Auf einen Blick
- Sprecher: Robin Alexander liest sein eigenes Buch — die Selbstnarration verleiht dem Sachbuch Autorität und Nähe, kann aber auch die subjektive Perspektive des Autors noch stärker in den Vordergrund rücken.
- Themen: Ende der Ära Merkel, Machtkampf in CDU und CSU, Corona-Pandemie als politische Krise
- Stimmung: Dicht und aufschlussreich, wie ein gut recherchierter politischer Hintergrundreport
- Fazit: Eines der informativsten deutschen Politikhörbücher der letzten Jahre, mit einer leichten politischen Schlagseite, über die man sich im Klaren sein sollte.
Es gibt Bücher, die man liest oder hört, weil man das Thema kennt und versteht. Und es gibt Bücher, bei denen man erst im Nachhinein begreift, wie wenig man eigentlich gewusst hat. « Machtverfall » von Robin Alexander gehört zur zweiten Kategorie. Ich habe dieses Hörbuch an einem langen Wochenende gehört, verteilt über mehrere Spaziergänge — dreizehn Stunden und fünfzehn Minuten, die sich nie langsam angefühlt haben, obwohl das Thema auf dem Papier trocken klingen mag.
Robin Alexander ist Journalist bei « Die Welt » und hat mit « Die Getriebenen » bereits ein viel diskutiertes Buch über die Flüchtlingskrise 2015 vorgelegt. « Machtverfall » führt diese politische Beobachterarbeit fort und erzählt vom Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels — einschließlich der Pandemie, dem zerreibenden Kampf um ihre Nachfolge und dem Showdown zwischen Armin Laschet und Markus Söder.
Hinter den Kulissen der Macht
Was Alexander gut kann, ist das Erzählen von Innenansichten. Er hat offensichtlich Zugang zu Gesprächspartnern, die nicht öffentlich sprechen, und er versteht es, diese Informationen in eine lesbare, fast romanhafte Chronik zu verwandeln. Das Buch trägt nicht umsonst den Untertitel « Politthriller » in den Rezensionen — nicht weil es erfunden wäre, sondern weil die Darstellung der Machtkämpfe so spannend ist wie politische Fiktion.
Besonders die Schilderung des Kampfes um die Kanzlerkandidatur ist bemerkenswert. Laschet gegen Söder, CDU gegen CSU, Loyalität gegen Machtkalkulation — Alexander zeigt, wie nah diese Vorgänge an Zerreißproben heranreichen und wie viel davon in der öffentlichen Kommunikation unsichtbar bleibt. Ein CDU-Mitglied, das seit 35 Jahren in der Partei ist, schrieb in seiner Rezension, das Buch habe ihm rückwirkend alle Erklärungen geliefert, die er gebraucht hätte. Das ist kein geringes Lob.
Die Frage der Perspektive
Man sollte « Machtverfall » mit einem informierten Blick hören. Ein Rezensent — Claudio Zanetti — hat angemerkt, dass das Buch mit einer deutlichen politischen Rahmung beginnt, die bestimmte Akteure kritisch darstellt und andere auslässt. Das ist keine Erfindung; Alexander schreibt aus einer klar erkennbaren journalistischen Perspektive, die nicht neutral im Sinne von gleichgewichtig ist. Wer das weiß, kann das Buch entsprechend einordnen. Wer einen vollständig ausgewogenen Überblick erwartet, wird sich an manchen Stellen reiben.
Das schmälert den Wert des Buches nicht grundsätzlich — politischer Journalismus ohne Haltung ist selten guter politischer Journalismus. Aber es ist eine Information, die man als Hörer mitbringen sollte.
Alexander als eigener Sprecher
Die Entscheidung, das Buch selbst zu lesen, zahlt sich aus. Alexander kennt sein Material, er weiß, wo die Betonungen sitzen, welche Sätze Gewicht haben und wo Ironie mitschwingt. Dreizehn Stunden sind eine lange Zeit, und der Rhythmus bleibt über weite Strecken angenehm. Es gibt Passagen, in denen die Sachlichkeit der Informationen die Dynamik bremst, aber das ist dem Genre geschuldet, nicht der Sprecherleistung.
Ein Punkt, der beim Hören auffällt: Das Buch wurde 2021 veröffentlicht und behandelt Ereignisse, die zu diesem Zeitpunkt noch sehr nah waren. Aus heutiger Perspektive liest sich manches wie eine Zeitkapsel — was damals offen schien, ist heute entschieden, was damals als Wendepunkt galt, hat sich bestätigt oder widerlegt. Das ist keine Schwäche des Buches, aber es ist etwas, das man beim Hören im Jahr 2026 mitdenken sollte.
Für wen dieses Hörbuch gemacht ist
Wer die deutsche Politik der letzten Merkel-Jahre aufarbeiten oder besser verstehen möchte, bekommt hier eine der gründlichsten Innenansichten, die öffentlich zugänglich sind. Wer politisch sehr eindeutige Positionen vermeiden will, sollte den Einleitungskapiteln mit etwas Distanz begegnen. Für alle, die sich für das Innenleben demokratischer Machtstrukturen interessieren, ist « Machtverfall » unabhängig von der eigenen politischen Einordnung informativ und hörenswert.