwischen Dylans scheuer Begeisterungsfaehigkeit und Ryders kontrollierter Coolness mit einem Fingerspitzengefuehl, das die kapitelweisen Perspektivwechsel nie anstrengend werden laesst. Besonders die Szenen, in denen Dylan innerlich zwischen Selbstironie und echtem Erschrecken hin- und hergerissen wird, treffen einen. Mill hat ein Timing fuer Komik, das im naechsten Moment ruehrselig werden kann — eine schwierige Balance, die er haelt.
Eine Rezensentin schrieb, Dylan habe ihr ein permanentes Laecheln ins Gesicht gezaubert. Das deckt sich mit meiner Erfahrung. Mill traegt genau diese Qualitaet in den Text. Wer schon andere MM-Romances von deutschsprachigen Sprechern kennt, wird schnell merken, dass hier kein reines Vorlesen stattfindet, sondern echtes Interpretieren.
Die Nebenrollen und das Milieu
Wer die erste Puck-Mates-Geschichte (Gabe und Connor) kennt, wird die Gastrollen der beiden mit Freude begruessen. Wer das Buch ohne Vorkenntnisse hoert, verliert nichts — « Just Fans » ist in sich abgeschlossen und erklaert, was man wissen muss. Es lohnt sich trotzdem, vorher « Puck Mates » zu hoeren, nicht weil man es muss, sondern weil die kleinen Anspielungen dann mehr Gewicht haben.
Die Nebencharaktere sind ohnehin besser gezeichnet als in vielen Vergleichstiteln. Ryders Manager, Dylans Mitbewohnerin, die Fans selbst — Gold laesst die Welt um ihre Hauptfiguren herum atmen. Das Milieu rund um Social Media und Content Creation koennte fuer manche Leserinnen und Leser nervig wirken, aber Gold behandelt es weder ironisch noch bewundernd, sondern funktional. Es ist Ryders Realitaet, und sie zeigt, was diese Realitaet mit einem Menschen macht.
Fuer wen ist dieses Hoerbuch
Wer MM-Romance mit Herz, Witz und expliziten Szenen sucht, ist hier genau richtig. Wer Identitaetsthemen in der Unterhaltungsliteratur schaetzt, findet in « Just Fans » mehr Substanz, als der Plot auf den ersten Blick verspricht. Wer dagegen mit dem Content-Creator-Milieu grundsaetzlich nichts anfangen kann, wird an einigen Passagen Geduld brauchen. Explizite Szenen sind vorhanden und werden von Julian Mill entsprechend gelesen.