Auf einen Blick
- Sprecher: Kein Sprecher angegeben – das Hörbuch wird vermutlich von der Autorin selbst oder einem nicht kredentierten Sprecher eingelesen; die Rezensionen loben vor allem den authentischen, mitreißenden Ton.
- Themen: Trauer und Abschied, Selbstfindung auf dem Wanderweg, Mensch-Tier-Verbindung
- Stimmung: Herzwarm und leicht melancholisch, mit viel Witz und Staunen
- Fazit: Wer Wandergeschichten mit echtem emotionalem Kern sucht, wird hier gut aufgehoben sein – vorausgesetzt, man lässt sich auf das gemächliche Tempo eines Esels ein.
Es war ein Samstagvormittag im März, als ich anfing, dieses Hörbuch zu hören – eigentlich nur kurz zum Reinschnuppern, bevor ich ins Wochenende startete. Vier Stunden später saß ich noch immer auf dem Sofa, Tee kalt, Pläne vergessen. Lotta Lubkolls Geschichte über ihre 600 Kilometer lange Wanderung durch die Alpen mit einem Esel namens Jonny hat mich schlicht nicht losgelassen.
Der Anlass für das Abenteuer ist kein leichter: Lottas Vater erkrankt an Krebs und stirbt. Diese Erfahrung bringt sie dazu, einen Kindheitstraum nicht länger aufzuschieben. Seit sie « Shrek » gesehen hat, wollte sie mit einem Esel auf Wanderschaft gehen. Was zunächst nach einer charmanten Schnapsidee klingt, entpuppt sich als eines der ehrlichsten Reisebücher, die ich seit Jahren gehört habe.
Wenn ein Esel das Tempo vorgibt
Jonny ist kein Begleittier, der brav hinter seiner Herrin hertrottet. Er ist eine Persönlichkeit mit eigenen Vorstellungen davon, wie schnell ein Tag vergehen sollte – und die Antwort lautet meistens: sehr langsam. Was Lotta anfangs zur Weißglut treibt, wird im Laufe der 80 Tage zu einer Art erzwungener Achtsamkeit. Man hört regelrecht, wie sie lernt, sich dem Tempo des Tieres anzupassen, anstatt gegen es anzukämpfen. Eine Leserin schrieb: « Als wäre ich dabeigewesen » – und genau dieses Gefühl transportiert das Hörbuch. Die Erzählung ist chronologisch, nie langweilig, und immer wieder durchbrochen von kleinen Momenten, die einen zum Schmunzeln bringen.
Die Reaktionen anderer Menschen auf das Duo Lotta-Jonny gehören zu den unterhaltsamsten Passagen des Buches. Bauern, die ungläubig schauen. Wanderer, die stehen bleiben. Gastgeber, die plötzlich ganze Ställe öffnen. Lubkoll schildert diese Begegnungen mit einem trockenen Humor, der nie auf Kosten ihrer Gesprächspartner geht.
Trauer auf Wanderschaft
Was das Buch von anderen Abenteuerreiseberichten abhebt, ist die Ehrlichkeit über den emotionalen Hintergrund. Der Tod des Vaters schwebt über dem gesamten Weg – nicht als lähmende Schwere, sondern als stiller Begleiter. Lubkoll setzt sich nie hin und analysiert ihre Trauer. Sie geht einfach. Und manchmal, irgendwo in den Alpen, bricht etwas auf. Diese Momente sind im Hörbuch besonders wirkungsvoll, weil sie nie dramatisiert werden. Sie kommen und gehen wie Wolken über einem Bergpass.
Wer selbst schon Verluste erlebt hat und weiß, dass Bewegung manchmal mehr hilft als Reden, wird hier eine Geschichte finden, die das auf verblüffend unsentimentale Weise versteht.
Ohne Netz und doppelten Boden durch die Alpen
Ein Detail, das mich besonders beeindruckt hat: Lotta bricht ohne feste Übernachtungsziele auf. Jeden Abend muss ein Platz für sich und den Esel gefunden werden – das ist keine Kleinigkeit, wenn man bedenkt, dass ein Tier mitreist, das nicht einfach in einem normalen Hotel abgestellt werden kann. Diese Ungewissheit erzeugt eine echte Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht. Wer schon selbst Mehrtages-Wanderungen unternommen hat, wird vieles wiedererkennen. Wer das noch nicht hat, bekommt einen lebendigen Eindruck davon, was es bedeutet, sich jeden Tag neu zu orientieren.
Hinzuweisen ist darauf, dass im Datensatz kein Sprecher angegeben ist. Ob die Autorin selbst liest oder ein nicht kredentierter Sprecher übernommen hat, lässt sich aus den vorhandenen Angaben nicht eindeutig klären. Die Rezensionen sprechen durchgehend von einem mitreißenden, angenehmen Hörerlebnis, was darauf hindeutet, dass der Vortrag dem persönlichen Ton des Buches gerecht wird.
Wer sollte dieses Hörbuch hören, wer besser nicht
Dieses Hörbuch passt zu Menschen, die Reisememoiren mögen, die nicht auf Hochglanz poliert sind. Wer ehrliche Schilderungen von Erschöpfung, Zweifel und unerwartetem Glück schätzt, ist hier richtig. Wanderbegeisterte und Tierfreunde werden besonders viel Freude haben. Wer einen reinen Abenteuerplot erwartet oder Action und Tempo sucht, wird möglicherweise enttäuscht sein – Jonny lässt sich nicht hetzen, und das Buch auch nicht.