Auf einen Blick
- Sprecher: Michael Schrodt liest mit klangvoller, altmodisch eleganter Stimme, die perfekt zum Pulp-Noir-Ton der Geschichte passt.
- Themen: Familiengeheimnisse der Hamburger Oberschicht, Privatdetektiv als Außenseiter, Loyalität und Verrat
- Stimmung: Altmodisch-vergnüglich wie ein Groschenroman aus dem Archiv, aber mit echten Momenten von Spannung
- Fazit: Ein kurzweiliger Hamburg-Krimi im Stil der Nachkriegs-Groschenromane, der gut unterhält, solange man keine Innovationen erwartet.
Es war ein Freitagabend, an dem ich dieses Hörbuch startete, mit keiner großen Erwartung außer einer guten Ablenkung. Was mich empfing, war etwas, das ich in dieser Form seit Jahren nicht mehr gehört hatte: ein Hamburg-Krimi, der sich bewusst an die Tradition des klassischen Privatdetektiv-Romans anlehnt, ohne sich dabei zu verbiegen. Kein moderner Antiheld mit Therapiebedarf. Kein sozialrealistisches Hamburg. Stattdessen Jeremias Voss, Privatdetektiv, mit einem riesigen Hund, einer schlagfertigen Sekretärin und einem Instinkt, der ihn in die dunkelsten Ecken der hanseatischen Oberschicht führt.
Ole Hansen hat keinen Originalitätsanspruch für diese Geschichte erhoben, und das ehrliche Vergnügen liegt genau darin. Reviewer Michael Grabowski schreibt, der Schreibstil erinnere ihn an Leihbibliothek-Schwarten aus der Nachkriegszeit, « immer ein Held, viele Freunde, noch mehr Feinde und endlose Fortsetzungen ». Das klingt fast wie eine Kritik, ist aber eigentlich eine Liebeserklärung an ein Genre, das man für tot gehalten hatte.
Michael Schrodt und der Klang von Hamburg bei Regen
Michael Schrodts Stimme ist der stille Trumpf dieses Hörbuchs. Er liest mit einer klangvollen Würde, die dem Erzählstil entspricht: nie zu emotional, nie zu distanziert, immer so, als habe er diese Geschichte selbst erlebt und erzähle sie jetzt von einem Barhocker aus. Der Verlag dotbooks bewirbt ihn als Stimme, die den Krimi zum « packenden Hörabenteuer » macht, und das ist für Verlagssprache ungewöhnlich ehrlich. Schrodt gibt Voss eine Autorität, die der Text allein nicht immer hat.
Besonders gelungen ist, wie er die verschiedenen Vertreter der « ehrenwerten Familie Beermann » liest, jene angesehene Hamburger Familie, die Veronica Beermann abgestoßen hat und deren Geheimnisse Voss nun ausgraben soll. Die Bürgerlichkeit, die über Abgründen schwebt, kommt durch Schrodts Sprechweise sehr deutlich zum Vorschein, ohne je übertrieben zu wirken.
Der Fall: Eine Hamburger Familie und ihr dunkles Erbe
Voss wird zu einer Testamentsverlesung geladen, für eine Frau, die er nicht kennt. Veronica Beermann, abtrünnige Tochter einer angesehenen Familie, hinterlässt ihm den Auftrag, ihren Tod aufzuklären. Sie war überzeugt, dass man sie ermorden wollte. Bald ist klar, dass die Familie ein Geheimnis bewacht. Soweit, so Noir.
Was Hansen gut macht, ist das Tempo. Die Geschichte setzt schnell ein, verliert sich nicht in Milieuzeichnung, und gibt Voss genug Raum, um als Figur zu wirken, nicht nur als Handlungsträger. Reviewer Nofretete nennt ihn « einen intelligenten, spannenden Krimi mit einem engagierten Privatdetektiv », und das trifft die Qualität gut. Reviewer SaRo schreibt, Voss sei vielleicht etwas zu reißerisch dargestellt, aber das tue der Unterhaltung keinen Abbruch. Das ist mein Eindruck auch.
Was man nicht erwarten sollte, und was man bekommt
Wer einen akribisch konstruierten zeitgenössischen Krimi mit psychologischer Tiefe erwartet, hört das falsche Buch. Hansen schreibt Unterhaltung im besten Sinne: mit Figuren, die man mag, einem Fall, der neugierig macht, und einem Hamburg, das nicht dokumentarisch, aber atmosphärisch ist. Der riesige Hund des Privatdetektivs ist eine Details, die mich ehrlich erheitert hat, denn er ist keine Gimmick-Figur, sondern ein echter Charakter in seiner stummen Art.
Reviewer « Amazon Kunde » empfiehlt das Buch als « kurzweilige Urlaubs- oder Feierabendlektüre » für Hamburg-Fans, und das ist genau richtig formuliert. Als erster Band einer Serie ist « Die Tote vom Fischmarkt » ein solider Einstieg. Schrodt macht aus der Lektüre mehr als der Text allein, und acht Stunden Laufzeit fühlen sich nicht schwer an.