Marseille 1940
Hörbuch & E-Book

Marseille 1940, by Uwe Wittstock

Von Uwe Wittstock

Gesprochen von Julian Mehne

★★★★★ 4.6/5 (788 Bewertungen)
🎧 12 Stunden und 23 Minuten 📘 Der Audio Verlag 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Juni 1940: Hitlers Wehrmacht hat Frankreich besiegt. Die Gestapo fahndet nach Heinrich Mann und Lion Feuchtwanger, nach Hannah Arendt, Franz Werfel und unzähligen anderen, die in Frankreich seit 1933 Asyl gefunden haben. Sie alle müssen fliehen und geraten schließlich nach Marseille, um von dort einen Weg in die Freiheit zu suchen. Derweil riskiert der Amerikaner Varian Fry sein Leben, um die Verfolgten außer Landes zu schmuggeln. Szenisch dicht erzählt Uwe Wittstock die aufwühlende Geschichte ihrer Flucht unter tödlichen Gefahren, von unfassbarem Mut und größter Verzweiflung, von trotziger Hoffnung und Mitmenschlichkeit in düsterer Zeit.

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Julian Mehne liest mit sachlicher Klarheit, die dem dokumentarischen Reportagestil von Uwe Wittstock sehr gut dient.
  • Themen: Exil und Verfolgung, Mut und Mitmenschlichkeit, das Schicksal deutschsprachiger Intellektueller im Zweiten Weltkrieg
  • Stimmung: Eindringlich, dicht, emotional aufwühlend ohne Sentimentalität
  • Fazit: Eines der wichtigsten historischen Sachbücher der letzten Jahre, als Hörbuch besonders packend durch Mehnes klaren, präzisen Vortrag.

Es gibt Bücher, die man hört und bei denen man zwischendurch innehalten muss, weil das Gewicht des Erzählten zu groß wird, um einfach weiterzumachen. Marseille 1940 von Uwe Wittstock ist so ein Buch. Ich habe es an einem Wochenende gehört, verteilt über zwei Tage, und nach dem letzten Kapitel brauchte ich eine Weile, bevor ich zum nächsten Titel übergegangen bin. Nicht weil das Hörbuch schwerfällig ist, sondern weil es so dicht, so präzise und so erschütternd ehrlich ist.

Wittstock schildert die Flucht deutschsprachiger Intellektueller und Künstler aus dem von Deutschland besetzten Frankreich im Sommer 1940. Heinrich Mann und Lion Feuchtwanger, Hannah Arendt, Franz Werfel und viele andere, die seit 1933 in Frankreich Asyl gefunden hatten, sind plötzlich auf der Flucht. Die Gestapo fahndet nach ihnen. Und alle Wege führen nach Marseille, wo der amerikanische Journalist und Fluchthilfer Varian Fry mit knappen Mitteln und persönlichem Lebensrisiko versucht, sie außer Landes zu bringen.

Der Reportagestil, der alles trägt

Uwe Wittstock ist kein Romancier, der Geschichte für die Unterhaltung aufbereitet. Er ist Literaturwissenschaftler und Journalist, und man merkt das in jedem Kapitel. Sein Stil ist dokumentarisch, aber niemals trocken. Er rekonstruiert Tage, manchmal Stunden, aus Tagebucheinträgen, Briefen und Zeugenberichten. Der Rezensent Filou trifft es auf den Punkt: Das Buch ist großartig recherchiert und wartet mit tausenden Details auf, die selbst den Kenner überraschen.

Was das zu einem außergewöhnlichen Hörbuch macht, ist die Spannung zwischen dem, was wir als historisch Wissende wissen, und dem, was die Betroffenen damals nicht wussten. Wir hören Hannah Arendts Versuche, einen Ausreiseplan zu organisieren, und wissen, dass sie es schafft. Wir hören von Lion Feuchtwanger, der im Internierungslager sitzt und auf Rettung hofft, und wir wissen, dass er gerettet werden wird. Aber das nimmt der Erzählung nichts von ihrer Dringlichkeit. Das ist das Zeichen eines außerordentlich guten Sachbuchs.

Julian Mehne als Stimme des Dokuments

Julian Mehne ist für dieses Material eine ausgezeichnete Wahl. Er liest nicht dramatisch, er liest klar. Er vertraut dem Text, und der Text trägt. Bei einem Buch, das so stark auf akkumulierende Detailfülle setzt, wäre ein zu theatralischer Vortrag kontraproduktiv. Mehne gibt jedem Namen, jedem Datum, jeder Szene das Gewicht, das ihm gebührt, ohne die Fakten mit emotionalen Kunstgriffen zu überlagern. Über zwölf Stunden hinweg ermüdet diese Klarheit nicht, was für beide, den Sprecher und das Material, spricht.

Die 12 Stunden und 23 Minuten sind gut gefüllt. Wittstock strukturiert sein Buch chronologisch, vom Sommer 1940 über die Wochen und Monate, in denen Varian Fry seine Rettungsaktionen durchführt, bis zu den sehr unterschiedlichen Ausgängen für die einzelnen Verfolgten. Nicht alle kommen durch. Das weiß man, und Wittstock hält das auch nicht zurück.

Was dieses Hörbuch von anderen Kriegssachbüchern unterscheidet

Marseille 1940 ist kein militärhistorisches Werk. Es ist die Geschichte von Menschen, die schreiben, denken und fühlen, und die in einer Situation landen, in der all das plötzlich nichts mehr zählt außer einem Ausreisevisum. Die Ironie, dass einige der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts in dieser Zeit buchstäblich um ihr Leben betteln mussten, während die Nazis ihre Bücher verbrannt hatten, ist ein Thema, das Wittstock immer mitdenkt, ohne es explizit auszustellen.

Varian Fry, der Amerikaner, der sich auf eigene Faust zum Retten dieser Menschen entschieden hat, ist die zweite Hauptfigur des Buches. Sein Mut wirkt in Wittstocks nüchterner Darstellung umso eindrücklicher, weil er nicht heroisiert wird. Er ist ein Mann mit Fehlern und Grenzen, der etwas Richtiges tut in einer Zeit, in der das Richtige das Gefährlichste war.

Für wen ist Marseille 1940 das richtige Hörbuch?

Für alle, die an der deutschsprachigen Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts interessiert sind, ist dieses Hörbuch fast Pflichtlektüre. Wer die Namen Mann, Feuchtwanger, Arendt oder Werfel kennt und wissen will, wie ihre Überlebenswege in diesen Monaten verliefen, bekommt hier Antworten mit dokumentarischer Präzision und erzählerischer Kraft.

Wer dagegen ein leichteres Hörerlebnis sucht oder mit dem historischen Kontext wenig vertraut ist, sollte sich vorab ein paar Minuten mit dem Thema beschäftigen. Das Buch setzt ein gewisses Grundinteresse voraus, schenkt dafür aber etwas, das bleibt.

Häufig gestellte Fragen

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Was Hörerinnen und Hörer sagen

★★★★★

Menschlichkeit gab ihnen den Mut und endlich auch ein Dank an Varian Fry

Das Buch gliedert sich in 7 Kapitel, wobei Kapitel 2 und 3 mit jeweils ca. 100 Seiten den Hauptteil des Buches ausmachen.Zunächst, als erstes Kapitel eine Vorgeschichte, 2 Tage im Juli 1935. Es sind bereits viele Künstler und Intellektuelle vor den Gräueltaten der Nazis ins Exil nach Frankreich geflohen.Dann folgt…

— Dieter Müller
★★★★★

Amazon war schnell

wissenschaftlich auf hohem Niveaurechtzeitig zu Weihnachten

— Effinger
★★★★☆

Interessant

Toll für Literaturliebhaber

— Dieter Baierl
★★★★★

Top Empfehlung

Sehr gut !!!! Excellent !!

— Amazon Kunde
★★★★★

Großartig recherchiert und geschrieben

Uwe Wittstock hat sich längst als Literaturwissenschaftler und Journalist einen Namen gemacht – aber mit diesem brillanten Buch übertrifft er nochmals all seine bisherigen Leistungen. Es ist großartig recherchiert und wartet mit tausenden Details auf, die selbst den Kenner dieses extrem dichten Teils der deutschen Literaturgeschichte und Geschichte zu überraschen…

— Filou

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin