Auf einen Blick
- Sprecher: Eva Derksen trifft den Ton zwischen scharfzüngiger Schlagfertigkeit und aufkeimender Wärme gut, auch wenn ihre Männerstimmen etwas flach bleiben.
- Themen: Enemies-to-Lovers, Medienwelt und Öffentlichkeitsdruck, Respekt als Voraussetzung für Anziehung
- Stimmung: Leicht funkelnd und schlagfertig, mit genug Herzwärme für lange Abende auf dem Sofa
- Fazit: Eine solide, eigenständig hörbare Sportromanze für Fans des Genres, die wissen, was sie bekommen.
Es war ein Sonntagabend, ich hatte eine lange Woche hinter mir, und ich wollte einfach etwas, das mich nicht über die Welt nachdenken lässt. « Don’t hate the Linebacker » war schon eine Weile auf meiner Liste, und ich habe es geöffnet mit der ruhigen Erwartung: eine kluge Enemies-to-Lovers-Geschichte, Fußball, Medienzirkus, und zwei Menschen, die so lange aneinander reiben, bis irgendetwas Funken schlägt. Genau das ist es.
June Baker schreibt mit einem guten Gespür für das Tempo des Genres. Der Einstieg ist schnell: Wes Carlson, Linebacker der Alabama Bears, verletzt sich so schwer, dass er nicht mehr auf das Feld kann. Er wird Co-Kommentator. Ausgerechnet neben Colleen Wilson, der Sportjournalistin, die ihn seit Jahren öffentlich kritisiert. Die Prämisse ist nicht neu, aber Baker weiß, was sie damit macht.
Zwei Mikrofone, ein Feuer und die Frage des Respekts
Was mich an diesem Roman überrascht hat, ist die Entscheidung der Autorin, Wes nicht als Reform-Bedürftigen zu zeichnen. Er ist ein Womanizer, ja — aber er hat, wie Rezensentin Kiki Wally treffend formuliert, « den absolut nötigen Respekt vor Frauen » und weiß, wie man eine Frau behandelt. Außer Colleen, weil Colleen sich aus Gründen, die wir erst später verstehen, aktiv weigert, diesen Respekt anzunehmen.
Das ist eine ungewöhnlich faire Konstruktion für das Genre. Enemies-to-Lovers lebt oft davon, dass einer der beiden zu Beginn tatsächlich unangenehm ist — Baker verteilt die Schuld anders. Colleen hat ihre Gründe, und Wes hat seine blinden Flecken, aber keiner der beiden ist das Hindernis, das der andere überwinden muss. Das macht die Auflösung befriedigender.
Eva Derksen zwischen Schlagabtausch und leiser Zuneigung
Eva Derksen spricht diesen Roman mit der richtigen Energie für das Genre. Sie navigiert die spitzen Wortgefechte zwischen Wes und Colleen mit einer Leichtigkeit, die das Zuhören angenehm macht, ohne dass die Dialoge ins Theatralische kippen. Besonders gut gelingt ihr Colleen: die kontrollierte Schärfe, hinter der sich etwas versteckt, und die langsame Erschütterung dieser Kontrolle im Verlauf der Geschichte.
Weniger überzeugend sind ihre männlichen Stimmen. Wes hat eine eigene Energie im Text, aber stimmlich kommt er bei Derksen etwas flach heraus — er unterscheidet sich nicht genug von den Nebenfiguren. Das ist ein bekanntes Problem bei Solo-Sprecherinnen in Romanen mit starkem männlichen Protagonisten, und Derksen löst es besser als manche, aber nicht perfekt.
Eigenständig oder als Teil der Reihe?
Der Roman ist Band 2 der Alabama-Bears-Reihe, aber er kann vollständig eigenständig gehört werden. Die Autorin gibt im Klappentext selbst an, dass keine Vorkenntnisse nötig sind, und das stimmt. Rezensentin M.Kraft, die Band 1 kannte, schreibt, dass Wes sie genauso mitgerissen hat wie Kane — aber anders. Das ist ein gutes Zeichen: Der Roman steht auf eigenen Beinen und hat trotzdem eine eigene Persönlichkeit innerhalb der Reihe.
Eine kleine technische Anmerkung, die ich nicht verschweigen will: Eine Rezension auf Audible erwähnt fehlende Wörter und Buchstaben an einigen Stellen des Textes. Ich habe in der Hörbuchfassung keine entsprechenden Auffälligkeiten bemerkt, aber wer die E-Book-Version kennt, könnte das anders erleben.
Wer dieses Hörbuch hören sollte — und wer es besser lässt
Fans des Enemies-to-Lovers-Genres im Sportsromance-Umfeld, die eine leichte, warmherzige Geschichte ohne großen Anspruch suchen, werden hier sehr gut bedient. Wer Sports-Romance noch nicht kennt und wissen will, ob das etwas für sie ist, kann hier getrost einsteigen — der Roman ist freundlich zu Newcomerinnen. Wer komplexe Figurenpsychologie sucht oder Sportfakten-intensive Prosa erwartet, ist in der falschen Schublade gelandet.