Auf einen Blick
- Sprecher: Corinna Dorenkamp findet den leichten, warmherzigen Ton der Geschichte perfekt und leiht Tilda eine sympathische, trockene Stimme.
- Themen: Neuanfang nach dem Vertrauensbruch, unerwartete Fürsorge und Verbindung, zweite Chancen in Liebe und Arbeit
- Stimmung: Locker und heiter, mit ein paar ruhigeren Momenten der Selbstreflexion
- Fazit: Ein kurzweiliger Wohlfühlroman für zwischendurch, der nicht mehr sein will als das, und genau deshalb funktioniert.
Ich hatte dieses Hörbuch an einem Freitagabend begonnen, nach einer Woche, die sich angefühlt hatte wie zwei. Ich wollte nichts Anstrengendes, nichts, das mich zum Nachdenken zwingt, nichts, das mich aufwühlt. Ich wollte eine Geschichte, die sich gut anfühlt, die mich ein bisschen zum Lachen bringt, und die irgendwo ankommt, ohne einen schlechten Nachgeschmack zu hinterlassen. Dich schaff ich auch noch von Angelika Schwarzhuber hat genau das geliefert, nicht mehr und nicht weniger, und das halte ich für eine eigenständige Qualität.
Schwarzhuber ist eine Autorin, die in der deutschsprachigen Wohlfühlliteratur eine feste Leserinnenschaft hat. Ihre Bücher folgen einer erkennbaren Grammatik: Es gibt eine Protagonistin, die an einem Wendepunkt steht; es gibt eine unerwartete Aufgabe, die sich als Tarnung für etwas Persönlicheres herausstellt; es gibt eine Liebesgeschichte, die sich gegen alle Erwartungen entwickelt. Das klingt nach einer Formel, und es ist eine. Aber gut ausgeführte Formeln haben ihren eigenen Wert.
Tilda, Betty und das Leben in Passau
Die 35-jährige Tilda hat gerade entdeckt, dass ihr Mann fremdgeht. Während sie versucht, ihr Leben neu zusammenzusetzen, landet sie durch einen Deal in einer seltsamen Aufgabe: drei Wochen lang die launische Schwiegermutter ihres künftigen Chefs betreuen, eine ältere Frau namens Betty, dazu zwei Katzen und eine Wohnung in Passau. Im Gegenzug bekommt sie den Traumjob, auf den sie hingearbeitet hat.
Betty ist die Figur, die das Buch trägt. Sie ist schwierig, eigensinnig, mitunter verletzend, und gleichzeitig besitzt sie eine Integrität, die Tilda langsam respektieren lernt. Schwarzhuber vermeidet die naheliegende Versuchung, Betty im Verlauf des Buches einfach netter zu machen. Sie bleibt kantig. Die Veränderung geschieht in Tilda, nicht in Betty, und das macht die Figurdynamik glaubwürdiger als in vielen ähnlichen Romanen.
Phil und die Frage, ob es eine Überraschung ist
Wenn Bettys Sohn Phil plötzlich in Passau auftaucht, wird dem kundigen Leser und der kundigen Leserin der Wohlfühlliteratur sofort klar, wohin die Geschichte steuert. Das ist kein Vorwurf: Wer ein Buch dieser Art aufschlägt, kauft das Genre mit seinen Konventionen ein, und das schließt eine gewisse Vorhersehbarkeit ausdrücklich ein. Was zählt, ist nicht das Ziel, sondern der Weg. Schwarzhuber gelingt es, die Annäherung zwischen Tilda und Phil mit genug Hindernissen und Witz auszustatten, dass sie Spaß macht, auch wenn das Ende absehbar ist.
Die Lektüre in einem Rutsch, die mehrere Rezensenten beschreiben, ist nachvollziehbar. Das Buch hat einen guten Fluss, keine schwachen mittleren Kapitel, in denen die Geschichte auf der Stelle tritt, und einen Schluss, der das Versprechen des Anfangs einlöst. Das sind keine selbstverständlichen Qualitäten.
Corinna Dorenkamp und das Handwerk der Wohlfühlstimme
Corinna Dorenkamp ist eine erfahrene Sprecherin, und das merkt man sofort. Sie liest Tilda mit einer leichten, trockenen Ironie, die der Figur guttut. Tilda ist keine naive Romantikheldin, sie ist eine erwachsene Frau in einer unangenehmen Situation, die mit Witz reagiert. Dorenkamp trifft diesen Ton präzise. Sie übertreibt die komischen Stellen nicht, und sie unterschlägt die ruhigeren Momente nicht, in denen Tilda mit dem Scheitern ihrer Ehe hadert. Das Gleichgewicht ist gut.
Bei gut sieben Stunden Laufzeit ist das Hörbuch ideal für ein Wochenende oder einige Pendelstrecken. Es ist kein Buch, das man aufgeteilt über drei Wochen hören sollte: Es verliert Energie, wenn es unterbrochen wird. Am besten in größeren Blöcken.
Für wen dieses Hörbuch passt und für wen nicht
Dich schaff ich auch noch ist für jemanden, der leichte, charmante deutschsprachige Liebesromane mag und nichts dagegen hat, wenn alles gut ausgeht. Es ist für Abende, an denen man etwas Warmes und Unkompliziertes braucht. Es ist für Angelika-Schwarzhuber-Leserinnen, die wissen, was sie bekommen, und es gern nehmen.
Wer Liebesromane mit literarischem Anspruch, unerwarteten Wendungen oder tieferer psychologischer Charakterarbeit sucht, ist hier nicht richtig. Das Buch macht keine Versprechungen, die es nicht halten will, und das ist klar und fair. Die Rezensionen spiegeln das wider: Die begeisterten Stimmen loben genau das, was dieses Buch ist, und die verhaltenen loben es als angenehmes Zwischendurch-Lesen. Beides ist richtig.