Gangsterblues
Hörbuch & E-Book

Gangsterblues, by Joe Bausch

Von Joe Bausch

Gesprochen von Joe Bausch

★★★★★ 4.4/5 (730 Bewertungen)
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Über dieses Hörbuch

True-Crime-Geschichten aus dem härtesten Gefängnis in Deutschland

Sie sind Mörder, Dealer, notorische Betrüger, Vergewaltiger oder haben schwere Raubüberfälle begangen. Und sie alle wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Im Knast haben sie viel Zeit, um sich mit ihren Taten auseinanderzusetzen – und irgendwann wollen sie reden: der psychopathische Serienmörder über eine eiskalte Entführung, die beiden Halbbrüder über einen fast perfekten Mord, oder der Rettungssanitäter über den Zufall, der ihn zum Verbrecher machte – mit verheerenden Folgen. Sie alle vertrauen sich Joe Bausch an und lassen ihn tief in den Abgrund ihrer Seele blicken. Die besten dieser Geschichten hat er hier aufgeschrieben. Wahre Geschichten, die unter die Haut gehen.

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Joe Bausch liest seine eigenen Texte mit einer Sachlichkeit, die den True-Crime-Geschichten mehr Glaubwürdigkeit verleiht als jeder Berufserzähler es könnte.
  • Themen: Kriminalität und ihre Hintergründe, Knastalltag, menschliche Abgründe aus nächster Nähe
  • Stimmung: Nüchtern und beklemmend, mit Momenten unerwarteter Menschlichkeit
  • Fazit: Kurzgeschichten aus dem Gefängnisalltag, die durch Bauschs persönliche Perspektive gewinnen – kein Pageturner, aber ein ehrliches Zeugnis.

Ich war auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch, als ich mit Gangsterblues anfing. Joe Bausch, Gefängnisarzt in der Justizvollzugsanstalt Werl und seit Jahren die Stimme hinter der Figur des Rechtsmedizinerkollegen in Tatort, liest seine eigenen True-Crime-Geschichten aus dem härtesten Gefängnis Deutschlands. Das war ein merkwürdiger Kontrast: draußen der helle Frühlingsmorgen, das gewohnte Stadtbild; im Kopfhörer der ruhige, leicht heisere Tonfall eines Mannes, der tagein tagaus mit Menschen redet, die Dinge getan haben, über die andere nur in Zeitungen lesen.

Was mich überraschte, war nicht die Härte der Inhalte, sondern ihre Form. Gangsterblues ist kein durchgehender Bericht, kein klassisches Memoir, und kein spannungsgeladener Kriminalroman. Es ist eine Sammlung in sich abgeschlossener Kurzgeschichten, jede um eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Verbrechen zentriert. Der psychopathische Serienmörder, der über eine eiskalte Entführung spricht. Die beiden Halbbrüder und ihr fast perfekter Mord. Der Rettungssanitäter, dem ein einziger Moment alles kostete. Bausch hat diese Geschichten über Jahre hinweg gesammelt, weil er sie kannte. Er war dabei.

Der Autor als Zeuge und Erzähler

Das ist die eigentliche Besonderheit dieses Hörbuchs. Bausch schreibt nicht über Täter, die er aus Akten kennt. Er hat mit ihnen gesprochen, ihre Krankheiten behandelt, ihre Versuche beobachtet, sich selbst zu erklären oder zu rechtfertigen. Diese Nähe merkt man jedem Kapitel an. Er urteilt wenig, er erklärt viel, und er lässt die Erzählungen für sich stehen, ohne eine übergeordnete These zu benötigen.

Dass er seine eigenen Texte liest, ist keine Formalie. Sein Vortrag ist keine Lesung im klassischen Sinn, er ist kein Sprecher von Berufs wegen, und das hört man. Aber genau das gibt dem Hörbuch seinen eigenen Klang. Bausch erzählt die Geschichten so, wie jemand erzählt, der sie wirklich kennt. Er macht keine Spannungsbögen auf, wo keine sind. Er dramatisiert nicht, was schon dramatisch genug ist. Eine Rezensentin hat es gut getroffen: Die Kurzgeschichten sind ein willkommener Lesespaß für zwischendurch, für Momente, in denen man nicht die Energie hat, durch dicke Romane zu waten.

Das Ende fehlt manchmal, und das ist richtig so

Wer True-Crime-Formate aus Podcasts oder Streamingserien kennt, geht mit bestimmten Erwartungen an Auflösung und Urteil ins Material. Bausch erfüllt diese Erwartungen nicht immer. Manche Geschichten enden offen, weil die echten Ereignisse offen endeten. Gerichtsverfahren, die sich hinziehen. Insassen, die entlassen wurden, bevor irgendjemand sagen konnte, ob die Resozialisierung funktioniert hat. Eine Rezensentin schreibt, dass bei einigen Geschichten das Ende fehlte, und dass das eben so ist, wenn das Leben selbst die Geschichten schreibt. Das trifft es genau.

Als Hörerin muss man bereit sein, mit dieser Offenheit umzugehen. Wer klare Bögen und befriedigende Auflösungen braucht, wird stellenweise unbefriedigt bleiben. Wer mit dokumentarischer Literatur vertraut ist, wird das Fehlen von Abschlüssen als ehrlich wahrnehmen.

Wo das Hörbuch an seine Grenzen stößt

Es gibt Bewertungen, die das Buch als langsam oder wenig spannend bezeichnen. Diese Kritik ist nicht unberechtig. Bausch schreibt nicht um Spannung zu erzeugen. Er schreibt, um zu berichten. Das ist eine andere Absicht, und wer ein atemloses Leseerlebnis sucht, ist hier falsch. Die Qualität liegt in der Zuverlässigkeit des Blicks, nicht in der Dramaturgie.

Außerdem ist das Buch in Teilen schwer zu rezipieren, wie ein Rezensent anmerkt: Die Geschichten sind in sich abgeschlossen und thematisch nicht immer nahtlos verbunden. Das gibt dem Hörbuch gelegentlich einen fragmentierten Charakter. Als Audioformat ist das übrigens weniger störend als beim Lesen, weil Bauschs gleichmäßige Sprechstimme eine Art Klammer bildet, die die Kapitel zusammenhält.

Für wen und für wen nicht

Für Hörerinnen, die dokumentarisches True-Crime-Material dem dramatisierten vorziehen. Für Menschen, die sich fragen, wie ein erfahrener Gefängnisarzt auf seine Patienten schaut, ohne die Taten kleinzureden. Für alle, die Tatort-Fans sind und wissen wollen, was hinter Bauschs Rolle steckt.

Nicht für Hörerinnen, die packende Erzählbögen und Auflösungen brauchen. Auch nicht für Menschen, die mit Kriminalität und Gewaltverbrechen emotional nichts anfangen können oder wollen.

Ich habe das Hörbuch auf mehrere kurze Pendelfahrten verteilt gehört, und das war die richtige Entscheidung. Es braucht keine Marathonsitzung. Es ist gemacht für genau die Momente, in denen man zehn Minuten Zeit hat und einen Blick in eine Welt werfen will, in der man selbst nie stehen wird.

Häufig gestellte Fragen

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin