Auf einen Blick
- Sprecher: Kein Sprecher angegeben – ob Jonas Deichmann das Buch selbst einliest oder ein professioneller Sprecher übernimmt, ist in den Metadaten nicht ausgewiesen; vor dem Kauf lohnt ein Blick in die Hörprobe.
- Themen: Extremsport als Lebensphilosophie, Grenzerfahrungen im Lockdown, Menschlichkeit und Begegnung unterwegs
- Stimmung: Mitreißend und erdend zugleich, mit unerwarteter Leichtigkeit
- Fazit: Ein Abenteuer-Sachbuch, das weit über Triathloninteressierte hinaus funktioniert – Deichmanns Haltung zur Welt ist ansteckend sympathisch.
Ich bin keine Sportlerin. Das sage ich gleich, damit das klar ist. Ich laufe gelegentlich, wenn das Wetter gut ist und ich einen Podcast dabei höre – und das war es dann mit meiner athletischen Biografie. Jonas Deichmanns Buch hätte mich also unter normalen Umständen nicht interessiert. Dann hat mir eine Freundin gesagt: Hör rein, nur fünf Minuten. Fünf Stunden und dreißig Minuten später war ich fertig und hatte eine Liste von Notizen, die ich normalerweise nur bei Büchern anlege, die mich wirklich beschäftigen.
Das Limit bin nur ich beschreibt, was Deichmann zwischen Oktober 2020 und Dezember 2021 getan hat: Er ist einmal um die Erde, in den Triathlon-Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen. Durch die Adria geschwommen, 20.000 Kilometer mit dem Fahrrad bis nach Wladiwostok geradelt, dann 120 Marathons durch Mexiko gelaufen. Das klingt nach dem Projekt eines Menschen, der ein ernsthaftes Problem mit der Sterblichkeit hat. Was man bekommt, ist etwas völlig anderes.
Der Mensch hinter der Zahl
Was Deichmanns Buch von zahllosen anderen Extremsport-Memoiren unterscheidet, ist die Haltung des Protagonisten zur Welt und zu den Menschen darin. Deichmann ist kein Selfmade-Mythos, der seine eigene Außergewöhnlichkeit zelebriert. Er ist jemand, dem die Begegnungen unterwegs wichtiger zu sein scheinen als die Kilometer. Die Menschen, jung und alt, die sich ihm spontan für ein paar Kilometer anschließen – ein Schulkind in Mexiko, ein älterer Radfahrer in Sibirien – stehen oft im Zentrum der Erzählung, nicht die Leistung selbst.
Eine Rezensentin hat geschrieben, der Titel lasse vermuten, hier wolle ein von sich selbst überzeugter Supersportler der Welt erklären, was er drauf hat. Ihr Mann habe Deichmann bei Tag 50 seiner Mexiko-Challenge persönlich erlebt und bestätigt: Er ist ganz anders. Das deckt sich mit dem, was man beim Hören wahrnimmt. Deichmanns Ton ist nahbar, selbstironisch und ohne jede Überhöhung.
Was dieses Buch über Motivation wirklich sagt
Das Limit bin nur ich ist kein Ratgeber und will keiner sein. Es gibt keine Sieben-Schritte-Anleitung für ein besseres Leben. Was es gibt, ist eine gelebte Demonstration einer bestimmten Einstellung: Wenn heute zu mir jemand sagt, das hat noch keiner gemacht, du wirst scheitern, dann sage ich: Ja, super, dann kann ich der Erste sein.
Das klingt im Zitat wie ein Motivationsplakat. Im Kontext der Geschichte, nach fünfeinhalb Stunden, die man mit Deichmann durch Sibirien und Mexiko verbracht hat, klingt es wie das, was es ist – eine ehrliche Beschreibung davon, wie dieser Mensch die Welt wahrnimmt. Nicht antrainiert, nicht performt, einfach vorhanden.
Mehrere Rezensenten haben das Buch als Inspirationsquelle beschrieben, auch für ganz andere Projekte als Extremsport. Das leuchtet ein. Die eigentliche Botschaft hat wenig mit Triathlon zu tun und viel damit, was passiert, wenn man aufhört, Scheitern als Argument gegen den Versuch zu benutzen.
Zur Frage des Sprechers
Die Metadaten weisen keinen Sprecher aus – was für ein Abenteuer-Sachbuch wie dieses ungewöhnlich ist, da solche Bücher häufig vom Autor selbst eingelesen werden. Bei fünfeinhalb Stunden Laufzeit und einem Thema, das so eng an Deichmanns Person gebunden ist, würde eine Selbsteinlesung erheblich zur Authentizität beitragen. Ich empfehle, vor dem Kauf die Hörprobe zu nutzen, um den Sprecher zu identifizieren und zu prüfen, ob die Lesart zur eigenen Erwartungshaltung passt.
Für wen dieses Hörbuch funktioniert – und für wen nicht
Für alle, die sich für den Menschen hinter der Leistung interessieren, nicht nur für Kilometerrekorde. Für Leserinnen und Leser, die ein Sachbuch suchen, das sich wie ein Roman liest. Für Menschen, die gerade an einem Projekt zweifeln und einen Anstoß gebrauchen könnten – nicht als Wundermittel, sondern als ehrliches Gespräch darüber, was Mut im Alltag bedeutet.
Wer detaillierte Trainingsanleitungen, Ernährungspläne oder Sportwissenschaft erwartet, wird enttäuscht sein. Das Limit bin nur ich ist ein Reisebericht, kein Ratgeber. Wer das weiß, bekommt mit fünfeinhalb Stunden eines der dichtesten und ehrlichsten Sportbücher, die ich in letzter Zeit gehört habe.