Auf einen Blick
- Sprecher: Elliot Green (der Sprecher teilt den Namen mit einem der Protagonisten) differenziert die beiden POVs durch Tempo und Tonlage überzeugend.
- Themen: Bi-Erwachung, Altersunterschied, verbotene Gefühle im Freundeskreis
- Stimmung: Herzzerreißend und warm, mit expliziten Szenen — emotional investierend von Beginn an
- Fazit: Ein gelungener Auftakt der Stormy-Reihe, der die Gay-Romance-Formel mit echter Figurenemotionalität füllt.
Ich gebe zu: Ich war zunächst skeptisch. Ein Hörbuch, bei dem der Sprecher denselben Namen trägt wie einer der Protagonisten — Elliot — klingt nach einer Marketing-Idee, die sich schnell seltsam anfühlt. Tatsächlich fiel mir das in den ersten Kapiteln ein paarmal auf, aber dann geschah etwas Merkwürdiges: Die Geschichte zog mich so sehr rein, dass ich aufhörte, darüber nachzudenken. Das ist das beste Argument, das ich für ‘Stormy Soul — dir verfallen’ machen kann.
Audrey Langton eröffnet ihre Stormy-Reihe mit einer Konstellation, die in der deutschen MM-Romance gut bekannt ist und trotzdem immer wieder funktioniert: zwei Männer, die sich eigentlich nicht lieben dürften, einer von beiden überzeugt hetero — und dann doch. Das klingt schematisch aufgezählt, fühlt sich beim Hören aber nicht so an.
Zwei Stimmen, ein Kuss, ein langer Weg
Das Buch ist in zwei Perspektiven erzählt: Jayden, der seit Jahren in den kleinen Bruder seines besten Freundes verliebt ist und es immer wieder verdrängt — und Elliot, zwölf Jahre jünger, bislang ausschließlich heterosexuell, der nach einem unerwarteten Kuss nicht mehr schlafen kann. Elliot Green als Sprecher meistert diesen Wechsel gut. Jaydens Kapitel klingen kontrollierter, gedrosselter — der Mann, der sich beherrscht. Elliots POV ist unruhiger, schneller, verwirrt. Diese Differenzierung ist dezent, aber spürbar, und sie hilft beim Hören erheblich.
Was Hörerinnen wie ‘Trüffel Schweinchen’ und ‘Nicky’ besonders hervorheben, ist die emotionale Tiefe, die Langton ihren Figuren gibt. Jayden ist keine Schablone des erfahrenen, wartenden Mannes — er macht Fehler, er hat Schutzreflexe, er ist verletzlich. Elliot ist kein naiver Typ, der einfach ‘bekehrt’ wird — seine Verwirrung ist echt und seine Reise glaubwürdig gezeichnet.
Was das Ende verspricht und was es hält
Ein Vorbehalt, den ich fair ansprechen muss: Mehrere Hörer empfinden das Finale als gehetzt. ‘Das Ende ging aber für mich persönlich so unglaublich schnell’, schreibt Hörer Jules. Ich sehe das ähnlich. Die ersten zehn Stunden bauen sorgfältig Spannung auf — das emotionale Gewicht der Situation wird ernsthaft behandelt. Der Abschluss löst dann in einem Tempo auf, das dem Aufbau nicht ganz gerecht wird. Das ist kein Dealbreaker, aber wer ein langsames, ausgedehntes Happy End erwartet, sollte das wissen.
Die Reihe ist explizit ausgewiesen — ‘inklusive heißer Szenen’, wie die Produktbeschreibung selbst formuliert. Das gilt auch für diesen ersten Band. Wer mit explizitem Adult-Content kein Problem hat, bekommt eine emotionale Geschichte, die über das Erotische hinausgeht. Wer explizite Szenen generell meidet, sollte das im Hinterkopf behalten.
Als Reihenauftakt gut positioniert
Alle Bände der Stormy-Reihe sind laut Verlag in sich abgeschlossen, mit garantiertem Happy End. Das stimmt auch für Band 1 — wer hier beginnt, braucht keine Angst vor einem Cliffhanger. Gleichzeitig ist der erste Band der natürlichste Einstiegspunkt: Man lernt den Freundeskreis kennen, versteht die Dynamiken, und die Figuren der Folgebände werden hier eingeführt. Ich würde trotzdem in der Reihenfolge lesen.
Mit über 13 Stunden Laufzeit ist das Hörbuch sehr großzügig. Für ein Genre, das manchmal auf Tempo setzt, nimmt Langton sich hier tatsächlich Zeit — was die Stärke des Buchs ist, bis auf den bereits erwähnten Schluss.