Auf einen Blick
- Sprecher: Alexander Kalff gibt Maddox und Damon unverwechselbare Stimmen und hält den leicht ironischen Grundton der Geschichte von Anfang bis Ende durch.
- Themen: Fake-Dating, MM Romance, Bisexualität und Selbstfindung, Profi-Baseball und Karriere als Spieleragent
- Stimmung: Locker und witzig, mit echter Wärme darunter
- Fazit: Für MM-Romance-Fans ein kurzweiliger Hörgenuss mit zwei Männern, denen man das Stolpern ins Gefühl gerne abnimmt.
Ich habe dieses Hörbuch an einem langen Wochenende begonnen, eigentlich nur als leichte Ablenkung zwischen zwei dichteren Büchern. Acht Stunden und neunundvierzig Minuten später war klar, dass Alexander Kalff mich längst nicht mehr losgelassen hatte. Fake-Dating-Storys haben in der MM-Romance-Szene ein ganz eigenes Gewicht: Die Spannung, ob das Gelüge zur Wahrheit wird, trägt oder reißt, hängt fast ausschließlich daran, ob man den beiden Hauptfiguren die Transformation abnimmt. Kalff sorgt dafür, dass man sie abnimmt.
Eden Finleys Ausgangssituation ist so absurd wie unwiderstehlich: Maddox O’Shay hat vor fünf Jahren seiner Ex erzählt, er sei schwul, um einer ungewollten Heirat zu entgehen. Nun heiratet die Dame doch, und er ist eingeladen mit Freund. Den Freund gibt es nicht. Maddox ist heterosexuell. Oder glaubt das zumindest. Was folgt, ist nicht einfach eine Komödie der Irrungen, sondern eine Geschichte über das langsame Aufgeben einer selbst gestrickten Identität.
Zwei Männer, ein Deal, kein Plan
Damon lässt sich von seiner Schwester zum Mitspielen überreden, weil Maddox ihm im Gegenzug Türen in der Sportagenturwelt aufmacht. Die Gegenseitigkeit des Arrangements ist klug konstruiert: Keiner von beiden gibt etwas umsonst, und genau das schafft die Reibung, die eine gute Fake-Dating-Geschichte braucht. Kalff spielt die Ambivalenz dieser Dynamik sehr bewusst aus. Maddox klingt in seiner Stimme oft wie jemand, der sich selbst dabei zusieht, wie er eine Entscheidung trifft, die er noch nicht ganz versteht. Damon dagegen ist zurückhaltender, fast vorsichtig. Der Altersunterschied und die unterschiedliche Lebenserfahrung der beiden zeichnen sich in Kalffs Stimmgebung klar ab, ohne dass er das aufdringlich betont.
Achtundvierzig Stunden ein Pseudo-Paar, so lautet der ursprüngliche Plan. Natürlich klappt das nicht. Was langsam schiefgeht und wie es schiefgeht, hat Finley mit einer Leichtigkeit geschrieben, die Kalff gut überträgt. Er dramatisiert nicht, wo das Buch selbst keine Dramatik verlangt. Wenn Maddox etwas erkennt, das er lieber nicht erkannt hätte, braucht Kalff keine großen Gesten. Die Stille, die er lässt, sagt genug.
Der Damon-King-Effekt
Wer Eden Finleys andere Reihe kennt, wird spätestens in der Mitte dieses Hörbuchs aufhorchen: Damon King, der hier als aufstrebender Spieleragent zu erleben ist, taucht in der Eiskalt-verschossen-Reihe als Wunschagent von Foster Grant auf. Die Verbindung wird im Buch selbst nicht explizit gemacht, aber wer die Reihen kennt, erlebt hier eine stille Enthüllung. Rezensentin Tina-Isabelle beschreibt es genau richtig: Seit ihr das bewusst war, hat sie das Buch noch mehr genossen als davor. Dieser Aha-Moment funktioniert im Hörbuchformat besonders gut, weil Kalffs Stimme Damon eine so präsente Persönlichkeit verleiht, dass die spätere Begegnung in einer anderen Reihe wie ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten wirkt. Wer Fake Out ohne dieses Vorwissen hört, verpasst nichts. Wer es mitbringt, bekommt eine Ebene geschenkt.
Was die Komödie trägt und was sie kostet
Die humoristische Grundstruktur des Buches lebt davon, dass Maddox in seinen eigenen Lügen gefangen bleibt, und da hat Kalff erkennbar Freude. Die Szenen, in denen Maddox versucht, überzeugend schwul zu wirken, ohne genau zu wissen, wie das geht, sind die komischsten des Buches und klingen in seiner Interpretation herrlich unbeholfen. Der Witz ist nie auf Kosten von Damon oder der queeren Nebenfiguren konstruiert, was wichtig ist, und Finley navigiert diese Klippe geschickt.
Was das Buch auch hat, und was nicht jede Rezension betont: Beide Männer tragen Verletzungen aus der Vergangenheit mit sich, die schwerer wiegen als das Fake-Dating-Szenario erwarten lässt. Tatsuya Azuma Gut beschreibt das treffend: Beide haben Dinge erlebt, die ihre Sicht auf manches verändert haben. Kalff lässt diese tieferen Schichten hörbar werden, ohne sie zu melodramatisieren. Wenn Maddox etwas erfährt, das ihn kurz aus der Bahn wirft, sitzt der Moment. Das ist nicht selbstverständlich bei einem Buch, das auf der Verpackung so leicht daherkommt.
Für wen und für wen nicht
Wer MM Romance mit einem klassischen Fake-Dating-Szenario, einem glaubwürdigen emotionalen Bogen und sympathischen Hauptfiguren sucht, ist hier richtig. Alexander Kalff macht das Hören zu einem Vergnügen, und Finleys Geschichte hat genug Herz, um die knapp neun Stunden zu tragen. Wer komplexe Charakterstudien oder unkonventionelle Erzählstrukturen erwartet, sucht im falschen Regal. Das ist Genre-Romance, gut gemacht, mit echter Wärme, aber ohne große literarische Ambitionen. Ein Hinweis noch: In der Audible-Bibliothek liegt eine PDF-Datei mit Zusatzmaterial zum Hörbuch. Was genau darin enthalten ist, gibt die Produktbeschreibung nicht vorab an, aber es lohnt sich, nach dem Kauf einen Blick hineinzuwerfen.