Auf einen Blick
- Sprecher: Das Duo Uwe Thoma und Katja Hensel verleiht dem kleinen nordschwedischen Ort Lillaström eine warme, einladende Atmosphäre — gut gewählte Stimmen für eine Wohlfühlkomödie.
- Themen: Zweite Chance nach einem One-Night-Stand, Kleinstadtleben mit skurrilem Humor, Geheimnisse und schwedische Elche
- Stimmung: Heiter-herbstlich, gemütlich und leicht mit einem Hauch Kribbeln
- Fazit: Perfektes Hörbuch für einen Regentag mit Tee — charmant, unaufgeregt und mit echtem Herz.
Es gibt Hörbücher, bei denen man sofort weiß, wohin man gehört während man sie hört. Bei « Verliebt mit Waldbeertee » war das für mich eindeutig: Sonntagnachmittag, draußen grau, eine Wolldecke, ein großer Becher Tee. Ich habe die knapp fünfeinhalb Stunden fast in einem Zug durchgehört — und das, obwohl ich mich zunächst gefragt habe, ob mir die Protagonistin Ebba wirklich ans Herz wachsen würde.
Auch hier ein kurzer Hinweis zu den Produktdaten: In manchen Shops sind die Felder für Autorin und Sprecher vertauscht. Die Autorin dieses Romans ist Jane Hell. Das Sprecherteam besteht aus Uwe Thoma und Katja Hensel. « Verliebt mit Waldbeertee » ist der erste Band von Staffel 3 der Reihe « Liebe auf Schwedisch » — laut Beschreibung sind alle Bände in sich geschlossen und unabhängig voneinander hörbar, was ich als Einstieg in die Reihe bestätigen kann.
Lillaström im Herbst — oder: Was nordschwedische Kleinstädte mit Tassen Tee gemeinsam haben
Jane Hell hat sich mit ihrer « Liebe auf Schwedisch »-Reihe eine kleine literarische Heimat geschaffen, in der Hygge-Ästhetik und komödiantische Verwicklungen Hand in Hand gehen. Lillaström ist genau der Ort, den man sich vorstellt, wenn man « kleines nordschwedisches Örtchen » denkt: überschaubar, charmant, mit einem Restaurant, das sich « Little Italy » nennt, und einem Bürgermeister, der ständig Hilfe braucht.
Die Ausgangssituation ist vergnüglich konstruiert: Ebba, Bibliothekarin und Bürgeramtsleiterin in Personalunion, hatte vor einigen Monaten in Malmö einen einmaligen One-Night-Stand. Einmalig sollte er bleiben. Dann betritt Henrik ihr Büro — ausgerechnet der Naturfilmer, ausgerechnet mit einem Antrag auf Drehgenehmigung, ausgerechnet in ihrem Ort. Und dann schickt der Bürgermeister die beiden zusammen in den nächtlichen Herbstwald, wo brunftige Elche eine eigene Meinung zum Thema romantische Kulisse haben.
Ebba: eine Protagonistin, die Zeit braucht
Eine Rezensentin hat angemerkt, dass sie « mit Ebba am Anfang nur mäßig warm geworden » ist — das kann ich nachvollziehen. Ebba ist am Anfang sehr stark über ihre Funktion definiert: Sie verwaltet, sie hilft, sie ordnet. Das macht sie zunächst etwas blass, und tatsächlich hatte ich beim Hören das Gefühl, dass ich erst nach einer guten Stunde wirklich zu ihr gefunden hatte.
Das ändert sich, sobald Henrik ins Bild tritt. Die Chemie zwischen den beiden ist gut geschrieben — kein überschwängliches Verlieben auf den ersten Seiten, sondern das langsame Wiedererwachen einer Verbindung, die bereits da war und nun unter unglücklichen Umständen neu verhandelt werden muss. Dazwischen liegt ein Geheimnis, das Ebba unter allen Umständen aus Lillaström heraushalten möchte. Das ist der eigentliche emotionale Kern des Romans, und Hell dosiert die Enthüllung klug.
Elche, Humor und die Frage nach dem richtigen Timing
Was mich an diesem Hörbuch am meisten überrascht hat, war der Humor. Jane Hell hat einen trockenen, beobachtenden Witz, der nie auf Kosten der Figuren geht. Die Elchszenen — ja, es gibt mehrere — sind sowohl komödiantisch als auch in einer seltsamen Weise atmosphärisch. Eine Rezensentin zitiert aus dem Buch: « Jemand, der es nicht einmal geschafft hat, sein Ameisenvolk zu beschützen, sollte sich nicht mit Elchen anlegen. » Das ist der Tonfall dieses Romans. Man lächelt beim Hören, und man merkt nicht einmal, wann genau es passiert ist.
Uwe Thoma und Katja Hensel ergänzen sich als Sprecherduo gut. Hensel gibt Ebba eine ruhige, etwas zurückhaltende Grundstimmung, die zur Figur passt, und lässt sie im Laufe der Geschichte aufblühen — das ist keine kleine Leistung. Thoma bringt Henrik eine warme Direktheit mit, die ihn sympathisch macht, ohne zu glatt zu wirken. Die Übergänge zwischen den Perspektiven sind sauber und stören den Lesefluss nicht.
Für wen dieses Hörbuch gemacht ist — und wer es kennt, bevor er anfängt
« Verliebt mit Waldbeertee » ist kein Buch für Menschen, die Hochspannung oder emotionale Eskalation suchen. Es ist ein Wohlfühlroman mit Herzklopfen — bewusst ruhig, bewusst heiter, mit einem Geheimnis im Gepäck, das für etwas mehr emotionale Tiefe sorgt, als man von der Prämisse her erwartet.
Wer Romane wie die anderen Bände der « Liebe auf Schwedisch »-Reihe oder ähnliche skandinavische Wohlfühlromane schätzt, wird sich hier sofort zu Hause fühlen. Wer Jane Hells anderen Bänden gegenüber skeptisch ist, weil er sie nicht kennt: Dieser Band ist wirklich eigenständig. Man wird nichts vermissen. Einzig wer keine Kleinstadtidyllen mag und mit dem Stilmittel « skurrile Nebenfiguren, die alles verkomplizieren » nichts anfangen kann, sollte lieber woanders schauen.