Der totale Rausch
Hörbuch & E-Book

Der totale Rausch, by Norman Ohler

Von Norman Ohler

Gesprochen von Norman Ohler

★★★★★ 4.6/5 (831 Bewertungen)
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Über dieses Hörbuch

Drogen im Dritten Reich: Norman Ohler geht den Tätern von damals buchstäblich unter die Haut und schaut direkt in ihre Blutbahnen hinein. Arisch rein ging es darin nicht zu, sondern chemisch deutsch – und ziemlich toxisch. Wo die Ideologie für Fanatismus und « Endsieg » nicht mehr ausreichte, wurde hemmungslos nachgeholfen. Als Deutschland 1940 Frankreich überfiel, standen die Soldaten der Wehrmacht unter 35 Millionen Dosierungen Pervitin. Das Präparat – heute als Crystal Meth bekannt – machte den Blitzkrieg erst möglich. Auch der vermeintliche Abstinenzler Hitler griff gerne zur pharmakologischen Stimulanz: Als er im Winter 1944 seine letzte Offensive befehligte, war er längst süchtig nach Eukodal, einem Opiat stärker als Heroin. Täglich erhielt er von seinem Leibarzt Theo Morell verschiedenste Dopingmittel, dubiose Hormonpräparate und auch harte Drogen gespritzt. Nur so konnte der Diktator seinen Wahn bis zum Schluss aufrechterhalten.

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Norman Ohler liest sein eigenes Werk mit der Präzision eines Akademikers und dem Tempo eines investigativen Journalisten, dabei durchgehend klar und fokussiert.
  • Themen: Drogenkonsum im Dritten Reich, Methamphetamin und Blitzkrieg, Hitlers pharmakologische Abhängigkeit
  • Stimmung: Sachlich und beklemmend, an manchen Stellen erschreckend nüchtern
  • Fazit: Eines der faktenreichsten und provokativsten deutschen Sachbücher zur NS-Geschichte der letzten Jahre, das trotz einiger stilistischer Schwächen unter die Haut geht.

Ich habe « Der totale Rausch » an einem Mittwochabend begonnen und bin dabei geblieben, weil ich nicht aufhören konnte. Das passiert mir bei Sachbüchern selten. Norman Ohler schreibt und liest hier über ein Thema, das in der Literatur zum Dritten Reich lange als Randnotiz behandelt wurde und das bei näherer Betrachtung das gesamte Narrativ vom kontrollierten, ideologisch reinen NS-Staat erschüttert.

Der Kern der These ist so provokativ wie gut belegt: Als Deutschland 1940 Frankreich überrannte, geschah das unter dem Einfluss von 35 Millionen Dosen Pervitin, einem Methamphetamin-Präparat, das heute als Crystal Meth bekannt ist. Der Blitzkrieg war nicht nur taktischer Überraschungserfolg, sondern pharmakologisch ermöglicht. Soldaten, die tagelang ohne Schlaf marschieren und kämpfen konnten, weil ein Pillenspender in ihrer Feldpost steckte. Ohler hat dafür Archive durchforstet, darunter die Aufzeichnungen von Hitlers Leibarzt Theo Morell, und er präsentiert seine Befunde mit einer Akribie, die einschüchtert.

Hitler unter Eukodal: Das pharmakologische Protokoll des Untergangs

Das stärkste Kapitel des Buches ist die Analyse von Hitlers persönlichem Drogenkonsum. Ohler rekonstruiert auf der Basis von Morells Tagebüchern, welche Substanzen dem Diktator in welchen Dosen verabreicht wurden. Eukodal, ein Opiat stärker als Heroin, wurde zur Dauermedikation. Im Winter 1944, als Hitler seine letzte Offensive befahl, war er nach Ohlers Rekonstruktion längst abhängig und in einem Zustand pharmakologischer Erschöpfung, der sein Urteil fundamental beeinträchtigte.

Das ist kein entlastendes Argument. Ohler macht das explizit. Aber es fügt dem Bild des Diktators eine Dimension hinzu, die über die reine Ideologieanalyse hinausgeht und die Frage stellt: Wie viel von dem, was als politische Überzeugung galt, war zuletzt chemisch erzwungene Wachheit? Rezensent Andreas Baumgartner hat das als « erschütternd wichtige Literatur » bezeichnet, und diesem Urteil schließe ich mich an, auch wenn ich eine Einschränkung hinzufüge.

Forschungsleistung und ihre stilistischen Risse

Ohler ist ein ausgezeichneter Rechercheur. Als Prosaist ist er ungleichmäßig. Mehrere Rezensenten haben darauf hingewiesen, dass das Buch « teilweise sehr schlecht geschrieben » sei, und während das eine Übertreibung ist, liegt darin ein Kern Wahrheit. Bestimmte Passagen wirken wie komprimierte Archivnotizen, die noch nicht vollständig in Erzählung verwandelt wurden. Ohler springt gelegentlich zwischen der makrohistorischen Perspektive und medizinischen Details in einem Tempo, das den Lesefluss unterbricht.

Als Selbstsprecher liest Ohler diese Stellen mit der gleichen Geschwindigkeit wie die stärksten Passagen, und das hilft nicht immer. Seine Stimme ist klar und kompetent, aber es fehlt die Rhythmisierung eines erfahrenen Hörbuchsprechers, der weiß, wann ein Moment eine Pause braucht. Insgesamt überwiegt der Gewinn: Man hört einen Autor, der vollständig in seinem Material zu Hause ist, und das trägt.

Ein Buch, das auch im Audioformat Quellenarbeit sichtbar macht

Audible stellt eine PDF-Datei mit Zusatzmaterial bereit, und das ist bei diesem Titel mehr als eine formale Geste. Ohler arbeitet mit konkreten Datierungen, Dosierungsprotokollen und Originalquellen, die als gedruckte Referenz erheblich mehr nützen als als gesprochene Fußnote. Ich empfehle, das PDF parallel zu öffnen, wenn man den Abschnitten über Morells Aufzeichnungen folgt.

Niklas Morgan hat in seiner Rezension aus dem Jahr 2016 angemerkt, dass nicht alles, was Ohler entdeckt habe, neu sei, und das stimmt. Der Einsatz von Pervitin in der Wehrmacht war Historikern bekannt. Was Ohler neu zusammenfügt, ist das Ausmaß, die Systematik und die Verbindung zur Entscheidungsebene, bis hinein in Hitlers eigenen Körper. Das ist der Beitrag, der bleibt.

Wer sollte dieses Hörbuch hören, wer lieber nicht

Für Hörer, die NS-Geschichte über klassische Politikanalyse hinaus verstehen wollen, ist dieses Hörbuch nahezu unumgehbar. Wer stilistisch makellose Prosa erwartet, wird an einzelnen Stellen Abstriche machen müssen. Wer kein Interesse an medizinhistorischen Details hat, sollte wissen, dass diese einen erheblichen Teil des Materials ausmachen. Für alle anderen: ein wichtiges, gut recherchiertes Buch, das man nach dem Hören schwer wieder loswird.

Häufig gestellte Fragen

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Was Hörerinnen und Hörer sagen

★★★★★

High Hitler! Oder der Blitzkrieg auf Crystal Meth.

Norman Ohler ist tief in die Archive abgetaucht und hat aus den vielen Fundstellen eine detaillierte Beschreibung des Drogenkonsums in Nazideutschland verfasst. Das Buch ist spannend geschrieben und liest sich an manchen Stellen wie ein Krimi. Nicht alles was Ohler entdeckt hat ist neu. So ist ja seit Langem bekannt,…

— Niklas Morgan
★★★★★

gut geschrieben

interessante Geschichte

— Kathrin F.
★★★★☆

Druck-und Bindequalität schlecht

Die Druckqualität und Bindequalität ist wirklich sehr sehr schlecht. Es kommen einem schon zu Beginn die Seiten entgegen. Die Fakten einfach heraus.Das Buch selbst ist inhaltlich sehr interessant und äußerst gut geschrieben.

— Amazon Kunde
★★★★★

Beeindruckend wichtige Literatur über das 3. Reich

Eines der wichtigsten Bücher über das dritte Reich. Bedeutende Recherchearbeit – leider teilweise sehr schlecht geschrieben.

— Andreas Baumgartner
★★★★★

Außerordentlich interessantes und gut recherchiertes Buch

Ich habe schon viele Bücher über den 2.WK gelesen, aber das ist eines der besten. Es liest sich flüssig, ist wirklich unterhaltsam mit sarkastischem Unterton in manchen Passagen und schafft es, trotz der Dramatik des damaligen Geschehens nicht zu tief in dieses emotionale Trauma einzusteigen.Absolut empfehlenswert.

— Amazon Kunde

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin