Auf einen Blick
- Sprecher: Anja Kalischke-Bäuerle trifft den Ton der Kleinstadtidylle sehr gut, mit der richtigen Mischung aus trockenem Humor und verhaltener Spannung.
- Themen: Kleinstadtgeheimnisse, Cold Case, ungewöhnliche Frauenfiguren
- Stimmung: Wohlig unheimlich, mit einem Schmunzeln im Mundwinkel
- Fazit: Wer cozy britisches Flair und ein ungewöhnliches Ermittlerinnen-Duo sucht, liegt mit diesem Reihenauftakt richtig.
Es war ein grauer Dienstagabend, und ich hatte eigentlich nur kurz reinhorchen wollen. Drei Stunden später saß ich immer noch da, meine Tasse Tee längst kalt, und Anja Kalischke-Bäuerle erzählte mir von einem 15 Jahre alten Skelett, das auf einem englischen Kirchhof aus dem Boden aufgetaucht war. So beginnt Die Tote vom Pendle Hill, der Auftakt der Churchyard Crimes-Reihe von Marlene Menzel.
Ich gestehe, dass ich beim Genre Cosy Crime manchmal skeptisch bin. Menzel aber weiß genau, was sie tut. Pendle ist nicht einfach eine Kulisse, sondern eine Gemeinde mit Geschichte, Aberglauben und dem besonderen Misstrauen kleiner englischer Ortschaften gegenüber allem Unbekannten.
Zwischen Friedhofserde und True-Crime-Blog
Was mich an Alethea sofort überzeugt hat, ist ihre Unwahrscheinlichkeit. Eine Erwachsene, die einen Kirchhof verwaltet, nachts über Kaltfälle bloggt und gleichzeitig versucht, das Erbe ihres Vaters zu verstehen. Inspector Myrna Evans ist das zweite Standbein dieser Reihe, und das Zusammenspiel der beiden Frauen ist das eigentliche Herzstück des Hörbuchs.
Was Anja Kalischke-Bäuerle aus Pendle macht
Die Sprecherin hat eine Stimme, die ich als angenehm unaufgeregt bezeichnen würde. Kein übertriebenes Dramatisieren, kein Theaterjargon. Sie lässt die Geschichte atmen. Besonders gut funktioniert sie in den Momenten, in denen Thea allein auf dem Kirchhof ist, nachts, mit nichts als ihren Gedanken und dem Wind.
Was ich ehrlich ansprechen muss: Die Auflösung am Ende ist nicht vollständig. Es bleiben Fäden übrig für die Folgebände. Die sieben Stunden lohnen sich als Einstieg in eine Reihe, die zum Geheimtipp im deutschen Cosy-Crime-Segment werden könnte.