Auf einen Blick
- Sprecher: André Grotta liest mit ruhiger, erdiger Stimme, die gut zur Landschaft und zum Anti-Held-Charakter Baumeisters passt.
- Themen: Journalismus als Waffe, Militär und Korruption, regionale Identität der Eifel
- Stimmung: Trüb und zäh wie ein Herbstmorgen in der Eifel, mit gelegentlichen Momenten echter Dringlichkeit
- Fazit: Ein klassischer regionaler Krimi mit eigenem Tonfall, der Eifel-Liebhaber sofort abholt, aber nicht jeden überzeugen wird.
Ich gestehe, dass ich « Eifel-Blues » nicht sofort in die Hand genommen hätte, wenn mich nicht eine Kollegin darauf hingewiesen hätte, dass Jacques Berndorf mit diesem Roman 1989 praktisch das Genre des deutschen Regionalkrimis begründet hat. Das verändert den Blick erheblich. Man hört das Buch nicht als aktuellen Pageturner, sondern als das, was es ist: ein Stück literarische Regionalgeschichte, die sich gut genug gehalten hat, um auch heute noch als Hörbuch zu funktionieren.
Der Fall ist kompakt: Drei Tote neben einem scharf bewachten Bundeswehrdepot. Verkehrsunfall? Spionageaffäre? Eifersuchtstragödie? Journalist Baumeister beginnt zu recherchieren und wird krankenhausreif geschlagen. Das macht seine Wut größer, nicht kleiner. Berndorf hat für seinen Protagonisten kein Heldenbild gewählt, sondern das eines verbissenen, kantigen Mannes, der nicht aufhört, weil er nicht aufhören kann. Nicht wegen Pflichtgefühl, sondern wegen Sturheit.
André Grottas Stimme und die Schwere der Landschaft
André Grotta liest dieses Hörbuch mit einer Ruhe, die der Eifel gerecht wird. Die Landschaft ist bei Berndorf keine Kulisse, sie ist ein Charakter: nass, eigenartig still, durchzogen von Militärgeschichte und bäuerlicher Sturheit. Grotta hat diese Qualität in seiner Stimme, eine gewisse Schwere, die nicht dramatisiert, sondern einfach da ist. Wenn Baumeister durch die Hügel fährt und beobachtet, klingt es bei Grotta wie eine Selbstverständlichkeit statt wie Poesie. Das passt.
Was mich etwas störte: In Dialogen, besonders in den schnellen Verhörszenen, fehlt manchmal die Schärfe, die man sich wünscht. Die Charaktere sprechen bei Berndorf recht druckreif, wie Reviewer Andreas Klotz treffend anmerkt, und Grotta hält diesen Tonfall aufrecht, ohne ihm Ecken zu geben. Das ist eine Stilentscheidung, die man mögen oder nicht mögen kann.
Was der Plot trägt und was er schuldig bleibt
Berndorfs Stärke liegt nicht in der Konstruktion eines wasserdichten Plots. Reviewer Andreas Klotz nennt die Geschichte « wirre Räuberpistole », was zu hart ist, aber einen wahren Kern hat: Die Konstruktion rund um eine marodierende Soldatentruppe, die die Eifel unsicher macht, ist arg an den Haaren herbeigezogen. Man muss Berndorf entgegenkommen und das als Genre-Freude akzeptieren, nicht als realistisches Szenario.
Was wirklich trägt, sind die Naturschilderungen und Baumeisters Charakter. Reviewer Theo Schwarz nennt ihn einen « typischen Baumeister », und das ist als Lob gemeint: Man weiß, was man bekommt, und das liefert Berndorf verlässlich. Der Anti-Held, der sich nicht kaufen und nicht einschüchtern lässt, ist eine Figur mit echtem Rückgrat, auch wenn die Handlung, die ihn umgibt, manchmal mehr Wunsch als Wirklichkeit ist.
Für wen ist ‘Eifel-Blues’ gedacht
Wer die Eifel kennt, als Region, als Stimmung, als eigenartig stilles Stück Deutschland, wird dieses Hörbuch lieben. Reviewerin Anne Czaikowski beschreibt minutiös, welche Orte sie aus dem Buch kennt, Hillesheim, das Bohlsdorfer Tälchen, die Buchhandlung mit dem Kriminalmuseum, und genau diese Art von Leseerlebnis ist es, das Berndorf für sein Stammpublikum schafft. Wer den Reiz regionaler Krimis nicht teilt oder wer ausgefeilte Plotkonstruktionen erwartet, wird wahrscheinlich genau die 4-Sterne-Meinung von Reviewer Gonozal VIII teilen: « Sehr verwirrend ». Das ist eine valide Reaktion.
Als Einstieg in die Eifel-Krimi-Reihe funktioniert dieser erste Band gut. Baumeister ist eine Figur, die sich schnell aufbaut, und die Landschaft gibt dem Ganzen einen Kontext, den man nach acht Stunden spürt, auch wenn man sie nie besucht hat.