Auf einen Blick
- Sprecher: Erik Borner liefert eine solide Leistung, aber ein dokumentierter Schwachpunkt trübt das Bild: Er hat mehrere Handballer-Namen falsch ausgesprochen, was Sportskenner stört.
- Themen: Handball als Leidenschaft, Insiderwissen, Selbstkritik und Sportgeschichte
- Stimmung: Kurzweilig, humorvoll und von echter Begeisterung durchdrungen
- Fazit: Für Handballer ein Pflichtprogramm, für Nicht-Handballer eine überraschend unterhaltsame Einführung — wenn man über den Sprecher-Vorbehalt hinwegsehen kann.
Ich bin keine Handball-Expertin. Ich kenne die großen Namen, ich weiß ungefähr, was ein Kreisläufer ist, und ich hatte als Kind eine Phase, in der ich Kretzschmar im Fernsehen gesehen habe und dachte: Der ist irgendwie anders als die anderen Sportler. Genau dieses Bild, das ich damals hatte, hat ‘Hölleluja!’ in zehn Stunden auf eine sehr amüsante Weise bestätigt und vertieft.
Stefan Kretzschmar ist kein Autor im klassischen Sinne — er ist ein Meinungsmacher, ein Provokateur, jemand, der im Sport und danach als TV-Experte nie die bequeme Variante gewählt hat. ‘Hölleluja!’, das er zusammen mit Nils Weber verfasst hat, klingt genau so. Die Sprache ist direkt, manchmal ruppig, immer mit Haltung. Es gibt Anekdoten, die man als Außenstehende nicht einordnen könnte, wenn Kretzschmar sie nicht so greifbar machte. Und es gibt Kritik — an Strukturen, an Entscheidungen, auch an sich selbst.
Der Sprecher-Vorbehalt, den man kennen muss
Ich kann nicht über dieses Hörbuch schreiben, ohne das anzusprechen: Erik Borner hat mehrere Handballer-Namen falsch ausgesprochen. Das ist keine Kleinigkeit in einem Buch, das vom Insider-Wissen lebt und sich an ein Publikum richtet, das diese Namen täglich hört. Eine Rezensentin schrieb direkt: ‘Es wäre perfekt gewesen, wenn Kretzsche es selbst gelesen hätte. Der Sprecher hat fast alle Namen der Handballer falsch ausgesprochen. Da hätte ich mir mehr Vorbereitung gewünscht.’
Das ist ein legitimer Einwand. Borner liest gut, er hat eine angenehme, klare Stimme und trifft Kretzschmars Tonfall überraschend gut — aber Handballer, die auf jede Aussprache sensibilisiert sind, werden sich mehrfach die Zähne beißen. Das muss ich ehrlich sagen.
Für Nicht-Handball-Kenner wie mich ist das weniger ein Problem. Ich habe die Fehler nicht gehört, weil ich die richtigen Versionen nicht kannte. Das klingt wie Trost, ist aber auch ein echter Hinweis: Wer neu in das Thema einsteigt, wird dieses Manko nicht bemerken.
Zehn Stunden Handball ohne Langeweile
Was Kretzschmar wirklich kann, ist: Geschichten erzählen. Er hat zehn Stunden Material über einen Sport, der außerhalb Deutschlands kaum wahrgenommen wird, und er schafft es, diese zehn Stunden zu füllen, ohne dass man merkt, wie sie vergehen. Das liegt an der Mischung: Anekdoten aus seiner Karriere als einer der besten Spieler der 90er und 2000er Jahre, strukturelle Betrachtungen des deutschen Handball-Systems, ein Blick hinter die Kulissen, den man sonst nicht bekommt.
Eines der stärksten Elemente ist Kretzschmars Selbstkritik. Er idealisiert sich nicht. Mehrere Rezensenten haben genau das hervorgehoben — dass er auch über eigene Fehler, eigene Überheblichkeiten spricht, ohne sie zu dramatisieren oder zu entschuldigen. Das ist selten in Sportlerbiografien, die häufig zur Hagiografie neigen.
Humor als Transportmittel
Der Witz in diesem Buch ist nicht erzwungen. Kretzschmar ist jemand, der Pointen setzen kann, ohne das Gefühl zu erzeugen, dass er versucht, lustig zu sein. Es gibt Momente, in denen ich während des Hörens laut gelacht habe — was bei Sachbüchern selten vorkommt und bei Sportliteratur fast nie. Borner setzt diese Stellen ordentlich um, auch wenn die Textur von Kretzschmars eigener Stimme natürlich fehlen würde.
Das Buch trägt übrigens das Genre ‘Gesundheit und Wohlbefinden’ in den Metadaten, was mich schmunzeln ließ. Es ist ein Sportbuch, eine Meinungsschrift, eine Autobiografie in Bruchstücken — aber kein Wellness-Guide. Wer auf der Suche nach Ernährungsratschlägen oder Mindfulness-Impulsen ist, greift am falschen Regal.
Für wen dieses Hörbuch wirklich ist
Für Handballer und Handball-Enthusiasten ist es fast Pflicht — mit dem genannten Vorbehalt zum Sprecher. Für Menschen, die Kretzschmar als TV-Persönlichkeit schätzen, ist es eine perfekte Vertiefung. Und für alle, die einfach mal einen Sport kennenlernen wollen, dem in Deutschland acht Millionen Menschen folgen, ohne genau zu wissen warum: Dieser Einstieg macht das begreifbar.