Auf einen Blick
- Sprecher: Anna Thalbach ist Kult in dieser Reihe — ihr Timing, ihre Stimmfaerbungen fuer jeden Charakter und ihr Gespuer fuer Witz und Schauder machen Lockwood & Co. zum Masstab fuer Jugendbuch-Hoerbuecher.
- Themen: Geisterbekaempfung und Freundschaft, das Raetsel hinter dem Problem, Abschied und Erneuerung
- Stimmung: Gruselig, witzig und dicht gepackt — ein wuerdiges Finale
- Fazit: Wer die Lockwood-und-Co.-Reihe liebt, bekommt hier den Abschluss, den die Serie verdient — aber bitte unbedingt bei Band 1 anfangen.
Ich habe alle fuenf Baende der Lockwood-und-Co.-Reihe im Abstand von wenigen Wochen gehoert. Als « Das Grauenvolle Grab » zu Ende war, habe ich ein paar Sekunden einfach nur dasitzen muessen. Nicht weil das Ende enttaeuschend war — im Gegenteil. Sondern weil man nach fuenf Baenden mit Lucy, Lockwood und George nicht einfach weitermacht. Man verabschiedet sich.
Jonathan Stroud hat mit Lockwood & Co. eine Welt erschaffen, die in jeder Hinsicht aussergewoehnlich ist. Ein alternatives Grossbritannien, in dem Geister real und gefaehrlich sind, in dem Kinder und Jugendliche die einzigen sind, die sie wahrnehmen koennen, und in dem eine kleine, kaum solvente Agentur in einem heruntergekommenen Haus in Portland Row einige der groessten Faelle des Landes loest. Das ist nicht nur Kinderbuch. Das ist Weltbau der besten Art.
Die alles entscheidenden Fragen — und ihre Antworten
« Das Grauenvolle Grab » stellt sich von Anfang an der groessten offenen Frage der ganzen Reihe: Was ist die eigentliche Quelle des Problems? Wer oder was steckt hinter dem massenhaften Auftauchen von Geistern in Grossbritannien? Und liegt Marissa Fittes wirklich in ihrem Mausoleum?
Stroud beantwortet diese Fragen. Vollstaendig. Das klingt selbstverstaendlich, ist es aber nicht — zu viele Serienfinales lassen Dinge offen, entweder aus Feigheit oder in Hoffnung auf eine Fortsetzung. Stroud schliesst alle Tueren. Die Aufloesung ist clever, respektiert die Intelligenz des Publikums und bringt Charaktere zusammen, die man nicht erwartet haette. Das Einbruch-Szenario ins Mausoleum gleich zu Beginn setzt das Tempo — und haelt es bis zum Ende.
Anna Thalbach und das Erbe einer Seriensprecherin
Es waere falsch, Anna Thalbach hier nur kurz abzuhandeln. Sie ist fuer diese Reihe das, was Stephen Fry fuer die englischen Harry-Potter-Ausgaben ist: keine Alternativbesetzung denkbar. Ihre Lucy ist schlagfertig und nahbar, ihr Lockwood hat genau die richtige Mischung aus Charisma und verborgenem Schmerz, und der sprechende Schaedel — eine der merkwuerdigsten Charaktererfindungen der Jugendliteratur der letzten zwanzig Jahre — klingt bei ihr wie ein alter Bekannter, den man vermisst, sobald er schweigt.
In Band fuenf hat Thalbach offensichtlich das Gewicht des Finales gespuert. Ihre Lesung ist eine Spur behutsamer als in den frueheren Baenden — nicht schlechter, sondern bewusster. Die Witzmomente kommen noch, aber sie kommen inmitten von Ernsthaftigkeit, und sie klingt, als wuerde sie selbst ein bisschen Abschied nehmen.
Strouds Schreiben auf dem Hoehepunkt
Was « Das Grauenvolle Grab » gegenueber den ersten Baenden auszeichnet, ist die emotionale Tiefe. Die frueheren Lockwood-Buecher sind hervorragende Abenteuer mit Gruselquotienten und viel Witz. Der letzte Band ist das auch — aber er ist ausserdem ein Buch ueber Verlust, ueber das Ende der Kindheit und darueber, was man zuruecklaesst, wenn man eine Welt rettet. Dass Stroud das alles in einem Buch unterbringt, das weiterhin vollstaendig funktioniert als Jugendroman und als Gruselgeschichte, ist keine Selbstverstaendlichkeit.
Rezensenten nennen es gleichlautend einen grossartigen Abschluss einer fantastischen Buchreihe. Das ist richtig, unterschlaegt aber, wie konsequent Stroud bis zur letzten Seite seinen eigenen Massstab haelt. « Grusel, Gaensehaut und Grabgelaechter » versprechen der Klappentext — alle drei liefert das Buch.
Serienanfaenger und Einstiegshinweis
« Das Grauenvolle Grab » ist Band 5 von 5. Wer hier anfaengt, versteht vielleicht die Handlung, aber nicht die Charaktere, nicht die Beziehungen und nicht, warum der Schlusspunkt so wirkungsvoll ist. Bitte mit Band 1 beginnen: « Der Hoehlenwandler » (Lockwood & Co., Band 1). Alle fuenf Baende sind mit Anna Thalbach eingespielt und verdienen es, hintereinander gehoert zu werden.