Auf einen Blick
- Sprecher: Ben Bela Böhm verleiht Kaelan und Lasaro klare, unterscheidbare Stimmen und hält das Tempo der drei Bände gut zusammen.
- Themen: Außenseitertum und Zugehörigkeit, Verrat und Loyalität, Selbstopfer für das Gemeinwohl
- Stimmung: Mitreißend und abenteuerlich, mit romantischen Momenten, die organisch aus der Geschichte wachsen
- Fazit: Eine solide YA-Fantasyreihe, die bekannte Motive mit Überzeugung und Tempo umsetzt, auch wenn das Finale etwas zu viele Fäden offen lässt.
Meine Nichte hat mich auf diese Reihe gebracht. Sie ist fünfzehn und hat mir nach Monaten des Drängens endlich klargemacht, dass ich Drachenzähmer wirklich hören muss und zwar jetzt. Ich habe dann das Hörbuch mit der kompletten Serie bestellt und bin an einem langen Wochenende mit den ersten Kapiteln begonnen, zunächst aus dem Pflichtgefühl einer Tante heraus. Und bin dann tatsächlich hängen geblieben.
Die Drachenakademie von Alveria ist nicht revolutionär. Ava Richardson erfindet das YA-Fantasy-Genre nicht neu. Aber sie tut etwas, das deutlich schwieriger ist als es klingt: Sie erzählt eine Geschichte über Außenseitertum, Loyalität und Selbstopfer mit echtem erzählerischem Sog, ohne in die üblichen Fallen zu tappen. Kaelan Younger, die sechzehnjährige Protagonistin, die auf der untersten Stufe der Gesellschaft Alverias aufgewachsen ist und plötzlich erfährt, dass ihre Herkunft alles andere ist als sie dachte, ist eine Figur, die ich mochte, auch wenn ich oft voraus wusste, was auf sie zukam.
Drei Bücher, ein Atem
Der Vorteil dieses Gesamtpakets mit über einunddreißig Stunden Laufzeit ist, dass man alle drei Teile ohne Unterbrechung erleben kann. Drachenzähmer, Drachenkrankheit und Drachenthron bauen aufeinander auf, und zwischen den Bänden gibt es keine natürlichen Pausenpunkte, jedenfalls nicht, wenn man einmal drin ist. Ben Bela Böhm als Sprecher trägt erheblich dazu bei, dass das Gesamtgefüge zusammenhält. Er ist einer dieser Sprecher, die keine einzelnen Sätze lesen, sondern Szenen spielen, ohne dabei zu theatralisch zu werden. Kaelan klingt bei ihm weder wie ein Kinderbuchcharakter noch wie eine erwachsene Frau, die eine Jugendliche imitiert. Er trifft einen Ton, der für das Genre funktioniert.
Ben Bela Böhm ist im deutschen Hörbuchmarkt bekannt für ein breites Spektrum, von Krimis bis Fantasy, und er beweist hier erneut, dass er gerade mit jugendlichen Protagonistinnen überzeugend arbeiten kann, ohne das Material herunterzuspielen.
Alveria als Welt: Was funktioniert und was nicht
Das Worldbuilding ist das Herzstück der Reihe und gleichzeitig ihre größte Schwäche. Das Verhältnis zwischen Menschen und Drachen in Alveria, jahrhundertelanges Miteinander, dann Verfall, Krankheit, politische Destabilisierung, ist in den ersten Stunden überzeugend aufgebaut. Die Akademie selbst als Ort des Lernens, der Hierarchien und der versteckten Allianzen funktioniert gut als Kulisse für Kaelans innere und äußere Konflikte.
Was weniger gut funktioniert, ist das Finale. Drachenthron, das dritte Buch, hat eine Aufgabe zu erfüllen: Es muss mehrere parallel verlaufende Krisenlinien auflösen, die Romanze zwischen Kaelan und Lasaro zu einem Ende bringen, die Frage um Kaelans Vater und seine Vergangenheit klären und gleichzeitig das Problem mit den fehlenden Dracheneiern lösen, das in den vorangegangenen Bänden mehrfach erwähnt wurde. Ehrlich gesagt schafft es das nicht vollständig. Einige Rezensenten haben zu Recht angemerkt, dass bestimmte Plotlinien eher erwähnt als aufgelöst werden. Das ist frustrierend, schmälert aber nicht, was die ersten zwei Drittel der Reihe leisten.
Für Fans von Eragon und Co.
Ein Rezensent hat angemerkt, dass wer mit Eragon aufgewachsen ist, möglicherweise verwöhnt ist. Das stimmt. Die Drachenakademie spielt in einer anderen Liga als Paolinis Epos, sowohl was die Tiefe des Worldbuildings als auch die sprachliche Komplexität betrifft. Wer aber eine gut gemachte, temporeiche Abenteuergeschichte mit romantischen Elementen sucht, die für junge Hörerinnen und Hörer ab etwa zwölf Jahren gut geeignet ist, liegt hier richtig. Die Brutalität bleibt auf jugendromanüblichem Niveau, die Liebesgeschichte entwickelt sich organisch und ohne reißerische Sprünge.
Für Erwachsene, die das Genre mögen, ist es ebenfalls hörbar, aber man sollte die Erwartungen entsprechend setzen.