Robert Enke. Ein allzu kurzes Leben
Hörbuch & E-Book

Robert Enke. Ein allzu kurzes Leben, by Gesprochen von: Matthias Brandt

Von Gesprochen von: Matthias Brandt

Gesprochen von Spieldauer: 8 Std. und 8 Min.

★★★★★ 4.6/5 (791 Bewertungen)
🎧 8 Stunden und 8 Minuten 📘 tacheles! / Roof Music 📅 16 novembre 2010 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Als Robert Enke am 10. November 2009 starb, berührte sein Schicksal Deutschland weit über die Welt des Fußballs hinaus. Denn an seinem Leben hatte die Öffentlichkeit in ganz besonderer Weise Anteil genommen: Nur wenige Monate vor seinem Selbstmord war er nach dem Tod seiner ersten Tochter zum zweiten Mal Vater geworden. Acht Monate später hätte er bei der Weltmeisterschaft in Südafrika im Tor der deutschen Nationalmannschaft stehen sollen. Wie Robert Enke gegen seine Depression kämpfte, wie er es auf seinem Lebensweg von der Arbeitslosigkeit ins Tor der Nationalmannschaft schaffte und wie er zu denen stand, die ihn beruflich und privat umgaben – davon erzählt diese Biografie. Entstanden in enger Zusammenarbeit mit Robert Enkes Witwe Teresa, zeichnet Ronald Reng darin das Bild eines Mannes, der nie vergaß, dass auch für einen großen Torwart Demut kein schlechter Wesenszug ist.

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Matthias Brandt liest Ronald Rengs Biografie mit einer ruhigen Intensität, die dem Text den nötigen Atem gibt, ohne je in Sentimentalität zu verfallen.
  • Themen: Depression hinter der öffentlichen Fassade, Trauer und Verlust, das Doppelleben eines Profisportlers
  • Stimmung: Schwer und still, dabei nie niederdrückend, sondern von tiefer Menschlichkeit getragen
  • Fazit: Eines der wichtigsten deutschen Sportbücher, das weit über den Fußball hinausreicht und jeden angeht, der Depression besser verstehen will.

Ich erinnere mich noch an den 10. November 2009. Ich war damals in der Schule, und die Nachricht lief irgendwann am Nachmittag durch die Klasse. Robert Enke. Nationaltorhüter. Gestorben. Mehr wussten wir nicht. Mehr haben wir in den folgenden Stunden nicht verstanden. Dieses Hörbuch hat mir, viele Jahre später, endlich erklärt, was hinter dieser Nachricht steckte.

Ronald Reng ist Sportjournalist und war mit Robert Enke befreundet. Das ist ein Umstand, der sowohl die Stärke als auch das mögliche Risiko dieses Buches markiert: Reng schreibt über einen Freund, und er tut das in enger Zusammenarbeit mit Teresa Enke, Roberts Witwe. Dass dabei kein hagiografischer Text entstanden ist, sondern eine komplexe, ehrliche Biografie, die sowohl die Größe als auch die tiefen Risse in Enkes Leben zeigt, ist eine Leistung, die nicht selbstverständlich ist.

Matthias Brandt und die Kunst der kontrollierten Stille

Matthias Brandt ist als Schauspieler bekannt, aber als Hörbuchsprecher ist er in einer eigenen Kategorie. Er liest Rengs Prosa mit einer Zurückhaltung, die sich vollkommen richtig anfühlt für einen Text, der von einem Mann erzählt, der jahrelang eine perfekte Oberfläche aufrechterhalten hat. Brandt dramatisiert nicht, er interpretiert nicht über. Er lässt die Fakten sprechen und gibt Rengs Formulierungen den Raum, den sie brauchen.

Besonders in den Passagen, in denen Enkes depressive Episoden beschrieben werden, die panischen Ängste vor dem Spiel, das Gefühl, nicht atmen zu können, obwohl man gerade im Tor der Nationalmannschaft steht, ist Brandts Stimme so ruhig, dass die Stille selbst drückend wird. Das ist eine Qualität, die dieser Biografie im Hörbuchformat einen zusätzlichen Wert gegenüber dem gedruckten Buch gibt.

Was Reng über Depression schreibt, ohne das Wort zu überstrapazieren

Eines der Merkmale, die dieses Buch von oberflächlicheren Sportbiografien unterscheiden, ist Rengs Umgang mit der Erkrankung. Er erklärt Depression nicht, er zeigt sie. Er zeigt, wie Enke jahrelang funktionierte, Spiele gewann, Töchter bekam, Interviews gab, und wie all das parallel zu einer inneren Erschütterung verlief, die kaum jemand sah. Er zeigt, wie Enke selbst nach dem Tod seiner ersten Tochter Lara, einem Verlust, der öffentlich bekannt wurde und Deutschland bewegte, nicht zerbrach, sondern wieder aufstand. Und er zeigt, wie das Netz der Unterstützung, das um ihn war, trotzdem nicht eng genug war.

Ein britischer Rezensent schrieb, Reng schreibe « with compassion and insight », und das trifft es gut. Es ist kein Buch, das die Schuldfrage stellt oder Erklärungen anbietet, wo es keine gibt. Es ist ein Buch, das in eine Welt einlädt, die viele von uns nicht kennen, und das ohne Voyeurismus tut.

Fußball als Hintergrundfolie, nicht als Hauptthema

Ich bin kein besonders leidenschaftlicher Fußballfan, und ich sage das, weil es für das Lesen dieses Buches relevant ist: Man muss es nicht sein. Rengs Beschreibungen von Enkes Karriereweg, von den Anfängen in Jena über Barcelona und Hannover bis zum Nationaltrikot, sind präzise und anschaulich, aber sie setzen kein Vorwissen voraus. Das Buch ist kein Insiderbericht für Fußballkenner, es ist ein Porträt eines Menschen, der zufällig Torwart war.

Die Szene, in der José Mourinho 2002 über den jungen Enke sagte, er sei « eine großartige Wahl, als Torwart wie als Mensch », gehört zu den Momenten, die in der Nachschau fast unerträglich schön sind. Man weiß, was danach kommt. Reng und Brandt gemeinsam lassen diese Diskrepanz stehen, ohne sie auszukosten. Das ist die richtige Entscheidung.

Ein Buch, das man nicht einfach weglegt

Mit 8 Stunden und 8 Minuten ist das Hörbuch gut gefüllt, aber die Zeit vergeht anders als bei Unterhaltungsliteratur. Es gibt Passagen, nach denen man innehalten will, nicht weil es zu viel ist, sondern weil man einen Moment braucht. Ich habe es an zwei Abenden gehört und war nach beiden Abenden stiller als vorher. Das ist keine negative Erfahrung. Es ist die Art von Stille, die entsteht, wenn man etwas Wichtiges verstanden hat.

Für jeden, der sich fragt, warum Depression so oft unsichtbar bleibt. Für alle, die Enkes Geschichte damals nur von außen erlebt haben. Für Menschen, die glauben, starke Menschen können nicht krank sein. Dieses Hörbuch ist eine Antwort auf alle drei Missverständnisse.

Häufig gestellte Fragen

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin