Die Welt im Rücken
Hörbuch & E-Book

Die Welt im Rücken, by Gesprochen von: Thomas Melle

Von Gesprochen von: Thomas Melle

Gesprochen von Spieldauer: 9 Std. und 36 Min.

★★★★☆ 4.3/5 (784 Bewertungen)
🎧 9 Stunden und 36 Minuten 📘 tacheles! / Roof Music 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

« Ich bin einer derer, die die Jahreskarte gezogen haben. Wenn ich abrutsche oder hochfliege, dann für eine lange Zeit. Dann bin ich nicht mehr zu halten, ob im Flug oder im Fall. »

Die fesselnde Chronik einer manisch-depressiven Erkrankung: ein autobiografisch radikales Werk von höchster literarischer Kraft.

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Thomas Melle liest sein eigenes Memoir selbst, und diese Entscheidung verändert alles an der Wirkung des Textes.
  • Themen: Bipolare Erkrankung, Identitätsverlust, Literatur als Selbstbefragung
  • Stimmung: Schonungslos klar, literarisch verdichtet, emotional erschütternd
  • Fazit: Eines der wichtigsten deutschsprachigen Memoiren der letzten zwanzig Jahre, das im Hörbuch durch Melles eigene Stimme eine zusätzliche Dimension bekommt.

Ich hatte « Die Welt im Rücken » von Thomas Melle schon einmal gelesen, als es 2016 erschien. Oder vielmehr: Ich hatte versucht, es zu lesen. Ich war damals nicht weit gekommen. Nicht weil es schlecht war, sondern weil es zu gut war, und weil seine Genauigkeit eine Art körperliche Reaktion ausgelöst hat, die ich damals nicht einordnen konnte.

Das Hörbuch habe ich an einem langen Sonntag begonnen. Ich war zu Hause, hatte keine Pläne, und dachte, ich würde vielleicht drei Stunden hören. Es wurden neun Stunden und sechsunddreißig Minuten am Stück. Das ist das einzige Mal in meinen Jahren beim Hörbuch-Hören, dass mir das passiert ist.

Wenn der Autor selbst liest

Thomas Melle liest dieses Buch selbst. Das ist nicht selbstverständlich, und es ist keine Formsache. Wenn ein Autor sein eigenes Memoir einspricht, entsteht etwas, das kein professioneller Sprecher replizieren könnte, egal wie begabt. Man hört die Stellen, an denen Melle beim Sprechen einen kurzen Moment zögert. Man hört, wie er die Sätze formuliert, die über seine eigenen manischen Episoden handeln, mit einer Distanz, die keine emotionale Gleichgültigkeit ist, sondern die Distanz dessen, der diese Geschichte hundertmal durchdacht hat und sie trotzdem noch immer als fremd empfindet.

Der Roman dokumentiert drei schwere Manien: 1999, 2006, 2010. Melle schreibt, ich lasse ihn hier wörtlich: « Ich bin einer derer, die die Jahreskarte gezogen haben. Wenn ich abrutsche oder hochfliege, dann für eine lange Zeit. » Dieser Satz, aus Melles eigenem Mund gesprochen, trifft anders als auf der Seite. Das ist kein besseres oder schlechteres Erlebnis. Es ist ein anderes, und für dieses Buch ist es das richtigere.

Was dieses Memoir leistet, was andere nicht leisten

Es gibt eine Flut von Büchern über psychische Erkrankungen, und viele von ihnen sind nützlich. Melles Buch ist in einer anderen Kategorie. Er schreibt nicht als Genesener, der auf die dunklen Jahre zurückblickt und Ratschläge verteilt. Er schreibt als jemand, der im Jahr 2016 unter einem Phasenprophylaktikum stabil ist, aber explizit nicht weiß, ob eine vierte Manie kommt. Er schreibt ohne Heilsversprechen, ohne therapeutischen Rahmen, der den Schmerz auflöst.

Ein Rezensent schreibt: « Melle reißt alle Pflaster ab, er sagt, wo es wehtut, er sticht noch einmal in die Wunde, er lacht dabei, aber niemals hämisch. » Das ist präzise. Es gibt Stellen in diesem Buch, die grotesk komisch sind, weil die Manie selbst grotesken Humor hat, Momente, in denen ein Mensch sich für den Mittelpunkt des Universums hält und entsprechend handelt. Melle beschreibt diese Momente ohne falsche Scham, aber auch ohne die Selbstbestrafung, die man erwarten könnte.

19 Jahre, drei Abstürze, ein literarisches Werk

Der Zeitraum, den Melle in diesem Buch durchleuchtet, reicht von den späten 1990er Jahren bis zum Schreibzeitpunkt 2016. Dazwischen liegt nicht nur Krankheit, sondern auch eine Karriere als Schriftsteller und Dramatiker, Preise, Kollegen, Liebesbeziehungen, die unter der Erkrankung zerbrochen sind, und Freundschaften, die es trotzdem irgendwie überlebt haben. Melle ist kein unbekannter Autor, der seine Geschichte als Therapie aufschreibt. Er ist ein anerkannter Literat, und das merkt man: Der Text ist von hoher sprachlicher Präzision, er findet für psychiatrische Zustände Bilder, die in der Sprache nichts Klinisches haben, und er legt damit etwas frei, das kaum ein anderes Buch über Bipolarität geleistet hat.

« Die Welt im Rücken » ist dabei kein Buch, das man jemandem einfach so in die Hand drückt. Wer selbst Erfahrungen mit manisch-depressiven Erkrankungen hat, eigene oder in der nächsten Umgebung, wird an vielen Stellen sehr nah am Text sitzen. Das ist kein Warnhinweis im schrillen Sinne, aber ein ehrlicher.

9 Stunden und 36 Minuten, die man nicht vergisst

Was dieses Hörbuch bleibt, auch Tage nach dem letzten gehörten Satz, ist eine sonderbare Mischung aus Erschütterung und Klarheit. Melle hat etwas abgeliefert, das über das Genre des Krankheitsmemoirs hinausgeht. Es ist Literatur, die zufällig ein Memoir ist. Oder ein Memoir, das zufällig Literatur ist. In seiner eigenen Stimme klingt es nach beiden Dingen zugleich.

Häufig gestellte Fragen

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Was Hörerinnen und Hörer sagen

★★★★★

Überspannung. „Das Hirn stürzt herrenlos davon.“

„Wie erzählt man von sich als einem Idioten?“, fragt Thomas Melle, und es gelingt ihm mit dem Versuch, das tatsächlich zu tun, ein ausgezeichnetes Buch – für jene, die selbst genug Unwucht im eigenen Leben kennen, wie für die, denen das ein Rätsel ist. – Einer, der den eigenen Wahn…

— Heino Bosselmann
★★★★☆

Melle reißt alle Pflaster ab, er sagt, wo es wehtut, er sticht noch einmal in die Wunde, er lacht dabei, aber niemals hämisch

Thomas Melle ist da ein Buch gelungen, das mehr ist, als einfach nur verdammt gute Literatur. Die Beschreibung seiner manischen und depressiven Zustände ist derart treffend, dass ich, als der Autor in Hamburg daraus vorlas, nicht die Einzige war, die man mit verheulten Augen im Publikum sitzen sah. Wo Ziemlich…

— Maria
★★★★★

Achterbahn

Der manisch-depressive Autor erfolgreicher Romane und Stücke blickt in seinem Memoir auf 19 Jahre seines Lebens zurück. Geprägt haben sie drei schwere Manien, 1999, 2006 und 2010. Heute, 2016, ist er unter dem Phasenprophylaktikum Valproinsäure stabil. So würden die Ärzte sagen. Auch er sieht es so. Von der Notwendigkeit, bis…

— StevenStone

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin