Auf einen Blick
- Sprecher: Luisa Wietzorek verleiht Ophelia eine jugendliche Energie und Entschlossenheit, die die Figur von der ersten Minute an greifbar macht. Ihr Tempo ist gut kalibriert, auch in den ruhigeren emotionalen Momenten.
- Themen: Widerstand gegen Unterdrückung, verbotene Liebe, Identität und Loyalität
- Stimmung: Atemlos und spannungsgeladen, mit romantischen Ruhepolen
- Fazit: Wer dystopische YA-Romane mit einer starken Heldin und einem ordentlichen Twist liebt, findet hier einen überzeugenden Serienauftakt.
Es war ein Samstagabend, an dem ich eigentlich nur kurz reinhören wollte. Drei Stunden später saß ich noch immer auf dem Sofa, die Kopfhörer fest im Ohr, und wollte partout nicht pausieren. Lena Kiefers Debütroman « Die Welt wird brennen » hat mich genau dort erwischt, wo YA-Dystopien mich immer dann packen, wenn sie es richtig machen: bei der Figur.
Die 18-jährige Ophelia Scale lebt in einem England der nicht allzu fernen Zukunft, in dem Technologie per Gesetz des Regenten verboten ist. Das Setting klingt zunächst vertraut, fast ein bisschen zu vertraut für jemanden, der sich durch das Genre gelesen hat. Aber Kiefer dreht die Schraube schnell weiter. Ophelia ist keine passive Heldin, die auf ihre Bestimmung wartet. Sie hat sich dem Widerstand angeschlossen, kämpft aktiv, und wird auserwählt, sich beim royalen Geheimdienst zu bewerben. Das Ziel: als Leibwache im Schloss des Regenten ein Attentat vorzubereiten. Das sind keine kleinen Einsätze.
Was Luisa Wietzorek aus Ophelia macht
Luisa Wietzorek ist eine Sprecherin, die ich aus anderen Produktionen kenne, und ich war gespannt, wie sie mit dieser Figur umgeht. Das Ergebnis ist überzeugend. Wietzorek trifft genau den richtigen Ton für Ophelia: entschlossen, aber nicht unfehlbar. Wenn Ophelia zweifelt oder in einem leisen Moment innehält, hört man das. Es gibt Szenen, in denen die Figur zwischen Auftrag und Gefühl zerrissen wird, und Wietzorek arbeitet diese Spannung heraus, ohne dabei ins Dramatische zu kippen. Für einen Roman mit über zwölf Stunden Laufzeit ist das keine Selbstverständlichkeit.
Die Liebesszenen zwischen Ophelia und dem geheimnisvollen Lucien, dem Bruder des Regenten, hätten in weniger geschickten Händen schnell in Kitsch abgedriftet. Wietzorek hält sie geerdet. Man glaubt der Anziehung, auch wenn man als Zuhörerin gleichzeitig weiß, dass diese Liebe das gesamte Vorhaben des Widerstands gefährdet. Genau diese Spannung trägt das Hörbuch.
Die Welt, die Kiefer baut
Was mich bei Debütromanen immer interessiert: Wie viel Vertrauen hat die Autorin in ihre eigene Welt? Bei Kiefer ist die Antwort: ziemlich viel. Das technikfreie England wird nicht erklärt oder entschuldigt. Es existiert einfach, mit seinen eigenen Regeln, Hierarchien und dem Widerstandsnetzwerk ReVerse, das die Figur umgibt. Man erhält die Informationen dosiert, nie als Infodump.
Einige Rezensenten haben angemerkt, dass das Buch an jeder Stelle überraschend ist und man nie sicher sein kann, was als nächstes kommt. Das kann ich bestätigen. Es gibt Wendungen, die ich nicht kommen gesehen habe, und mindestens einen Moment, bei dem ich in meinem Wohnzimmer laut aufgeatmet habe. Für einen Serienauftakt ist das ein gutes Zeichen: Man will sofort wissen, wie es weitergeht.
Wer dieses Hörbuch hören sollte und wer nicht
Wer dystopische YA-Romane mag und sich von Titeln wie « Throne of Glass » oder « An Ember in the Ashes » hat mitreißen lassen, wird hier sehr gut aufgehoben sein. Die Kombination aus politischem Widerstand und romantischer Spannung ist das Kernversprechen des Romans, und es wird eingelöst. Luisa Wietzoreks Interpretation macht das Hörbuch zu einer eigenständigen Erfahrung, nicht nur zur vertönten Buchversion.
Wer hingegen kein Geduld für langsam aufbauende Liebesgeschichten mitbringt oder nach einem abgeschlossenen Einzelwerk sucht, sollte wissen, dass dies der Auftakt einer Reihe ist. Der erste Band endet mit offenem Ausgang. Das ist keine Kritik, nur eine Warnung: Man wird den zweiten Band brauchen.