Auf einen Blick
- Sprecher: Mirja Boes verleiht Maike und dem Dorf Niederteerbach einen unwiderstehlichen Witz und trifft den Humor der Serie mit traumwandlerischer Sicherheit.
- Themen: Konkurrenzneid zwischen Kleinstädten, Ermitteln trotz Einmischung von oben, Dorfleben als Komödienbühne
- Stimmung: Leicht und komisch, mit einer echten Krimistruktur darunter
- Fazit: Für Fans der Pech-und-Schwäfel-Reihe ein kurzweiliges Vergnügen, das die Serie konsequent und beschwingt weiterführt.
Es gibt Hörbücher, die man für stille Nachmittage braucht. « Tot im Meditationsstudio » ist eines davon. Ich habe die knapp vier Stunden an einem Samstagnachmittag gehört, mit einer Tasse Tee, und war danach tatsächlich besser gelaunt als vorher. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist Handwerk.
« 8. Tot im Meditationsstudio » ist der achte Band der « Pech und Schwäfel »-Reihe von Robin Fuchs, einer Serie, die ich vor einigen Monaten für mich entdeckt habe und die mich seitdem nicht mehr loslässt. Die Prämisse ist so altmodisch charmant wie effektiv: Kriminalhauptkommissarin Maike ermittelt in einem bayerisch anmutenden Kleinstadtmilieu, umgeben von nosy neighbours, politischen Egos und Leichen, die sich an den denkbar unpassendsten Orten materialisieren. Diesmal: in einem Meditationsstudio. Der Kursleiter wird erschossen. Alle Teilnehmerinnen haben Schmauchspuren an den Händen. Das klingt nach einem fairen Rätselmord im Stil der goldenen Krimiära.
Oberteerbach gegen Niederteerbach
Was diesen Band besonders macht, ist die Einführung einer Konkurrentin aus dem Nachbardorf Oberteerbach. Der dortige Bürgermeister Wilhelm Herzog, ehrgeizgetrieben und wenig diskret, besteht darauf, dass seine neue Kriminalhauptkommissarin ebenfalls ermittelt, weil das Opfer zwar in Niederteerbach arbeitete, aber in Oberteerbach wohnte. Was klingt wie ein bürokratisches Kuriosum, wird bei Robin Fuchs zum Motor einer köstlichen Rivalität. Maike muss nicht nur einen Mord aufklären, sondern gleichzeitig gegen eine Kollegin antreten, die nicht zimperlich ist, während Horst im Hintergrund Wetten annimmt und der gesamte Ort mitfiebert.
Mirja Boes ist für diese Serie wie maßgeschneidert. Ich sage das als jemand, die Boes in erster Linie als Comedienne kennt: Sie bringt in ihre Sprecherarbeit eine natürliche Komik ein, die niemals aufgesetzt wirkt. Wenn Maike sich über den einmischenden Bürgermeister ärgert oder wenn das Dorf kollektiv den Atem anhält, hört man es in Boes’ Stimme, ohne dass sie die Szenen überspielt. Das ist schwieriger als es klingt. Cozy Crime lebt von dieser Tonbalance: zu ernst, und der Charme verpufft; zu albern, und der Mord wirkt lächerlich. Boes trifft das mit sicherer Hand.
Vier Stunden, die sich nicht kurz anfühlen
Ich habe schon mehrere kurze Krimihörbücher gehört, die sich in ihrer Kürze verlieren, die ihre Plots zu schnell abhandeln und einem das Gefühl hinterlassen, eine Zusammenfassung gehört zu haben statt ein vollständiges Werk. « Tot im Meditationsstudio » macht diesen Fehler nicht. Die Geschichte mit der zweiten Leiche, die der ersten aufs Haar gleicht, und die damit verbundenen Komplikationen für Maikes Ermittlung sind in den knapp vier Stunden vollständig entwickelt. Die Auflösung kommt nicht aus dem Nichts, und der Weg dorthin ist mit genug Ablenkungen, falschen Fährten und dörflichen Verwicklungen gepflastert, um das Mitraten zu einem echten Vergnügen zu machen.
Dass dieser Band exklusiv bei Audible erschienen ist, schränkt die Zugänglichkeit ein, das muss man fair benennen. Für Abonnenten ist es ein problemloser Genuss, aber wer die Serie anderswo verfolgt hat, muss hier eine Plattformentscheidung treffen. Angesichts der Qualität ist das für Fans der Reihe vermutlich keine schwierige Entscheidung.
Für wen eignet sich dieses Hörbuch
Cozy-Crime-Fans, die kurze, gut gebaute Episodenkrimis mit Humor mögen, sind hier genau richtig. Wer die Reihe noch nicht kennt, kann auch bei Band 8 einsteigen, die wichtigsten Kontexte werden ausreichend erklärt, auch wenn man bei früheren Bänden mehr Hintergrund mitbringt. Wer dagegen harten Procedural-Krimi oder psychologische Tiefe erwartet, sollte woanders suchen. « Pech und Schwäfel » ist nicht das. Es ist etwas Selteneres: eine Serie, die weiß, was sie ist, und es konsequent gut macht.