Auf einen Blick
- Sprecher: Viola Müller gibt beiden Perspektiven eine klar unterscheidbare Energie und trifft den leichten College-Ton des Buchs ohne Übertreibung.
- Themen: Fake Dating, College-Football-Milieu, zweite Chancen auf Vertrauen
- Stimmung: Leicht und flirtig mit ein paar echten Momenten dazwischen
- Fazit: Wer das Genre kennt und mag, bekommt hier eine solide, gut vorgetragene Liebesgeschichte ohne große Überraschungen.
Es war ein Dienstagabend, ich fuhr nach einem langen Arbeitstag auf der Autobahn und hatte wenig Energie für etwas Kompliziertes. « First Down » von Grace Reilly, übersetzt von Heike Holtsch, startete in meinen Ohren, und ich war spätestens nach zehn Minuten in Tannstein eingestiegen. College-Campus, Football-Training, ein Quarterback mit Problemen und eine kluge Studentin, die eigentlich nichts von ihm will. Das ist vertrautes Terrain, und ich meine das nicht abwertend.
Viola Müller übernimmt die Erzählung für beide Hauptfiguren, James und Bex, und sie schafft es gut, die Energie zwischen den Kapiteln zu wechseln. James klingt ein bisschen selbstsicherer, Bex ein bisschen spröder, und das genügt, um die Perspektivwechsel deutlich zu machen, ohne dass man immer nachschauen muss, wer gerade spricht. Bei einem Buch, das Dual-POV nutzt, ist das eine echte Leistung.
Das Fake-Dating-Setup und warum es hier funktioniert und warum nicht
Die Prämisse ist klar: James braucht Nachhilfe, um seinen Studienplatz nicht zu verlieren. Bex braucht einen Fake-Freund, damit ihr Ex endlich versteht, dass sie weitergegangen ist. Sie schließen einen Deal, der beide in die Klemme bringt, weil Gefühle sich nicht an Vereinbarungen halten. Wer auch nur fünf New-Adult-Romane gelesen hat, weiß, wohin das führt.
Das ist keine Kritik, sondern eine Positionierung. « First Down » ist erster Band der Beyond-the-Play-Serie und kann unabhängig davon gehört werden, was bei Serienromanen nicht selbstverständlich ist. Grace Reilly nutzt das Fake-Dating-Konzept solide, aber sie fügt diesem Format nichts hinzu, was es nicht schon kennen würde. Reviewer « _.seelenseiten._ » hat das ehrlich benannt: Das Buch liefert genau das, was es verspricht, und das hat auch in seiner Kritik einen gewissen Respekt, weil Ehrlichkeit im Genre selten ist. Wer sich darüber hinaus etwas erhofft, wird enttäuscht.
Wo die Geschichte überrascht und wo sie Zeit braucht
Was « First Down » besser macht als viele vergleichbare Titel ist das Ende. Reviewer « Book Type » schreibt, das Buch habe ihn « am Ende doch noch ganz schön überrascht » und sei « völlig perplex » zurückgeblieben. Ich war ähnlich überrascht. Die letzten Kapitel haben mehr Gewicht als der Rest des Buches vermuten lässt, und das ist ein echter Pluspunkt. Schade nur, dass ein weiterer Reviewer genau das als Schwäche benennt: « Gegen Ende ging es mir etwas zu schnell. » Beide Eindrücke sind berechtigt, je nachdem, wie viel Raum man für Auflösungen bevorzugt.
Die mittlere Phase des Buches ist das, was zäh werden kann. Der Slow-Burn ist hier echter Slow-Burn, was Geduld erfordert. Wer die neuneinhalb Stunden in mehreren Pendlerabschnitten hört, wird das anders erleben als jemand, der das Buch an einem Wochenende am Stück durchzieht.
College Vibes im Deutschen, und Viola Müller hält sie zusammen
Heike Holtschs Übersetzung bewegt sich flüssig. Manches klingt im Deutschen etwas förmlicher als im amerikanischen Original, das liegt in der Natur der Sache, aber es gibt keine Momente, in denen die Sprache aus dem Rhythmus fällt. Viola Müllers Vortrag unterstützt das. Sie bringt eine Wärme mit, die dem Buch gut tut, und sie verheddert sich nicht in den Spice-Szenen, die klar vorhanden sind. Der Klappentext sagt « viel Spice », und das ist nicht gelogen, aber auch nicht das Einzige, was das Buch trägt.
Bei 4,3 Sternen und fast 750 Rezensionen ist das ein Buch, das seine Zielgruppe findet und befriedigt. Wer keine Football-Romanze als Gattung mag, wird hier nicht bekehrt. Wer sie mag, bekommt eine ordentlich erzählte, gut vorgetragene Version davon.