Auf einen Blick
- Sprecher: Pia Fuchs trifft den Ton der Geschichte genau – jung, direkt, mit einer Verletzlichkeit unter der Oberfläche, die dem Enemies-to-Lovers-Bogen echtes Gewicht gibt.
- Themen: Flucht vor der Vergangenheit, Eishockey und Wohngemeinschafts-Chaos, toxische Beziehungen und Heilung
- Stimmung: Prickelnd und unterhaltsam, mit ernsterem Unterton als erwartet
- Fazit: Eine Sports Romance, die mehr Substanz mitbringt als ihr Cover verspricht – besonders empfehlenswert für alle, denen New Adult oft zu oberflächlich ist.
Ich gebe es zu: Ich hatte das Cover gesehen, den Klappentext gelesen und meine Erwartungen entsprechend niedrig angesetzt. Enemies-to-Lovers, Eishockeyspieler, WG – das klingt nach einem Rezept, das ich in den letzten zwei Jahren schon dutzendfach gehört habe. Ich habe Flirting with Frost trotzdem eingelegt, an einem Dienstagabend, weil ich etwas Leichtes wollte. Was ich bekam, war etwas anderes.
Marina Maaß hat mit dem Silveroaks-Auftakt eine Geschichte geschrieben, die sich nicht damit begnügt, ihre Prämisse abzuarbeiten. Eliza Scott kommt mit einer Reisetasche und ein paar Schlittschuhen in Silveroaks an – ohne Plan, ohne Sicherheitsnetz, aber mit einer Vergangenheit, die sie nicht abschütteln kann. Dass sie ausgerechnet in einer WG mit drei Eishockeyspielern landet, ist die Ausgangssituation. Aber was die Geschichte wirklich antreibt, ist das, was der Klappentext bewusst verschweigt.
Das Geheimnis, das der Klappentext nicht verrät
Elizas Vergangenheit wird in Flirting with Frost nicht als Hintergrundfolie eingesetzt, die man schnell durchblättert. Sie ist der eigentliche Kern der Geschichte. Eine Rezensentin hat sehr präzise beschrieben, was Maaß hier leistet: Die schreckliche Vergangenheit, die Erlebnisse und die Ängste werden ganz langsam aufgedeckt und lassen einem so mehr Raum, um das Grauen vollkommen zu erfassen.
Das funktioniert im Hörbuch besonders gut, weil Pia Fuchs diese Dosierung mitträgt. Fuchs liest Eliza nicht als Opfer, sondern als jemanden, der kämpft – manchmal gegen Connor, manchmal gegen die eigene Erinnerung, und manchmal gegen beides gleichzeitig. Wenn die Geschichte in dunklere Bereiche vordringt, verändert sich Fuchs’ Lesart kaum merklich: etwas langsamer, etwas vorsichtiger, ohne je ins Melodramatische zu kippen.
Die Triggerwarnung, die die Buchbeschreibung für toxische Beziehungen ausspricht, ist ernst zu nehmen. Elizas Vergangenheit ist nicht als dramatische Zutat gemeint – sie hat Konsequenzen für ihr Verhalten, ihre Reaktionen, ihren Umgang mit Connor. Wer das Thema gerade selbst verarbeitet, sollte das wissen, bevor er einlegt.
Connor und der Unterschied zwischen Trope und Charakter
Connor ist auf den ersten Blick ein Archetyp: Star-Verteidiger, misstrauisch gegenüber der neuen Mitbewohnerin, charismatisch genug, um gefährlich zu sein. Was Maaß aber gut macht, ist, ihm eine Logik zu geben. Seine anfängliche Feindseligkeit gegenüber Eliza ist keine willkürliche Schreibmechanik – sie hat Gründe, die sich im Verlauf der Geschichte erschließen.
Fuchs unterscheidet die Figuren klar voneinander. Connor klingt bei ihr nicht wie ein anderes Vehikel für romantische Spannung, sondern wie ein eigenständiger Charakter, der eigene Konflikte hat. Das ist in einer Ich-Erzählung aus Elizas Perspektive keine Selbstverständlichkeit – Fuchs schafft das über Tempo und Tonlage, ohne je die Ich-Perspektive zu verlassen.
Was die Geschichte über Eishockey wirklich weiß
Eine Rezensentin hat die detaillierten Erklärungen zum Eiskunstlauf besonders gelobt – und das zu Recht. Maaß hat sich mit dem Sport beschäftigt. Die Szenen auf dem Eis, Elizas Verhältnis zu den Schlittschuhen, die sie gleichzeitig liebt und fürchtet, sind nicht dekorativ. Sie sind der Ort, an dem die Geschichte ihre emotionalste Arbeit leistet.
Wer sich für Eiskunstlauf oder Eishockey interessiert, bekommt hier eine Geschichte, die den Sport ernst nimmt. Wer sich nicht dafür interessiert, verpasst trotzdem nichts – Maaß erklärt genug, ohne zu überfordern.
Für wen dieses Hörbuch passt – und für wen nicht
Wer eine unterhaltsame New-Adult-Sports-Romance sucht, die mehr Substanz hat als ihr Titel verspricht, ist hier richtig. Die 7,5 Stunden fliegen vorbei – was teilweise an Pia Fuchs’ Lesetempo liegt, das die Geschichte vorantreibt, ohne zu hetzen. Wer mit dem Enemies-to-Lovers-Trope grundsätzlich auf Kriegsfuß steht, wird auch hier nicht bekehrt. Und wer Trigger-Themen rund um toxische Beziehungen und psychische Gewalt gerade nicht verarbeiten kann oder möchte, sollte die Triggerwarnung im Klappentext ernst nehmen.
Die Silveroaks-Bände können laut Autorin unabhängig voneinander gelesen werden. Flirting with Frost funktioniert also als Einzelhörbuch, auch ohne Vorwissen zur Reihe.