Dünengrab
Hörbuch & E-Book

Dünengrab, by Sven Koch

Von Sven Koch

Gesprochen von Reinhard Scheunemann

★★★★☆ 4.3/5 (827 Bewertungen)
🎧 13 Stunden und 47 Minuten 📘 Audible Studios 📅 1 août 2013 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

In dem kleinen Ort Werlesiel an der friesischen Küste verschwindet ein junges Mädchen nachts im dichten Seenebel. Femke Folkmer, Chefin der kleinen Polizeiinspektion, glaubt nicht an einen normalen Vermisstenfall. Aber auch die Schauergeschichte, die die Küstenbewohner sich erzählen, hält sie für eine Mär. Kriminalist Wolf verstärkt ihr Team. Doch statt der Vermissten finden die Ermittler den versteckten Friedhof eines Serienmörders…

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Reinhard Scheunemann ist eine Geschmacksfrage: Wer seinen bedächtigen, langsamen Stil mag, wird ihn schätzen, andere sollten unbedingt die Hörprobe testen.
  • Themen: Serienmord an der Küste, Regionalidentität und Mythos, das Verhältnis von Fremdem und Einheimischem
  • Stimmung: Neblig und unheimlich, mit dem typischen Ostfriesland-Flair zwischen Weite und Beengung
  • Fazit: Ein atmosphärisch starker Küstenkrimi mit einer einzigen Einschränkung, die man kennen sollte: Der Sprecher polarisiert.

Ich habe Dünengrab an einem November-Nachmittag angefangen, an dem der Herbst sich wirklich nicht entscheiden konnte, ob er Nebel oder Regen schicken wollte. Rückblickend war das die perfekte Wetterlage für dieses Hörbuch. Die friesische Küste, die Sven Koch beschreibt, lebt von genau dieser Atmosphäre: grau, weit, ein bisschen unheimlich, mit dem Gefühl, dass hinter dem nächsten Deich irgendetwas lauert.

Das ist die erste Audible-Exklusiv-Produktion in diesem Stapel, die ich mir angesehen habe, und bei fast vierzehn Stunden Laufzeit muss sie sich das Versprechen, ein vollständiges Erlebnis zu sein, wirklich verdienen. Die gute Nachricht ist: Die Geschichte verdient es. Die etwas kompliziertere Nachricht betrifft den Sprecher, und dazu komme ich gleich.

Werlesiel im Nebel: Was Sven Koch aus dem Regionalkrimi macht

Werlesiel ist fiktiv, aber Sven Koch, der selbst als Zeitungsredakteur arbeitet, schreibt die Landschaft der südlichen Nordsee mit einer Genauigkeit, die sich nicht erfinden lässt. Rezensent Bodo Manstein, der lange in Ostfriesland gelebt hat, bestätigt das ausdrücklich: Die Ortsbeschreibungen nehmen einen mit. Koch schreibt kein Tourismusprospekt, er schreibt die echte Küste, mit ihren Sielhäfen, dem Nebel, den Gezeiten und den Bewohnern, die ihre Geheimnisse so fest halten wie gegen Sturmfluten errichtete Deiche.

Die Prämisse ist stark: Ein junges Mädchen verschwindet nachts im dichten Seenebel. Die Polizeibehörde des kleinen Ortes, geleitet von Femke Folkmer, glaubt nicht an einen normalen Vermisstenfall. Was die Ermittler dann finden, ist weit schlimmer als erwartet: den verborgenen Friedhof eines Serienmörders. Dieser Moment ist gut gesetzt. Koch nimmt sich Zeit für den Aufbau, und diese Zeit ist keine verschwendete.

Femke Folkmer und Tjark Wolf: Ein Ermittlerduo mit Reibung

Sven Koch bietet hier kein Einzelkämpfer-Duo, sondern ein Gespann mit klarer Hierarchie und interessanter Spannung. Femke Folkmer ist die Chefin, verwurzelt, pragmatisch, von den Küstenbewohnern respektiert und gleichzeitig auf Distanz gehalten. Wolf kommt von außen, verstärkt das Team, bringt andere Methoden und andere Perspektiven. Diese Dynamik trägt den Krimi durch seine längeren Passagen. Ich mochte, wie Koch die Außenseiter-Perspektive Wolfs nutzt, um die Region zu zeigen, ohne sie zu erklären. Man entdeckt Werlesiel mit Wolf gemeinsam.

Die Schauergeschichten der Küstenbewohner, die Folkmer zunächst abtut, spielen eine subtilere Rolle als erwartet. Koch ist klug genug, sie nicht vollständig zu entzaubern, aber auch nicht zu bestätigen. Das gibt der Geschichte eine zweite Tonlage, die ich schätze: leise Unheimlichkeit unter dem rationalen Kriminalfall.

Ein offenes Wort zum Sprecher

Reinhard Scheunemann ist nicht meine erste Begegnung mit einem Sprecher, der das Publikum spaltet, aber hier muss ich ehrlich sein. Eine Rezensentin hat es bereits sehr direkt formuliert: langgezogen, mit sinnlosen Pausen, und mit dem Gefühl, dass der Sprecher die Buchstaben abliest statt die Geschichte zu leben. Ich verstehe, was sie meint. Scheunemanns Stil ist bewusst bedächtig, fast gravitätisch. Für manche ist das die perfekte Übereinstimmung mit der Langsamkeit der Küstenlandschaft. Für andere ist es eine Hürde, die schwer zu überwinden ist.

Meine klare Empfehlung: Hört euch die Hörprobe an, bevor ihr kauft. Scheunemann ist kein schlechter Sprecher, aber er ist ein Sprecher, der zu euch passen muss. Das Buch ist gut genug, um ihm eine Chance zu geben, aber ihr müsst wissen, worauf ihr euch einlasst.

Wer dieses Hörbuch hören sollte und wer vielleicht nicht

Wer Ostfriesland-Krimis kennt und liebt, und wer die ruhige, atmosphärische Variante des Genres bevorzugt, wird hier glücklich. Dünengrab ist kein Action-Thriller, sondern ein Milieu-Krimi, der von Stimmung lebt. Wer Scheunemanns Sprechtempo als angenehm empfindet, bekommt fast vierzehn Stunden eines sehr gut konstruierten Regionalfalls. Wer schnelle Spannungsbögen und einen dynamischen Sprachrhythmus erwartet, sollte die Hörprobe wirklich zuerst hören. Das Buch selbst verdient mehr als vier Sterne; die Frage ist nur, ob man sich auf den Weg dorthin einlassen kann.

Häufig gestellte Fragen

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin