Auf einen Blick
- Sprecher: David Zimmerschmied liest zugänglich und temporeich, passend zu einem Buch, das bewusst auf breite Verständlichkeit setzt statt auf literarischen Anspruch.
- Themen: NFL-Karriere, Durchhaltevermögen, Außenseitergeschichte
- Stimmung: Mitreißend und direkt, wie ein langes Gespräch mit einem sympathischen Sportler
- Fazit: Für NFL-Fans und alle, die Sportbiografien mögen, ein kurzweiliger Einblick hinter die Kulissen des härtesten amerikanischen Mannschaftssports.
Ich gestehe: American Football ist nicht mein Sport. Ich kenne die Grundregeln, ich habe den Super Bowl ein paarmal halbherzig mitgeschaut, und ich verbinde die New England Patriots hauptsächlich mit dem Namen Tom Brady. Das war mein Wissenstand, als ich « German Champion » von Sebastian Vollmer und Dominik Hechler, gesprochen von David Zimmerschmied, auf meine Hörliste setzte. Ich wollte testen, ob dieses Buch auch für jemanden funktioniert, der kein eingefleischter Fan ist.
Die kurze Antwort: Es funktioniert, aber besser für jene, die Football lieben. Die etwas längere Antwort folgt.
Der Weg von Hamburg in die NFL, Schritt für Schritt
Sebastian Vollmers Geschichte ist auf den ersten Blick eine klassische Außenseitergeschichte: Ein deutscher Jugendlicher, der in einem Sport aufwächst, den kaum jemand in seiner Heimat kennt, kämpft sich gegen alle Widerstände bis in die beste Liga der Welt durch. Sein erster Coach soll ihn als « kleinen Fisch in einem großen Teich » bezeichnet haben. 2009 kam der Sprung in die NFL, und bei den New England Patriots wurde er zum festen Stammspieler, zum Bodyguard Tom Bradys.
Was Vollmer und Co-Autor Dominik Hechler dabei gut gelingen lassen, ist das Tempo der Erzählung. Das Buch liest sich, laut mehreren Amazon-Rezensenten, wie ein gut strukturiertes Gespräch, nicht wie eine gewichtige Autobiografie. Rezensent « Niklas » beschreibt, wie das Buch « die einzelnen Themen schön kurz und knapp » behandelt, und genau das ist der Stil: verständlich, zugänglich, nie akademisch.
Die 5 Stunden und 10 Minuten Laufzeit sind dabei konsequent. Das Buch sagt, was es sagen will, und endet dann. Kein Strecken, kein unnötiges Auffüllen mit Anekdoten, die nichts zum Kern beitragen.
Was hinter der NFL-Fassade steckt
Das Interessanteste an « German Champion » ist nicht der sportliche Erfolg an sich, sondern der Blick auf das Drumherum. Vollmer schildert seine Anfangsschwierigkeiten in den USA: die Sprachbarriere, die skeptischen Trainer, das völlig fremde System. Das sind Momente, die auch ohne Football-Vorwissen funktionieren, weil sie universell sind. Wer kennt nicht das Gefühl, in einem neuen Umfeld von vorne anfangen zu müssen und das eigene Können erst beweisen zu müssen?
Wo das Buch für mich an Schärfe verlor, ist genau dort, wo es spezifischer wird: in den taktischen Details des Spiels, in Spielzuganalysen und Positionsbeschreibungen. Rezensent « Marco Bowie-Gallagher » schreibt treffend, dass « Sebastian Vollmer jetzt nicht der größte Schriftsteller » sei, und das stimmt. Die Prosa ist handwerklich, nicht literarisch. Aber das ist für ein Sportbuch dieser Art weder überraschend noch ein echtes Problem.
Zimmerschmied passt zum Material
David Zimmerschmied liest diesen Text mit einer Direktheit, die gut zum Geist des Buches passt. Er klingt wie jemand, der die Geschichte gerne weitergibt, ohne sich dabei in stilistischen Feinheiten zu verlieren. Das ist die richtige Entscheidung für ein Buch, das auf Zugänglichkeit setzt. Besonders in den motivierenden Passagen, wenn Vollmer über das Training, über Verletzungen und über den Willen spricht, weiterzumachen, hat Zimmerschmied ein gutes Gespür für das richtige Tempo.
Was ich mir gelegentlich gewünscht hätte, sind mehr Szenen aus dem Inneren des Spielbetriebs, was auch Rezensent « Juan » anmerkt. Das Buch bleibt in diesen Momenten etwas an der Oberfläche und schützt seinen Protagonisten vor zu viel Intimität. Das hat man bei vergleichbaren amerikanischen Sportbiografien, etwa von Spielern, die offen über den brutalen Körperverschleiß des Sports schreiben, anders erlebt.
Wer dieses Hörbuch hören sollte, und wer eher nicht
NFL-Fans, die die Ära der New England Patriots kennen und Vollmers Karriere mit Interesse verfolgt haben, werden hier viele Momente finden, die sie bestätigen und einige, die sie überraschen. Wer Football generell spannend findet und wissen möchte, was es bedeutet, als Europäer in diesem System Fuß zu fassen, ist ebenfalls gut bedient. Wer sich dagegen eine psychologisch tiefgehende Biografie erhofft, die auch die Schattenseiten des Ruhms schonungslos beleuchtet, wird mit diesem Buch nicht vollständig zufrieden sein. Es ist ein sympathisches Buch über einen sympathischen Sportler, das genau dafür geliebt wird.