Auf einen Blick
- Sprecher: Christopher Mayer trägt die emotionale Vielschichtigkeit von Tomás überzeugend – er findet den richtigen Ton zwischen verwundeter Coolness und echter Zartheit, ohne ins Kitschige zu gleiten.
- Themen: Identitätsverlust durch Trennung von Zwillingsbruder, Liebe im zweiten Lebensabschnitt, Trauer und Neuanfang
- Stimmung: Herzwarm und nachdenklich, mit ruhigeren Momenten als die Vorgängerbände
- Fazit: Als dritter Band der Silberfüchse-Reihe bietet Tomás’ Geschichte die reifste und nachdenklichste Erzählung der Serie – Leserinnen, die Tempo bevorzugen, sollten wissen, dass der Fokus hier auf innerem Wandel liegt.
Ich kenne Nora Phoenix schon seit ein paar Jahren aus dem MM-Romance-Bereich und schätze, dass sie eine Autorin ist, die es sich nicht leicht macht mit ihren männlichen Hauptfiguren. Als « Tomás’ Heilung » erschien, war ich gespannt, was sie mit dieser Figur anfangen würde – denn Tomás hatte in den Vorgängerbänden immer etwas Rätselhaftes, eine Unruhe, die man nie ganz greifen konnte. Ich habe das Buch an einem langen Sonntagabend gehört, anfangs nebenbei, dann irgendwann mit voller Aufmerksamkeit, weil die Geschichte leiser war als erwartet – und genau deshalb so wirkungsvoll.
Tomás Banner ist einer der berühmtesten Zwillinge der Welt, ein Model an der Spitze seiner Karriere. Als sein Bruder Tiago sich verliebt und das gemeinsame Leben verändert, verliert Tomás das Fundament seiner Identität. Was bleibt, wenn der Zwilling nicht mehr nur deiner ist? Nora Phoenix stellt diese Frage mit einer Ernsthaftigkeit, die über das typische Romance-Format hinausgeht. Und sie schickt Tomás ausgerechnet nach Forestville, der Kleinstadt, in der die Reihe spielt und in der er auf Fir trifft – einen rothaarigen Hausarzt und alleinerziehenden Vater, der seinen verstorbenen Mann noch immer vermisst.
Zwei Männer, die beide mit Verlust leben
Was « Tomás’ Heilung » von anderen Romances im Cozy-Smalltown-Subgenre unterscheidet, ist die doppelte Trauer. Tomás trauert um eine Art Lebensform, die ohne den Zwilling nicht mehr funktioniert. Fir trauert um Samuel, seinen verstorbenen Mann. Beide sind Mitte bis Ende vierzig, keine Twentysomethings mehr, die sich zum ersten Mal verlieben. Diese Reife verleiht der Geschichte ein Gewicht, das man nicht oft in diesem Genre findet. Eine Rezensentin schreibt: « Auch hat mir gefallen, dass die Personen nicht mehr ganz jung sind » – und ich stimme ihr vollständig zu. Verlieben im zweiten Lebensabschnitt ist erzählerisch komplizierter als beim ersten Mal, und Nora Phoenix nimmt diese Komplexität ernst.
Christopher Mayer versteht das. Er gibt Tomás eine Stimme, die zwischen Selbstsicherheit und echter Verletzlichkeit wechselt, ohne dass der Übergang unglaubwürdig klingt. Für einen Mann, der sein gesamtes Leben auf Äußerlichkeit und Präsenz aufgebaut hat und nun mit einem inneren Vakuum konfrontiert ist, ist das keine einfache Aufgabe. Mayer löst sie mit einer Zurückhaltung, die ich sehr geschätzt habe.
Kann man Band 3 ohne die Vorgänger hören?
Nora Phoenix selbst gibt an, dass jedes Buch der Reihe unabhängig gelesen werden kann, und das stimmt in weiten Teilen. Die Kerngeschichte von Tomás und Fir ist eigenständig verständlich. Wer jedoch bereits die ersten beiden Bände kennt, wird Figuren wie Tiago und Cas aus einem anderen Blickwinkel erleben und Querverbindungen entdecken, die das Leseerlebnis bereichern. Eine Rezensentin schildert eindrücklich, wie sie mit den Figuren gelitten und mitgefiebert hat – ein Gefühl, das aus der Kontinuität der Reihe kommt. Als Einstieg in die Silberfüchse-Welt funktioniert Band 3, aber Band 1 ist der bessere Startpunkt.
Es gibt auch eine kritische Stimme unter den Rezensionen: « Langweilig, im Vergleich zu den ersten zwei Bänden. Langfädig geschrieben, sehr vorausschaubar. » Ich halte das für ein legitimes Empfinden, auch wenn ich es nicht teile. Das Buch hat ein anderes Tempo als seine Vorgänger. Wer Spannung und überraschende Wendungen erwartet, wie sie in Band 1 und 2 vorkommen mögen, wird hier bewusst enttäuscht. Nora Phoenix interessiert sich in diesem Band mehr für innere Bewegung als für äußere Handlung.
Wärme ohne Kitsch
Was mich an « Tomás’ Heilung » am meisten beeindruckt hat, ist, dass das Buch emotional hochtemperiert ist, ohne sentimental zu werden. Szenen, in denen Tomás Fir etwas anvertraut, das er noch nie jemandem gesagt hat, treffen ihre Wirkung gerade deshalb, weil sie nicht ausgestellt werden. Eine Leserin schreibt, sie hätte noch mehr Seiten gewollt – ein typisches Reaktion bei Büchern, die man nicht loslassen möchte. Christopher Mayer trägt dazu bei, weil er solche Momente nicht überspielt, sondern einfach trägt.
Für wen ist dieses Hörbuch das Richtige?
MM-Romance-Leserinnen und -Leser, die emotionale Tiefe über plot-getriebene Spannung stellen, werden hier bestens unterhalten. Das Buch enthält erotische Szenen, die aber eingebettet sind in einen deutlich emotionalen Kontext. Wer bei Romances vor allem auf Pacing und Überraschungsmomente setzt, sollte die erwähnte kritische Rezension im Hinterkopf behalten. Hörerinnen und Hörer, die Nora Phoenix oder die Silberfüchse-Reihe bereits kennen, können bedenkenlos einsteigen.