Auf einen Blick
- Sprecher: Mirja Boes ist der eigentliche Star dieser Produktion. Ihre Stimme gibt dem Provinzkrimi exakt das Tempo und die Schlagfertigkeit, die er braucht.
- Themen: Provinzkrimi mit Humor, Mordermittlung im ländlichen Milieu, Ermittlerinnen-Duo unter Druck
- Stimmung: Leicht und humorvoll, aber mit echtem Krimi-Kern, perfekt für lange Autofahrten
- Fazit: Wer Provinzkrimis mag und Mirja Boes’ Stimme kennt, hat hier ein verlässliches Vergnügen. Ohne Vorkenntnisse der Reihe ist Band 4 trotzdem zugänglich.
Es war eine dieser Autofahrten, bei denen die Strecke eigentlich bekannt ist, aber die Landschaft sich trotzdem zieht. Vier Stunden Fahrt, allein, und ich hatte gerade « 4. Tot im Wald » begonnen. Irgendwo kurz nach der ersten Stunde lachte ich laut in mein leeres Auto. Das passiert mir nicht oft bei Krimis.
Robin Fuchs hat mit der Pech-und-Schwäfel-Reihe etwas Besonderes hinbekommen: einen Krimi, der tatsächlich witzig ist, ohne die Spannung zu opfern. Das ist schwieriger als es klingt. Viele Autoren, die Humor in Krimi-Serien einbauen, landen entweder bei flachen Witzen, die den Ernst des Verbrechens untergraben, oder bei Spannungsbögen, die durch Komik entschärft werden. Fuchs findet die Balance. Der Fall ist ernst, ein Körper liegt in Einzelteilen im Wald, kopflos, von einem Dackel herbeigebracht. Aber die Art, wie Maike Pech und Zoe Schwäfel damit umgehen, die Gespräche, die kleinen Konflikte, die Erschöpfung eines urlaubsbedingt unterbesetzten Teams, hat etwas Menschliches, das über den Krimi hinausgeht.
Mirja Boes als Herzstück der Produktion
Ich wäre unehrlich, wenn ich so täte, als wäre das Hörbuch vor allem ein Hörbuch. Es ist zu einem Gutteil eine One-Woman-Show. Mirja Boes, Comedystar und Kabarettistin, ist die Sprecherin dieser Reihe, und sie ist der Grund, warum eine Rezensentin schreibt: « Wobei die Sprecherin Mirja Boes sicher einen großen Anteil hat. » Dieser Anteil ist schwer zu überschätzen. Boes kennt das Timing komischer Situationen aus eigener Erfahrung auf der Bühne, und das merkt man. Sie weiß, wo eine Pause sitzt, wie lang eine Reaktion braucht, um zu zünden, und wann man einfach weiterfahren sollte.
Das ist nicht selbstverständlich. Prominente Sprecher können eine Produktion auch schaden, wenn sie ihren eigenen Stil über den Text legen. Boes tut das nicht. Sie dient dem Text, bringt aber ihre Energie mit. Das Ergebnis klingt wie Fuchs’ Romane klingen sollen: lebendig, lakonisch, mit einem Augenzwinkern.
Der vierte Fall, aber kein geschlossener Club
« 4. Tot im Wald » ist Band 4 der Pech-und-Schwäfel-Reihe. Wer die ersten drei Bände kennt, wird Freude daran haben, Maike und Zoe in ihrer gewohnten Dynamik wiederzusehen. Wer mit diesem Band einsteigt, ist trotzdem nicht verloren. Fuchs schreibt die Bände so, dass jeder für sich steht. Der Hintergrund der Figuren wird nicht ausführlich erklärt, aber man findet sich schnell zurecht. Die Kernbeziehung zwischen der Kriminalhauptkommissarin Maike und ihrer forensischen Partnerin Zoe ist nach kurzer Zeit klar, und der Fall selbst braucht keine Serienkenntnis.
Mit drei Stunden und 48 Minuten ist das Hörbuch ideal portionierbar. Lange Fahrten, eine Joggingrunde, ein Wochenendnachmittag. Es ist kein Buch, das man fürs Sofa reservieren muss. Die Leichtigkeit des Textes macht ihn nebenbeitauglich, ohne dass er dabei flach wäre.
Was der Roman nicht ist
Für alle, die literarisch anspruchsvolle Krimis suchen, oder bei denen Provinzmilieu instinktiv Vorbehalte weckt: Dieses Buch zielt nicht auf Vielschichtigkeit im Sinne von Nesbo oder Tana French. Die Figuren sind klar gezeichnet, der Humor ist erkennbar, und wer tiefgründige psychologische Täterprofile sucht, wird anderswo besser bedient. Fuchs macht Unterhaltung, und er macht sie mit handwerklichem Können. Das Buch verspricht nichts anderes, und es hält, was es verspricht.
Wichtig noch: Die Produktion ist ein Audible-Exklusiv-Titel. Wer kein Audible-Abonnement hat, kommt anderswo nicht ran. Das ist bei einem solchen Serientitel, der regelmäßig neue Bände bekommt, vielleicht ein Argument, das Abo zumindest für diesen Monat zu aktivieren.
Wer sollte reinhören, wer lieber nicht
Für Fans des Provinzkrimi-Genres, die mit Humor umgehen können und Wert auf eine starke Sprecherin legen. Für Mirja-Boes-Fans, die ihre Stimme in einer anderen Form erleben wollen. Für Pendler und Vielfahrer, die kurzweilige, in sich abgeschlossene Krimis suchen. Weniger geeignet für alle, die ernste, psychologisch komplexe Krimis bevorzugen, oder für Hörer, die kein Audible-Abonnement haben und keines wollen.