Auf einen Blick
- Sprecher: Mirja Boes ist die geborene Besetzung für diesen Cosy-Krimi: ihr Comedytalent und ihr natürliches Timing machen jeden Satz zum Hörerlebnis.
- Themen: Tod im Rampenlicht, Influencer-Kultur und ihre Schattenseiten, kleinstädtischer Klatsch
- Stimmung: Leicht und scharf zugleich, wie ein gutes Glas Weißwein mit bissigem Nachgeschmack
- Fazit: Wer die Reihe kennt und Mirja Boes liebt, wird vier kurzweilige Stunden haben, auch wenn die Fälle mit jedem Band etwas berechenbarer werden.
Es gibt Hörbücher, bei denen man weiß, noch bevor die erste Szene vorbei ist, dass man in guten Händen ist. « Tot im Eis » ist so eines. Ich habe es an einem Dienstagabend begonnen, eigentlich nur für eine halbe Stunde, und war vier Stunden später am Ende. Das Kürzel des Titels täuscht nicht: Mit etwas über vier Stunden Laufzeit ist das sechste Abenteuer von Maike Pech ein kompaktes Ding, das keine Zeit verliert.
Robin Fuchs schickt seine Kriminalermittlerin diesmal in die Welt der Social-Media-Prominenz. Della DeLorain, Kölner Influencerin mit großem Publikum und offenbar noch größerem Feindschaftspotenzial, kommt nach Niederteerbach, um den neuen Spa-Tempel der Bürgermeisterin in Szene zu setzen. Was als PR-Aktion für das Städtchen geplant ist, endet damit, dass die Influencerin vor laufender Kamera in einer Eisbox schockgefroren wird. Maike ist sofort am Tatort und findet heraus: Die Box wurde manipuliert.
Mirja Boes als das Herz dieser Reihe
Man muss über die Besetzung reden, denn Mirja Boes ist nicht einfach eine Sprecherin, die einen Text liest. Sie ist ein Comedy-Star, der eine Geschichte lebt. Ihr Rhythmus, ihre Betonungen, die Art, wie sie zwischen Schlagfertigkeit und echtem Mitgefühl wechselt, gibt den Figuren eine Dimensionalität, die über den Text hinausgeht. Reviewerin « schleifer katrin » schreibt, Boes verleihe « den eigentlich flachen Storys Tiefe », und das ist ehrlicher als viele Lobhudeleien: Die Krimis von Robin Fuchs sind keine literarischen Kompositionen. Sie sind kurzweilige Unterhaltung, und Boes macht daraus etwas, das man nicht vergisst.
Besonders gelungen: Wenn sie die verschiedenen Mitarbeiterinnen der toten Influencerin liest, deren Trauer sich schon beim ersten Aufeinandertreffen als seltsam kontrolliert erweist, hört man die unterschwelligen Motive, bevor die Handlung sie ausspricht. Das ist Erzählkunst durch Sprechkunst.
Die Influencerin als Opfer, Niederteerbach als Bühne
Was Fuchs hier thematisch macht, ist interessanter als der Serienstandard vermuten lässt. Der Tod einer Influencerin vor laufender Kamera, in einer Kältebox, die eigentlich ein Beautystunt sein sollte, ist ein Bild mit Widerhaken. Die Satire auf Influencer-Kultur sitzt scharf, ohne aufdringlich zu werden: Die Entourage der toten Della wirkt bei der Befragung nicht wirklich betrübt, die Drohbriefe stapeln sich, und je tiefer Maike gräbt, desto deutlicher wird, dass Della weniger bewundert als gefürchtet wurde. Fuchs lässt die Gesellschaftskritik durch die Handlung sprechen statt durch Kommentare.
Hinzu kommt der Geburtstag: Maike wird 40, und das gibt der Geschichte eine persönliche Ebene, die dem sechsten Band etwas mehr Gewicht verleiht als einem reinen Folgefall.
Was man wissen sollte, bevor man reinhört
Reviewer « KatoXXL » schreibt, die Geschichten würden mit jedem Band « flacher und vorhersehbarer ». Das ist kein unberechtigter Einwand. Wer von einem Cosy-Krimi Überraschungen erwartet, die die Genre-Konventionen sprengen, wird auch hier nicht fündig. Der Fall folgt seinem bewährten Muster: sympathisches Ermittlerduo, skurrile Kleinstadtbevölkerung, Auflösung mit ein paar Wendungen, von denen eine echte Überraschung ist. Wer das schätzt, bekommt hier genau das.
Dieses Hörbuch ist exklusiv bei Audible erhältlich, was bedeutet, dass man den sechsten Fall nur dort hören kann. Wer die Reihe bisher kennt und mag, braucht keine weitere Überzeugung. Wer neu einsteigen möchte, sollte mit Teil 1 beginnen, nicht weil man nichts versteht, sondern weil Maike und Zoe Schwäfel als Duo Zeit brauchen, um zu wirken.