Auf einen Blick
- Sprecher: Marc-Uwe Kling liest seine Geschichte selbst und mit spürbarer Spielfreude, inklusive eines Bonus-Live-Mitschnitts vor echtem Publikum im Mehringhoftheater Kreuzberg.
- Themen: Familientradition contra eigene Berufung, Frühling gegen Winter, kindliche Selbstbestimmung
- Stimmung: Warm, reimend, kurzweilig und mit einer Prise subversivem Kling-Humor
- Fazit: Dreizehn Minuten Hörvergnügen für Kinder und Eltern, die Klings Humor bereits lieben.
Ich höre mir Kinderhörbücher nicht oft an, zumindest nicht ohne einen konkreten Anlass. Aber als meine Nichte an einem Sonntagmorgen zu mir ins Auto stieg und fragte, ob wir « das mit dem Weihnachtsmannsohn » hören könnten, war die Entscheidung getroffen. Wir parkten vor dem Supermarkt und fuhren nicht rein, bis die dreizehn Minuten vorbei waren. Dann haben wir den Bonus-Livemitschnitt auch noch gehört. Den Einkauf haben wir irgendwie trotzdem erledigt.
« Der Ostermann » ist kein langer Abend. Es ist ein Moment. Marc-Uwe Kling, bekannt durch die « Känguru-Chroniken » und das Bilderbuch-Bilderbuch « Das NEINhorn », hat eine Geschichte in Reimform geschrieben, die so tut, als wäre sie nur für Kinder gedacht. Der Witz darin ist aber einer, den auch Erwachsene verstehen, und das ist das Markenzeichen von Klings bestem Schreiben.
Dreizehn Minuten, die nichts verschwenden
Wer ein Hörbuch mit dreizehn Minuten Laufzeit in die Hand nimmt, fragt sich vielleicht, ob das nicht einfach ein Bilderbuch wäre, das jemand vorliest. Und ja, das ist es auch. Aber es ist ein sehr gut vorgelesenes Bilderbuch, und der Bonus-Live-Mitschnitt aus dem Mehringhoftheater Kreuzberg fügt der Studioaufnahme eine zweite, lebendige Dimension hinzu. Man hört das Publikum, das lacht, man hört die Reaktion der Kinder im Saal, und plötzlich klingt die Geschichte größer.
Marc-Uwe Kling liest selbst, und das ist wichtig. Seine Stimme ist keine Vorlesestimme im klassischen Sinne, die jede Zeile in Schulstunde verwandelt. Er liest so, als würde er es gerade zum ersten Mal entdecken. Das gibt dem Reimtext eine Leichtigkeit, die man bei einem zu professionellen Sprecher vielleicht nicht hätte.
Der Inhalt, der unter der Oberfläche sitzt
Die Geschichte selbst ist einfach erzählt: Der Sohn des Weihnachtsmannes weigert sich, die Familientradition fortzuführen. Er mag keinen Schnee, keinen Bart, keine Orangen. Er will Ostermann werden. Die Eltern sind entsetzt. Er setzt sich durch. Ende gut, alles gut.
Das klingt harmlos, und für die jüngsten Zuhörer ist es das auch. Für alle anderen steckt darunter ein klassisches Kling-Thema: die Tyrannei der Erwartung, das Recht auf die eigene Berufswahl, die Absurdität von Traditionen, die niemand hinterfragt. « Weihnachtsmann sein ist schließlich Familientradition », sagen die Eltern. Und genau das, sagt Kling implizit, reicht als Argument nicht aus.
Rezensenten heben hervor, dass das Buch eine « wichtige Botschaft » hat und einen « charmanten Schluss ». Beides stimmt. Und das Schöne daran ist, dass die Botschaft nie doziert wird. Sie steckt im Ausgang der Geschichte, nicht in einer Moral am Ende.
Für wen dieses Hörbuch gemacht ist
Eltern, die den Humor der « Känguru-Chroniken » kennen und ihren Kindern etwas vorlesen möchten, das sie selbst nicht langweilt, sind hier sehr richtig. Eine Rezensentin beschreibt es treffend: Es gibt Bücher, die man als Elternteil immer wieder vorlesen muss, weil das Kind es verlangt, und die man dabei heimlich hasst. « Der Ostermann » ist nicht so eines. Man liest es gerne noch einmal.
Wer ein langes Kinderhörbuch für lange Autofahrten sucht, wird die dreizehn Minuten allerdings nicht weit tragen. Das ist kein Mangel, nur eine Kategorie. Dieses Hörbuch ist etwas für kurze, intensive Hörmomente, nicht für Reisen von Hamburg nach München.