Befreit
Hörbuch & E-Book

Befreit, by Tara Westover

Von Tara Westover

Gesprochen von Ulrike Sophie Kapfer

★★★★★ 4.5/5 (955 Bewertungen)
🎧 13 Stunden und 19 Minuten 📘 ABP Verlag 📅 13 novembre 2020 🌐 Deutsch
🎧 Bei Audible DE hören 📖 Auf Kindle lesen

30 Tage kostenlos testen · Jederzeit kündbar

Über dieses Hörbuch

#1 New York Times Bestseller, Buch des Jahrzehnts – 2010-2020 (Independent).

Ausgewählt als Buch des Jahres von Amazon, The Times, Sunday Times, Guardian, New York Times, Economist, New Statesman, Vogue, Irish Times, Irish Examiner und Red Magazine.

Von den Bergen Idahos nach Cambridge – der unwahrscheinliche « Bildungsweg » der Tara Westover.

Tara Westover war 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal eine Schulklasse betrat. Die Berge Idahos waren Taras Heimat, sie lebte als Kind im Einklang mit der grandiosen Natur, mit dem Wechsel der Jahreszeiten – und mit den Gesetzen, die ihr Vater aufstellte. Taras Vater war ein fundamentalistischer Mormone, vom baldigen Ende der Welt überzeugt und voller Misstrauen gegenüber dem Staat, von dem er sich verfolgt sah. Tara und ihre Geschwister gingen nicht zur Schule, sie hatten keine Geburtsurkunden, und ein Arzt wurde selbst bei fürchterlichsten Verletzungen nicht gerufen.

Nichts war dieser Welt ferner als Bildung. Und doch fand Tara die Kraft, sich auf die Aufnahmeprüfung fürs College vorzubereiten, auch wenn sie quasi bei null anfangen musste.

In diesem ergreifenden und wunderbar poetischen Hörbuch erfahren wir:

welche Entbehrungen und Grausamkeiten Tara erlebt,
wie sie überhaupt erst einmal ein Bewusstsein von sich selbst entwickelt und
wie sie sich aus einer ärmlichen, archaischen und von Paranoia und Gewalt geprägten Welt befreit.

Tara Westover (* 27. September 1986) ist eine US-amerikanische Historikerin und Schriftstellerin. Sie wurde bekannt durch ihre Autobiografie Befreit: Wie Bildung mir die Welt erschloss und genannt als eine der einflussreichsten Personen des Jahres 2019.

🎧 Kostenlos bei Audible DE hören

30 Tage kostenlos testen · Jederzeit kündbar

Auf einen Blick

  • Sprecher: Ulrike Sophie Kapfer liest mit einer ruhigen, eindringlichen Präzision, die Tara Westovers poetischer und gleichzeitig kühler Prosa vollständig gerecht wird.
  • Themen: Bildung als Befreiung, religiöser Fundamentalismus und Kontrolle, Familientrauma und Identitätsfindung
  • Stimmung: Beklemmend und bewegend, mit einer stillen Kraft, die lange nachhallt
  • Fazit: Eine der wichtigsten Memoiren der letzten Jahrzehnte, in einer deutschen Sprechleistung, die dem Material nichts nimmt.

Es gibt Bücher, bei denen ich während des Hörens mehrfach aufgehört habe und einfach nur da saß. « Befreit » von Tara Westover ist so ein Buch. Ich hörte es über mehrere Abende, in kleinen Häppchen, weil größere Portionen schwer zu tragen waren. Nicht weil es schlecht geschrieben wäre, im Gegenteil, sondern weil es so dicht ist, so präzise und so unnachgiebig ehrlich, dass man Pausen braucht, um das Gehörte setzen zu lassen.

« Befreit » heißt im englischen Original « Educated » und trägt diesen Titel mit einer gewissen bitteren Ironie: Tara Westover war 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal eine Schulklasse betrat. Aufgewachsen in den Bergen Idahos, Tochter eines fundamentalistischen Mormonen, der die staatliche Schule, Ärzte und offizielle Dokumente als Bedrohung betrachtete. Kein Schulabschluss, keine Geburtsurkunde, und ein Bruder, der seine Schwester misshandelt, während die Familie wegschaut.

Was Bildung hier wirklich bedeutet

Das Wort Bildung erscheint in diesem Buch in einem Kontext, der weit über Schulabschlüsse hinausgeht. Für Tara Westover bedeutet Bildung, ein Bewusstsein von sich selbst zu entwickeln, eine eigene Sicht auf die Realität zu gewinnen, die nicht von der Weltsicht ihres Vaters vorgegeben wird. Es ist die Geschichte davon, wie jemand lernt zu denken, bevor sie lernt zu lesen, und wie dieser Weg von Idaho nach Cambridge führt, von einem Leben ohne Geburtsurkunde zu einem Doktortitel.

Ulrike Sophie Kapfer liest diese Geschichte mit einer Präzision, die ich bei deutschen Sprecherinnen von englischsprachigen Memoiren nicht immer erlebe. Kapfer klingt nicht wie jemand, der ein Buch übersetzt oder adaptiert, sondern wie jemand, der eine eigene Geschichte erzählt. Sie bringt die poetischen Passagen, in denen Westover die Natur Idahos beschreibt, zum Leuchten, und sie hält die Brutalität der familiären Gewaltszenen vollkommen nüchtern, ohne Dramatisierung. Genau das ist die richtige Entscheidung.

Ein Vater, eine Ideologie, eine Familie

Westovers Vater ist keine Karikatur. Das ist vielleicht das Schwierigste an diesem Buch: Er ist ein Mensch, der sich und seiner Familie gegenüber vollständig überzeugt ist, das Richtige zu tun. Die Paranoia, das Verschwörungsdenken, die religiöse Überzeugung vom nahenden Ende, das alles kommt nicht als Bösartigkeit, sondern als zerstörerische Form von Fürsorge.

Ein Rezensent beschreibt, wie er beim Lesen Parallelen zu zeitgenössischen Phänomenen sah, und das ist keine abwegige Beobachtung. Westovers Beschreibung, wie sich Selbstradikalisierung und Paranoia in einer Familie entfalten, wie Wahrnehmungen manipuliert und Realitäten umgedeutet werden, hat eine Allgemeingültigkeit, die weit über Idaho hinausgeht.

Kapfer hält diesen Teil des Buches besonders gut. Wenn sie den Vater spricht oder seine Logik wiedergibt, klingt da kein Urteil. Keine Ironie, keine versteckte Kommentierung. Nur die Worte, die für sich stehen und damit umso schwerer wiegen.

Eine Memoirenform, die kein Urteil fällt

Westover schreibt nicht anklagend. Das ist literarisch gesehen eine mutige Entscheidung. Es wäre einfacher gewesen, eine eindeutige Geschichte von Tätern und Opfern zu erzählen. Stattdessen zeigt sie Menschen in ihrer Widersprüchlichkeit: eine Mutter, die zugleich Mittäterin und Opfer ist. Geschwister, die denselben Ursprung haben, aber völlig verschiedene Wege gehen. Die eigene Erzählerinnen-Stimme, die immer wieder zweifelt an der eigenen Erinnerung.

Mehrere Rezensionen nennen das Buch lehrreich und bewegend, eine beschreibt es als wenig unterhaltsam und empfiehlt es nur für Leserinnen, die keine Lehren erwarten. Das ist eine faire Differenzierung. « Befreit » ist nicht unterhaltsam im Sinne von Ablenkung. Es ist fordernd, und es gibt keine praktischen Schlussfolgerungen.

Mit 13 Stunden und 19 Minuten ist es ein längeres Hörbuch, aber es ist nie langsam. Westovers Sprache ist dicht und die Handlung bewegt sich in klaren Zeitsprüngen von der Kindheit bis zur Doktorarbeit in Cambridge. Kapfer trägt jeden dieser Abschnitte mit einer Energie, die genau dem Lebensalter und der emotionalen Verfassung der Erzählerin entspricht.

Wer sollte hören, wer sollte warten

Wer Memoiren schätzt, die über persönliches Schicksal hinaus gesellschaftlich relevante Fragen stellen, ist hier genau richtig. Wer ein Buch sucht, das zeigt, wie religiöser Extremismus, Kindesmisshandlung und der Hunger nach Bildung miteinander verwoben sein können, findet in « Befreit » eine der sorgfältigsten Auseinandersetzungen mit diesen Themen, die ich kenne.

Wer emotionale Leichtigkeit sucht oder ein klar strukturiertes Sachbuch mit Lerneffekt erwartet, ist falsch hier. « Befreit » ist eine Prosaerfahrung. Und Ulrike Sophie Kapfer macht sie zu einer, bei der man nicht aufhören will.

Häufig gestellte Fragen

Überzeugt?

🎧 Befreit kostenlos hören

30 Tage kostenlos testen · Jederzeit kündbar

Was Hörerinnen und Hörer sagen

★★★★★

Das Buch gibt emotionaler häuslicher Gewalt eine Stimme!

Der Krieg, den viele Bürger angesichts der Corona-Pandemie und der klugen Gegenmaßnahmen der Regierungen gerade führen gegen die angebliche Demontage der Demokratie und die „Mainstreammedien“, findet hauptsächlich in deren Köpfen statt. Ich las gerade ein beklemmendes Buch aus der Feder der Tochter eines radikalisierten Mormonen. Wie Tara Westover die Entwicklung…

— Marcel H.
★★★★★

Emanzipiere dich selbst von mentaler Sklaverei.

Der Verlag:Der 1948 gegründete Verlag Kiepenheuer & Witsch ist ein deutscher Publikumsverlag, der kritische und populäre Sachbücher sowie literarische Werke und unterhaltsame Belletristik von renommierten ebenso wie von jungen Schriftsteller*innen publiziert. Derzeit werden die Bücher von 800 Autor*innen verlegt. Seit 1982 hat der Verlag eine eigene Taschenbuch-Reihe, die KiWi-Paperbacks, und seit…

— Dr. Dilewsky
★★★★☆

Wenig unterhaltsam

Das Buch ist an sich gut, nur wenig unterhaltsam. Man soll es ohne Erwartungen lesen. Ich persönlich bevorzuge Bücher, wo ich vieles mitnehmen kann und daraus lernen und in mein Leben integrieren kann. Hier habe ich nur ein Roman gelesen, dessen Geschichte mich nicht komplett mitgenommen hat.Wer ein Buch lesen…

— Nessi
★★★★★

Empfehlung für Buchliebhaber!

Liebe das Buch! Der Schreibstil hat mich sehr abgeholt und ich liebe den erzählstrang – wirklich gelungen

— Kaya
★★★★★

Lehrreich und bewegend

Ein sehr lesenswertes Buch.Was aus meiner Sicht fanatischer Glaube in einer Familie anrichten kann,sicher, wie hier schon bemerkt, gepaart mit psychischer Krankheit des Vaters.Allein eine Menge Kinder bekommen, Ihnen staatl. Schulbildung zu untersagen, der angebliche Hausunterricht fiel sehr mager aus, geschweige denn medizinische Versorgung.Arbeiten durften sie wie die Ackergäule,mal so…

— Maxi Franz

Dieses Hörbuch jetzt hören: Befreit


30 Tage kostenlos testen · Jederzeit kündbar

Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin