Tick, tack
Hörbuch & E-Book

Tick, tack, by Claudia Hammond

Von Claudia Hammond

Gesprochen von Nora Waldstätten

★★★★☆ 3.9/5 (694 Bewertungen)
🎧 11 Stunden und 43 Minuten 📘 Der Hörverlag 📅 10 novembre 2017 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Nichts ist gefährlicher und mächtiger als die Lügen, die wir uns selbst erzählen

Zehn Jahre ist es her, dass Nic ihre Heimatstadt von einem Tag auf den anderen verließ. Doch die Erinnerungen an die Nacht, in der ihre beste Freundin Corinne spurlos verschwand, haben sie nie losgelassen. Hatte jemand aus ihrem Freundeskreis etwas damit zu tun? Eines Tages erhält sie eine geheimnisvolle Nachricht: « Dieses Mädchen. Ich habe sie gesehen. » Nic weiß, dass nur eine damit gemeint sein kann – Corinne. Sie fährt zurück in das von dunklen Wäldern umgebene Städtchen, um herauszufinden, was damals wirklich geschah. Doch schon am selben Abend verschwindet erneut ein Mädchen – das Mädchen, das ihnen allen damals ein Alibi geliefert hatte…

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Nora Waldstätten bringt die Ich-Erzählerin Nic überzeugend zur Geltung — ihre Stimme transportiert Verunsicherung und Entschlossenheit gleichzeitig.
  • Themen: Verschwinden und Schuld, Vergangenheit, die nicht loslässt, Lügen im engen sozialen Gefüge
  • Stimmung: Beklemmend und langsam aufbauend, wie das Grummeln vor einem Gewitter
  • Fazit: Ein psychologischer Thriller mit einer ungewöhnlichen Zeitstruktur — wer Geduld für einen schleppenden ersten Teil mitbringt, wird mit einem dichten Finale belohnt.

Ich war auf dem Weg zu meiner Schwester, Zug, anderthalb Stunden, als ich « Tick, tack » aufmachte. Ich wollte etwas, das mich beschäftigt hält, nicht zu schwer, aber auch nicht banal. Zehn Minuten später hatte ich die Kopfhörer fester in die Ohren gedrückt. Die erste Szene — eine Frau, die nach zehn Jahren in ihre Heimatstadt zurückkehrt, wo ihre beste Freundin verschwunden ist — hatte etwas, das mich sofort eingesaugt hat. Nicht durch Lärm. Durch Stille.

Nora Waldstätten spricht die Ich-Erzählerin Nic, und das ist eine gut getroffene Besetzung. Waldstätten hat eine Qualität, die für Psychothriller aus der Ich-Perspektive selten, aber wertvoll ist: Sie klingt glaubwürdig unsicher. Nic weiß nicht alles. Sie verdrängt Dinge. Sie lügt sich vielleicht selbst an. Waldstätten macht diese innere Unzuverlässigkeit hörbar, ohne sie zu unterstreichen — das bleibt der Interpretation des Hörers überlassen.

Eine Rückkehr, die niemand wollte

Die Grundkonstellation ist klassisch: Nic hat ihre Heimatstadt damals fluchtartig verlassen, nach der Nacht, in der Corinne verschwand. Zehn Jahre Schweigen. Jetzt kommt eine Nachricht — « Dieses Mädchen. Ich habe sie gesehen » — und Nic muss zurück, auch weil das Haus ihres Vaters verkauft werden muss. Was sie vorfindet, ist ein Ort, der aufgehört hat, sich weiterzubewegen. Das Geflüster beginnt sofort wieder.

Was den Thriller von vielen Genrevertretern unterscheidet, ist die Entscheidung für eine nicht-lineare Zeitstruktur. Das Buch ordnet seine Kapitel nach Tagen, aber nicht vorwärts — es bewegt sich rückwärts und vorwärts zugleich. Eine Rezensentin schreibt, sie habe den Überblick verloren, « welcher Tag wie passiert ist ». Das ist ein reales Risiko beim Hören, weil man anders als beim Lesen nicht zurückblättern kann. Ich empfehle, die ersten Kapitel konzentriert zu hören und sich eine mentale Orientierung zu erarbeiten — danach fügt sich die Struktur zusammen.

Der langsame erste Teil und was danach kommt

Es gibt einen berechtigten Kritikpunkt an diesem Hörbuch, und ich will ihn nicht wegdiskutieren: Die erste Hälfte baut langsam auf. Wer einen sofortigen Reißer erwartet, wird die ersten Stunden als zäh empfinden. Die Figuren werden sorgsam eingeführt, die Atmosphäre des Ortes wird herausgearbeitet, die Dynamik innerhalb des alten Freundeskreises entwickelt sich in kleinen, angedeuteten Gesten. Wer dieses Tempo hält, wird in der zweiten Hälfte mit unerwarteten Wendungen belohnt — mehrere Rezensenten schreiben, dass das Buch « nicht aus der Hand » zu legen sei, sobald die Handlung anzieht.

Waldstätten navigiert beide Geschwindigkeiten souverän. Im ruhigen ersten Teil trägt sie den Text mit einer geduldigen Präsenz, die dem Ort und der Atmosphäre Raum gibt. Wenn die Spannung zunimmt, verschiebt sich ihr Rhythmus merklich — nicht dramatisch, aber spürbar.

Was die Synopsis nicht verrät

Das Verschwinden von Corinne ist nicht das einzige Geheimnis. Schon am ersten Abend nach Nics Rückkehr verschwindet erneut ein Mädchen — ausgerechnet jenes, das dem alten Freundeskreis damals ein Alibi geliefert hatte. Diese zweite Ebene gibt dem Thriller eine Dringlichkeit, die über das reine Aufklären der Vergangenheit hinausgeht. Es geht nicht nur darum, was damals war — sondern darum, ob es jetzt wieder passiert.

Dieser Zug, Vergangenheit und Gegenwart gleichzeitig unter Druck zu setzen, ist das Stärkste an der Konstruktion. Und Waldstätten schafft es, beide Zeitebenen in ihrer Sprechweise sauber auseinanderzuhalten, ohne es je ausdrücklich zu markieren.

Wer hier richtig liegt — und wer nicht

Wer Psychothriller mit komplexen Charakteren und einer unzuverlässigen Ich-Erzählerin schätzt, und wer bereit ist, einer nicht-linearen Struktur zu folgen, wird mit « Tick, tack » gut unterhalten sein. Wer einen geradlinigen Spannungsroman ohne Geduldsproben sucht, sollte bei der Stangware bleiben. Elf Stunden und dreiundvierzig Minuten ist eine Laufzeit, die dem Stoff angemessen ist — aber man braucht die richtige Hörsituation dafür.

Häufig gestellte Fragen

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin