Auf einen Blick
- Sprecher: Matt Haynes passt gut zur trockenen Hauptfigur Maxwell Thornton und hält die Balance zwischen Krimiton und romantischer Komödie überzeugend.
- Themen: MM-Romance, Cozy Mystery, Grumpy-Sunshine-Dynamik, Neuanfang nach Trauma
- Stimmung: Leicht und charmant, mit einem soliden Rätsel im Hintergrund
- Fazit: Ein gelungener Auftakt einer Reihe, der vor allem für MM-Romance-Fans mit Faible für exzentrische Kleinstädte interessant ist.
Kurzer Hinweis vorab: « Strange Medicine » von S.C. Wynne ist auf Englisch und wird auch auf Englisch gelesen. Wer nach einem deutschen Hörbuch sucht, wird hier nicht fündig. Wer aber MM-Romance-Mystery auf Englisch schätzt, kann gerne weiterlesen.
Ich habe dieses Hörbuch an einem Freitagabend begonnen, halb aus Neugier, halb weil mich der Klappentext amüsiert hatte. « Dr. Thornton isn’t a murderer. He’s just a grump with a body in his pool. » Das ist eine sehr gute erste Zeile. Sie kündigt genau das an, was man bekommt: schwarzen Humor, eine unwahrscheinliche Situation und einen Hauptcharakter, der soziale Kompetenz konsequent verweigert.
Maxwell Thornton und das Problem der Sympathie
Die größte erzählerische Herausforderung dieses Buches ist es, einen Protagonisten sympathisch zu machen, der es aktiv verweigert, gemocht zu werden. Dr. Maxwell Thornton, Chirurg mit Trauma, flieht nach einem Patientenverlust in die Isolation des texanischen Kleinstadtlebens in Rainy Dale, Einwohnerzahl 1001. Er ist mürrisch, distanziert und möchte eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. Er bekommt das Gegenteil.
S.C. Wynne löst das Sympathieproblem durch Kontext. Man versteht, warum Thornton so geworden ist, ohne dass es erklärt wird, als wäre es eine Entschuldigung. Der Charakter ist schwierig und bleibt schwierig, aber er ist nie grausam. Das ist ein feiner Unterschied, und er hält das Lesevergnügen aufrecht.
Matt Haynes als Sprecher versteht diese Nuance. Er spricht Thornton nicht als Comic-Griesgram, sondern als echte Person mit echten Schutzmechanismen. Die Trockenheit sitzt, ohne in Karikatur abzugleiten.
Das Rätsel als Strukturmittel
Die Leiche in Thorntons Pool ist nicht nur ein Aufhänger, sondern das eigentliche Verbindungselement zwischen den Hauptfiguren. Sheriff Royce Callum, der zweite Protagonist, muss ermitteln, und das Ermitteln bringt die beiden zusammen, ob sie wollen oder nicht. Das Krimielement ist solide, nicht brillant. Wer einen komplexen Krimi mit mehreren Wendungen erwartet, wird sich unterhalten fühlen, aber nicht verblüfft.
Was « Strange Medicine » gut macht: Es benutzt das Rätsel nicht als Vorwand, um die Romantik voranzutreiben, sondern lässt beides parallel existieren. Die Chemie zwischen Thornton und Callum entwickelt sich durch echte Interaktion, nicht durch aufgesetzte Momente. Eine Rezensentin zieht den Vergleich zu « Doc Martin », und das trifft etwas: die Kombination aus misanthropen Arzt in kleiner Gemeinschaft, Skurrilitäten des Kleinstadtlebens und einer langsam entstehenden Zuneigung.
Einstieg in eine Reihe
« Strange Medicine » ist der erste Band der Reihe « Dr. Maxwell Thornton Murder Mysteries », und das merkt man. Das Buch investiert Zeit in den Aufbau der Welt und der Charaktere, und ein Rezensent, der die Reihe mit Band vier begonnen hatte, beschreibt, dass er danach von vorn begann, was ein gutes Zeichen für die Qualität des ersten Bandes ist. Wer hier einsteigt, kann durchgehend in der Reihe bleiben, wer eine abgeschlossene Einzelgeschichte sucht, wird die offenen romantischen Handlungsfäden möglicherweise unbefriedigt finden.
Wer MM-Romance in Kombination mit einer leichten Krimitönung sucht, ist hier an der richtigen Stelle. Wer weder das eine noch das andere mag, nicht.