Auf einen Blick
- Sprecher: Ursula Berlinghof liest dieses Memoir mit stiller Würde und genau der Wärme, die Françoises Geschichte verlangt.
- Themen: Trauer und Resilienz, Mensch-Tier-Beziehung, Naturschutz in Südafrika
- Stimmung: Bewegend, erdig, manchmal aufwühlend, immer nah an der Wirklichkeit
- Fazit: Ein Memoir, das einen wirklich berührt, vorausgesetzt man geht mit der Erwartung hinein, Françoises Perspektive zu hören, nicht Lawrence Anthonys Geschichte weiterzuverfolgen.
Ich habe Ein Elefant in meiner Küche an einem Sonntagnachmittag begonnen, als es draußen regnete und ich eigentlich vorhatte, Wäsche zu machen. Elf Stunden und achtundvierzig Minuten später war die Wäsche immer noch nicht erledigt, aber ich hatte das Gefühl, etwas Wichtiges erlebt zu haben.
Das Buch von Françoise Malby-Anthony, co-verfasst mit Katja Willemsen, ist das Memoir einer Frau, die plötzlich allein ist: Der Tod ihres Mannes Lawrence Anthony, bekannt als der Elefantenflüsterer, trifft sie nicht nur persönlich, sondern stürzt sie in eine Situation, für die sie sich nicht vorbereitet hat. Das Wildschutzreservat Thula Thula im südafrikanischen KwaZulu-Natal muss geführt werden, das Geld wird knapp, Wilderer wittern die Schwäche des Moments. Und inmitten all dem kommen die Elefanten.
Was die Elefanten tun, als Lawrence stirbt
Es gibt eine Szene, über die man immer wieder liest, wenn von Lawrence Anthonys Tod die Rede ist: Die Elefantenherde, die er über Jahre hinweg gerettet und aufgebaut hatte, erschien kurz nach seinem Tod am Haus, als hätte sie gespürt, was passiert war. Françoise beschreibt diesen Moment in ihrem Memoir, und Ursula Berlinghof liest ihn so, dass man am liebsten kurz pause drücken und durchatmen möchte.
Es sind diese Momente, für die das Buch existiert. Nicht die Verwaltungsgeschichte des Reservats, nicht die Auseinandersetzungen mit Wilderern, nicht einmal die Liebesgeschichte, die im Hintergrund weiterlebt. Sondern die fast unglaubliche Beziehung zwischen einer Frau in Trauer und einer Elefantenherde, die ihr, wie sie schreibt, Kraft spendet. Ob man das wörtlich nehmen will oder als Metapher, ist dem Hörenden überlassen. Der Text lässt beides zu.
Ein Hinweis, den man kennen sollte
Es wäre nicht fair, das Folgende zu verschweigen: Wer Der Elefantenflüsterer von Lawrence Anthony kennt, wird in Françoises Buch auf bekanntes Terrain stoßen. Mehrere Rezensionen weisen darauf hin, dass das erste Drittel des Buches Ereignisse behandelt, die in Lawrences Buch bereits aus dessen Perspektive erzählt wurden. Das ist kein Fehler, sondern eine Entscheidung, und Françoises Sichtweise ist durchaus eine andere. Aber man sollte wissen, dass hier kein frisches Kapitel beginnt, sondern erst im zweiten Drittel ein eigener Blickwinkel wirklich durchkommt.
Wer das Buch ohne Vorkenntnis liest, wird dieses Problem nicht haben. Wer Françoise Malby-Anthonys Geschichte als eigenständigen Einstieg nimmt, ist sogar im Vorteil: Man bekommt den Kontext mit, ohne das erste Buch zu kennen. Als direkte Fortsetzung ist es komplexer zu bewerten.
Ursula Berlinghof und die Kunst des stillen Lesens
Ursula Berlinghof ist eine Sprecherin, die ich als jemanden beschreiben würde, der nicht aufdrängt. Sie ist da, sie trägt den Text, aber sie tritt nie davor. Das ist bei einem Memoir besonders wichtig: Man soll Françoises Stimme hören, nicht eine Interpretation davon. Berlinghof schafft dieses Gleichgewicht mit großer Sicherheit.
Über fast zwölf Stunden bleibt sie konstant und trotzdem lebendig. Es gibt keine müden Passagen, auch wenn der Text selbst manchmal administrativer wird, wenn es um Geld, Personalprobleme und Veterinärbesuche geht. Dass diese Teile nicht zäh werden, ist auch ihr Verdienst.
Für wen dieses Hörbuch gedacht ist, und für wen nicht
Reinhören: Wer Tiergeschichten mit echtem emotionalem Gehalt schätzt. Wer Memoiren von Frauen mag, die in außergewöhnlichen Umständen außergewöhnlich viel leisten. Wer Naturschutz nicht als abstraktes Thema versteht, sondern als gelebten Alltag erleben möchte.
Mit Vorbehalt: Wer Der Elefantenflüsterer unmittelbar davor gehört hat und eine reine Fortsetzung erwartet, sollte wissen, dass das erste Drittel bekanntes Terrain ist. Und wer dramatische Wendungen und straffe Handlung erwartet, findet hier eher ein Memoir im klassischen Sinne: leise, ehrlich, manchmal stockend, genau wie das Leben selbst.