"Ich musste sie kaputt machen"
Hörbuch & E-Book

"Ich musste sie kaputt machen", by Stephan Harbort

Von Stephan Harbort

Gesprochen von Markus Böker

★★★★★ 4.5/5 (678 Bewertungen)
🎧 12 Stunden und 46 Minuten 📘 avm 📅 28 avril 2020 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Der Name Joachim Georg Kroll steht für eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Kriminalgeschichte. In mehr als zwei Jahrzehnten tötete der Serienmörder mehrere Frauen und Mädchen, bevor er von der Polizei gefasst wurde. Mit analytischer Schärfe untersucht der bekannte Kriminalist Stephan Harbort den Fall des « Jahrhundertmörders ». Dabei entsteht das beeindruckende Psychogramm eines Mannes, der zeit seines Lebens von seinen Trieben gesteuert wurde.

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Markus Böker liest das analytische Sachbuch mit der nötigen Sachlichkeit – kein Sensationalismus, kein dramatisches Aufbauschen, was dem Material gut steht.
  • Themen: Serienmord und forensische Psychologie, Psychogramm eines Täters, Kriminalgeschichte der Bundesrepublik
  • Stimmung: Nüchtern und beunruhigend, ohne reißerische Inszenierung
  • Fazit: Wer True Crime als Sachbuch ernst nimmt und an der psychologischen Analyse statt am Nervenkitzel interessiert ist, findet in Harborts Arbeit über Joachim Georg Kroll eines der gründlichsten deutschsprachigen Werke zu diesem Fall.

True Crime ist ein Genre, das ich mit einer gewissen Vorsicht höre. Nicht wegen der Inhalte an sich, sondern wegen der Art, wie Opfer und Täter oft inszeniert werden – der eine glamourisiert, die anderen auf ihre Rolle reduziert. Stephan Harbort gehört zu den wenigen deutschen Kriminalisten, bei denen ich diesen Vorbehalt weitgehend ablege. Sein Buch über Joachim Georg Kroll habe ich an zwei Abenden gehört, beide Male mit dem Gefühl, nicht unterhalten, sondern informiert zu werden.

Kroll ist in der deutschen Kriminalgeschichte ein Name, der selten ausgesprochen wird, obwohl er es verdient hätte, mehr verstanden zu sein. Über mehr als zwei Jahrzehnte tötete er mehrere Frauen und Mädchen. Er wurde 1976 in Duisburg gefasst, nachdem ein Hinweis auf ein verstopftes Abflussrohr die Ermittler zu ihm führte. Die Umstände seiner Verhaftung – beschrieben von einem Rezensenten mit einem erschütternden Detailreichtum – sind das Gegenteil eines Thrillerplots: banal, zufällig, und deshalb auf eine eigene Weise viel erschreckender als jede konstruierte Dramaturgie.

Das Psychogramm als Methode

Harbort ist Kriminalist, kein Journalist, und das merkt man. Er nähert sich Kroll nicht durch Anekdoten oder dramatisierte Szenenrekonstruktionen, sondern durch eine systematische Analyse der Biographie, der Tatmuster und der psychologischen Struktur. Das Ergebnis ist ein Psychogramm, das sich nicht damit zufrieden gibt zu beschreiben, was Kroll getan hat. Es fragt, warum – und kommt der Antwort näher als die meisten Werke zu vergleichbaren Tätern.

Eine Rezensentin schreibt, das Buch sei « schockierend und hochinteressant zugleich ». Das stimmt. Die Schockwirkung entsteht nicht durch Effekte, sondern durch Klarheit. Harbort zeigt, wie ein Mann, der von seinen Trieben gesteuert wurde, jahrzehntelang unentdeckt blieb – nicht weil er besonders clever war, sondern weil die Systeme, die ihn hätten stoppen können, versagt haben. Diese Nüchternheit ist das Beunruhigendste an dem Buch.

Markus Bökers nüchterne Distanz

Markus Böker liest das Hörbuch mit einer Stimme, die gut zu Harborts Ton passt. Er macht aus dem Sachbuch kein Hörkrimispektakel. Er trägt vor, erklärt, lässt die Fakten wirken. Bei einem Material wie diesem ist das die richtige Entscheidung. Ich habe Böker schon in anderen Formaten gehört und schätze diese Qualität an ihm: Er versteht, wann seine Aufgabe ist, zurückzutreten und dem Text zu vertrauen.

Bei 12 Stunden und 46 Minuten ist das Hörbuch für ein Sachbuch dieser Art gut bemessen. Harbort geht gründlich vor, ohne in Redundanz zu verfallen. Jedes Kapitel hat seinen Erkenntnisanteil, und der Aufbau – von der Biographie über die Tatmuster bis zur psychologischen Einordnung – ist logisch und nachvollziehbar.

Was dieses Buch von Hollywood-Aufbereitung unterscheidet

Ein Rezensent bringt es auf den Punkt: Das Buch orientiert sich an der Realität, nicht an Hollywood-Mythen. Das bedeutet, dass der Fall keine saubere Heldenerzählung hat, kein genialer Ermittler den Täter nach einem letzten entscheidenden Hinweis überführt. Kroll wurde durch einen Nachbarn, einen Hinweis auf einen Abfluss, und einen Polizeibeamten gefasst, der aufmerksam genug war, zuzuhören. Das klingt unspektakulär. Es ist in Wirklichkeit die erschreckendste Wahrheit über den Fall: Er hätte früher enden können.

Für alle, die True Crime als ernste Auseinandersetzung mit der Frage verstehen, wie Menschen zu Tätern werden und wie gesellschaftliche Strukturen das ermöglichen oder verhindern: Dieses Hörbuch gehört in die Sammlung. Für alle, die Spannung und Nervenkitzel suchen, ist es der falsche Einstieg ins Genre.

Für wen dieses Sachbuch geeignet ist

Empfehlenswert für alle, die an forensischer Psychologie und analytischer Täterprofilierung interessiert sind, und für alle, die den Fall Joachim Georg Kroll jenseits von Zeitungsartikeln verstehen wollen. Weniger geeignet für Hörer, die emotionale Distanz zum Material brauchen oder sich im True-Crime-Bereich eher an fiktionalisierten Nacherzählungen orientieren.

Häufig gestellte Fragen

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Was Hörerinnen und Hörer sagen

★★★★★

Rezension: „Ich musste sie kaputt machen“ – Anatomie eines Jahrhundertmörders –

Autor: Stephan HarbortErschienen: Oktober 2013 – Preis: 9,99 € – SachbuchVerlag: Ullstein – Taschenbuchausgabe: 384 Seiten – ISBN: 978-3-548-37479-6Kurzgeschichte:„Der Name Joachim Georg Kroll steht für eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Kriminalgeschichte. In mehr als zwei Jahrzehnten tötete der Serienmörder mehrere Frauen und Mädchen, bevor er von der Polizei gefasst…

— Daniela Kampschulte
★★★★★

Schockierend und hochinteressant zugleich

»Es geht um das vermisste Mädchen, die Tanja Bracht. … Ich hab‘ mit meiner Frau lange drüber geredet. Wir sind uns nicht ganz sicher, komisch ist das aber schon…« Der Kriminalbeamte hörte aufmerksam zu, stellte Fragen, machte sich eifrig Notizen. Es ging um ein verstopftes Abflussrohr und einen unbescholtenen Nachbarn,…

— Igelmanu
★★★★☆

Lehrreich

Ingesamt ein interessantes und lehrreiches Buch über die Psyche und die Entwicklung eines Serienmörders.Flüssig und logisch aufgebaut und angenehm zu Lesen.Über den Inhalt lasse ich mich hier nicht aus, dazu fehlt mir die Erfahrung und das Wissen um Kritik zu üben.Wer Bücher über die Psyche von Serienkillern liest sollte dieses…

— assassine

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin