Auf einen Blick
- Sprecher: Mirja Boes ist die Reihe, ihre Stimme hat den richtigen Mix aus Wärme, Schlagfertigkeit und einem Hauch echtem Niederteerbach-Flair.
- Themen: Dörfliche Rivalitäten und Gemeinschaft, Beziehungsentwicklung, Cosy Crime mit Witz
- Stimmung: Entspannt und unterhaltsam, mit genug Krimi-Spannung um wachzubleiben
- Fazit: Ein rundes, kurzweiliges Vergnügen für alle, die die Pech-und-Schwäfel-Welt lieben und Maikes Liebesgeschichte endlich aufgelöst sehen wollen.
Ich war auf dem Rückweg von einem langen Wochenende, hintendrin die Autobahn, vorne noch anderthalb Stunden Fahrt, und ich wollte etwas, das mich wachhält, ohne mich anzustrengen. Pech und Schwäfel, Band neun. Mirja Boes, kurze dreieinhalb Stunden. Besser konnte ich die Situation nicht einplanen.
Wer die Reihe kennt, weiß, worauf er sich einlässt: Niederteerbach, eine Kleinstadt wie aus einem leicht überzeichneten Heimatfilm, mit einer Kommissarin namens Maike, die ermittelt, während das Dorfleben um sie herum nicht aufhört, so dörflich zu sein, wie es eben ist. Wer die Reihe nicht kennt, sollte möglicherweise nicht mit Band neun anfangen, aber dazu gleich mehr.
Mord am Käsebüffet: Der Fall selbst
Der Chorleiter Dietrich Lindgraf wird hinter der Bühne des alljährlichen Dorffests erstochen, direkt am Käsebüffet, während Ober- und Niederteerbach im Wettbewerb um einen antiken Taktstock liegen. Das Setup ist herrlich. Ein antiker Taktstock als Mordwaffe und Streitobjekt, eine überambitionierte Bürgermeisterin, ein toter Chorleiter mit einem kleinen Sortiment echter und möglicher Feinde. Der Fall ist übersichtlich genug für drei Stunden, hat aber eine hübsche falsche Fährte eingebaut, die man tatsächlich nicht sofort erkennt.
Was ich an der Pech-und-Schwäfel-Reihe schätze, ist das Gleichgewicht zwischen Krimihandlung und Dorfleben. Der Mord ist nicht die einzige Geschichte. Maikes Beziehung zu Martin kommt in diesem Band zu einer Entscheidung. Und dann ist da noch eine Enthüllung über Horst, die ich hier natürlich nicht spoilern werde, die aber für langjährige Fans des Formats befriedigend sein dürfte.
Was Mirja Boes aus dem Material macht
Man muss über Mirja Boes als Sprecherin sprechen, weil die Reihe ohne sie nicht funktionieren würde. Boes hat einen Instinkt für Timing, der bei Krimikomödien seltener ist, als man denkt. Sie übertreibt nie. Die komischen Momente in Niederteerbach entstehen durch Understatement, durch das Nebeneinanderstellen von Situationen, und Boes versteht das. Sie spielt nicht auf Lacher hin, sie erzählt einfach, und die Szenen sind komisch, weil sie komisch geschrieben und gut gelesen sind.
Bei den dramatischeren Momenten, und es gibt in Band neun ein paar, wechselt sie den Ton nicht abrupt, sondern lässt ihn sich organisch verändern. Das ist eine Fähigkeit, die man in Hörbüchern nicht selbstverständlich findet.
Muss man die Vorgänger kennen?
Kurz gesagt: Für den Krimi selbst nicht unbedingt. Der Fall funktioniert eigenständig. Aber für Maikes Beziehungsgeschichte und für den Horst-Subplot braucht man das Vorwissen aus den vorherigen Bänden. Einige der emotionalen Momente werden ohne Kontext kaum Wirkung haben. Ich würde empfehlen, zumindest mit Band eins anzufangen, wenn man wirklich in diese Welt einsteigen möchte. Als Einstieg in die Reihe ist Band neun suboptimal.
Ein Rezensent schrieb, nach der Auflösung von Maikes Liebesgeschichte sei ein bisschen die Luft raus. Ich verstehe, was damit gemeint ist. Ein Teil des Serienzaubers lag im Offenlassen. Aber gleichzeitig: neun Bände ist eine lange Zeit zum Warten. Die Entscheidung, die hier getroffen wird, fühlt sich stimmig an.
Kurzweil ohne Tiefgang: Ist das ein Problem?
Nein. Nicht jedes Hörbuch muss Weltliteratur sein. Band neun der Pech-und-Schwäfel-Reihe ist für Menschen gemacht, die Niederteerbach mögen, Maike mögen, Mirja Boes mögen und sich dreieinhalb Stunden gut unterhalten wollen. Das tut es. Es gibt Bücher für die Seele, Bücher für den Verstand, und Bücher für den Heimweg nach einem langen Wochenende. Dieses hier ist das Dritte, und es macht seinen Job sehr gut.