Auf einen Blick
- Sprecher: Heidi Jürgens passt perfekt zu dieser leichten Liebesgeschichte und verleiht Raelyns New-Yorker Direktheit einen charmanten Ton, ohne die schottischen Momente zu überspielen.
- Themen: Neuanfang in der Fremde, Erbschaft als Selbstfindung, Stadtmensch trifft Dorfgemeinschaft
- Stimmung: Warmherzig und gemütlich, wie ein heißer Tee an einem Regentag
- Fazit: Eine unkomplizierte Wohlfühlromanze für Fans des schottischen Highlands-Settings, die vorhersehbar, aber aufrichtig erzählt ist.
Ich habe Das kleine Café in den Highlands an einem Sonntagnachmittag angefangen, an dem ich explizit keine Ansprüche an das hatte, was ich hören wollte. Manchmal braucht man das. Keine komplizierten Erzählstrukturen, keine moralischen Dilemmata, keine verstörenden Wendungen. Nur eine Geschichte, die funktioniert und einem für ein paar Stunden das Gefühl gibt, in den schottischen Highlands zu sitzen, Shortbread zu essen und auf Regen zu warten.
Birgit Loistl liefert genau das. Mehr erwartet sie auch nicht von sich selbst.
Raelyn: von Manhattan in die Highlands
Die Prämisse ist klassisch: Raelyn ist eine erfolgreiche Immobilienmaklerin in New York, ihr Leben ist geordnet, ihr Humor trocken, und dann passiert etwas Peinliches im Internet. Der Weg von pikanten Bildern im Netz bis zur Erbschaft eines kleinen Cafés in einem schottischen Dorf ist nicht kurz, aber Loistl nimmt sich die Zeit, ihn glaubwürdig zu machen. Raelyn ist keine passive Figur, die von den Umständen getrieben wird. Sie macht aktive Entscheidungen, auch wenn diese Entscheidungen manchmal unbedacht sind.
Was ich an Raelyn mochte: Sie ist nicht auf der Suche nach sich selbst im spirituellen Sinne. Sie erbt ein Café, das verschuldet ist, und trifft auf Dorfbewohner, die sie nicht mögen. Das ist eine nüchterne Ausgangssituation für eine Liebesgeschichte, und Loistl nutzt sie gut.
Schottland als Bühnenbild und echte Reibungsfläche
Bücher und Hörbücher, die in den schottischen Highlands spielen, gibt es viele. Die Gattung hat ihre Regeln, und Loistl hält sich im Wesentlichen daran. Was den Unterschied macht, ist, dass Duncan, das fiktive Dorf, nicht ausschließlich charmant ist. Die Einwohner sind zunächst wirklich unfreundlich, nicht malerisch-schroff wie in einem Film, sondern schlicht abweisend. Das verleiht der Geschichte eine kleine Portion Realismus, die ich schätzte.
Der heisse Fotograf Colin MacArran ist keine Überraschung, und das soll er wohl auch nicht sein. Was die Liebesgeschichte trägt, ist weniger die Spannung zwischen den beiden als das langsame Auftauen des Dorfes gegenüber Raelyn und Raelyns eigenes Verhältnis zu der Mutter, die sie nie kannte. Diese emotionale Hintergrundgeschichte gibt dem Hörbuch seine sentimentale Würde.
Heidi Jürgens und der Rhythmus der Lesung
Heidi Jürgens hat eine Stimme, die für diesen Stoff gemacht zu sein scheint: warm, mit einer leichten Ironie, die Raelyn gut steht. Sie übertreibt weder die romantischen noch die komödiantischen Momente, sondern lässt beides im gleichen Tonfall koexistieren. Bei 7 Stunden und 11 Minuten Laufzeit ist das keine geringe Leistung, denn kürzere Romanze-Hörbücher neigen dazu, entweder in Sentimentalität oder in erzwungene Leichtigkeit zu verfallen. Jürgens hält die Mitte.
Ein Rezensent hat auf Logiklücken im Text hingewiesen, und ich kann das nicht ganz abstreiten. Es gibt Stellen, an denen die Handlung der Bequemlichkeit folgt statt der inneren Logik. Wer solche Dinge aus Prinzip nicht toleriert, wird wahrscheinlich kein Fan dieses Genres sein. Wer bereit ist, über Erzählkonventionen hinwegzuhören, kommt gut durch.
Für wen das Café in den Highlands die richtige Wahl ist
Wer Bücher von Jenny Colgan oder Manuela Inusa schätzt, wird sich hier sofort heimisch fühlen. Das Hörbuch richtet sich an Hörerinnen, die eine Liebesgeschichte mit Herz, schottischem Winterflair und einem glücklichen Ende suchen. Wer anspruchsvolle Charakterentwicklung oder unerwartete Wendungen erwartet, sollte woanders suchen. Und wer wie ich manchmal einfach einen Sonntagnachmittag in den Highlands verbringen möchte, ohne aufzustehen, findet hier genau das Richtige.