Auf einen Blick
- Sprecher: Gesa Neitzel liest ihr eigenes Buch, und das merkt man auf die beste Art: Die Begeisterung für Afrika ist ungefiltert und ansteckend.
- Themen: Selbstverwirklichung nach der Rangerin-Ausbildung, Paarreise durch das südliche Afrika, Respekt vor Wildnis und fremden Kulturen
- Stimmung: Warm, abenteuerlich und mit einem permanenten Unterton von Fernweh
- Fazit: Wer Neitzel schon aus « Frühstück mit Elefanten » kennt, wird auch diesen Band lieben. Für alle anderen ein einladender Einstieg in ihre Afrikawelt.
Es gibt Bücher, die man hört und dabei das Fenster aufmachen möchte, nicht weil es heiß ist, sondern weil man irgendwie Luft aus einer anderen Richtung braucht. « Löwenherzen » von Gesa Neitzel hat mich an einem grauen Dienstagmorgen erwischt, beim Frühstück, während draußen Nieselregen auf das Küchenfenster klopfte. Ich hatte ursprünglich geplant, nur kurz reinzuhören. Zwei Stunden später stand ich immer noch mit der Kaffeetasse in der Hand.
Neitzel liest ihr eigenes Buch, und das ist in diesem Fall eine klare Stärke. Ihre Stimme trägt keine professionelle Distanz, wie man sie manchmal bei ausgebildeten Sprecherinnen hört. Stattdessen klingt es, als würde jemand am Tisch gegenübersitzen und erzählen, wie sie in Botswana fast ihren Land Rover verloren hat. Die Begeisterung ist echt, die Pausen kommen an den richtigen Stellen, und wenn sie von dem Feuer spricht, das sie und Ranger Frank zusammenschweißte, hört man, dass sie noch immer nicht ganz darüber hinweg ist.
Vom Berliner Großstadtdschungel in den Busch
Was Neitzel so gut kann, ist das Erzählen von Übergängen. 2015 hat sie den Schritt von Berlin nach Afrika gewagt, um sich zur Rangerin ausbilden zu lassen. Das klingt nach einem romantischen Abenteuer, und es ist das auch, aber Neitzel lässt die harten Kanten nicht verschwinden. Der Busch ist keine Filmkulisse. Es gibt Termitenhügel, Hitze, kaputte Technik und Momente, in denen man sich fragt, warum man hier eigentlich ist. Diese Ehrlichkeit ist das, was « Löwenherzen » von reiner Wohlfühlliteratur unterscheidet.
Rezensenten haben wiederholt auf die Detailtreue ihrer Beschreibungen hingewiesen, und das ist berechtigt. Wenn Neitzel einen Giraffen-Moment schildert oder erklärt, wie man einen Termitenhügel richtig liest, ist das keine Touristenführer-Prosa. Es ist das Schreiben einer Frau, die gelernt hat, dieses Land mit anderen Augen zu sehen. Und Augen, die etwas wirklich gesehen haben, schreiben anders als Augen, die nur hingeschaut haben.
Roadtrip zu zweit, auf vier Rädern und unter dem Südhimmel
Der Kern des Buches ist der Roadtrip von Gesa und Frank durch Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe, mit einem kleinen Dachzelt auf einem klapprigen Land Rover. Das ist keine Luxusreise, das ist eine Beziehungsprüfung unter offenen Himmel. Neitzel beschreibt das Paar-Erleben ohne rosa Filter: Es gibt Gereiztheit, Erschöpfung, Meinungsverschiedenheiten. Aber es gibt auch das, was passiert, wenn zwei Menschen zusammen durch etwas durch müssen, das größer ist als sie beide, in diesem Fall ein Buschfeuer, das klingt wie eine Horrorgeschichte und sich dann in etwas verwandelt, das die beiden enger zusammenbringt als alles zuvor.
Das Buch funktioniert sowohl als Reisebericht als auch als Liebesgeschichte, ohne dass eines von beiden das andere überlagert. Das ist handwerklich nicht selbstverständlich, und Neitzel schafft es mit einer Leichtigkeit, die beim Hören fast täuscht.
Wer sollte hier einsteigen
Wer Neitzel bereits aus « Frühstück mit Elefanten » kennt, wird auch ohne weiteres Zögern einsteigen. « Löwenherzen » ist eine Fortsetzung im Geiste, kein Serienband mit zwingenden Abhängigkeiten. Man kann auch direkt hier anfangen. Für Hörende mit Afrika-Sehnsucht, Interesse an Wildnis und Naturschutz oder einfach Lust auf eine ehrliche Reiseerzählung ist das Buch ideal. Wer rein fiktionale Spannung sucht, wird möglicherweise weniger abholen, da der erzählerische Rhythmus bewusst episodisch und ruhig bleibt.
Sieben Stunden und 45 Minuten vergehen schneller, als man denkt. Und wenn man fertig ist, schaut man in den Nieselregen vor dem Fenster und denkt: Vielleicht doch mal wieder was planen.