Auf einen Blick
- Sprecher: Philipp Schepmann verleiht Kokosnuss seine unverkennbare Herzlichkeit und hält das Tempo kindgerecht lebendig.
- Themen: Freundschaft, Abenteuer, kleine Weltreise
- Stimmung: Aufgeregt und verspielt, wie ein Nachmittag mit einem guten Freund
- Fazit: Ein kurzweiliges Hörabenteuer für die Jüngsten, das auf langen Fahrten seinen besten Auftritt hat.
Meine Nichte ist sieben Jahre alt und hört Kokosnuss-Geschichten mit einer Ausdauer, die ich ihr bei keinem anderen Medium zutrauen würde. Letzten Sonntag saß ich mit ihr im Auto auf dem Weg zu meiner Schwester, wir hatten gut 90 Minuten vor uns, und ich hatte « Der kleine Drache Kokosnuss reist um die Welt » dabei. Sie kannte die Figur schon aus den Büchern. Ich kannte Ingo Siegners kleinen Drachen bisher nur vom Hörensagen.
Was dann folgte, war eine der entspanntesten Fahrten seit Langem. Meine Nichte hat keine einzige Frage gestellt, keine Pause haben wollen. Sie hat einfach gehört. Und ich habe nach etwa zehn Minuten gemerkt, dass ich selbst aufmerksam zuhörte, obwohl ich eigentlich nur den Ton für sie angemacht hatte.
Philipp Schepmann und das Kunststück, alle zu erreichen
Philipp Schepmann spricht Kokosnuss seit Jahren und man hört, dass er die Figur nicht mehr suchen muss. Er ist Kokosnuss. Seine Stimme hat eine warme, ein wenig aufgeregte Qualität, die genau das einfängt, was eine gute Kinderfigur ausmacht: Begeisterung ohne Naivität, Mut ohne Unbekümmertheit. Schepmann spricht die anderen Figuren mit leichten, gut unterscheidbaren Klangvariationen, sodass auch junge Hörerinnen und Hörer ohne große Verwirrung folgen können. Nichts wirkt angestrengt oder pädagogisch überdeutlich. Er erzählt einfach, und zwar gut.
London, Paris, Pisa und weiter noch
Die Handlung ist für ein Kinderhörbuch ungewöhnlich mobil. Kokosnuss muss seinen entführten Freund Oskar retten, und die Spur führt ihn quer durch Europa bis nach China. Jede Station bringt kurze, eingängige Informationen mit, die eingebettet sind in die Suchaktion: Paris hat einen Eiffelturm, in Pisa steht ein schiefer Turm, China ist weit. Das ist kein Geographieunterricht, aber es bleibt hängen. Meine Nichte hat auf der Rückfahrt von sich aus erklärt, dass Pisa in Italien liegt und der Turm schief ist. Wer will, findet hier eine sanfte Weltoffenheit als Nebenprodukt.
Die ursprünglichen Buchversionen dieser Geschichte enthalten physische Briefe, die Teil des Abenteuers sind. Im Hörbuch gibt es diese Briefe natürlich nicht auf dieselbe Weise. Schepmann liest sie vor, was gut funktioniert, aber Rezensentin « easykobold » hat schon 2014 angemerkt, dass die Briefe im physischen Buch leicht verloren gehen können. Im Hörbuch ist das kein Problem, aber wer die interaktive Elternarbeit mit den echten Briefen kennt, bekommt hier eine andere Erfahrung. Nicht schlechter, nur anders.
76 Minuten, die genau richtig sitzen
Mit einer Laufzeit von einer Stunde und 16 Minuten ist dieses Hörbuch bewusst kurz. Für Kinderhörbücher ist das kein Makel, sondern oft ein Vorteil: Die Aufmerksamkeitsspanne von Sieben- oder Achtjährigen ist begrenzt, und eine Geschichte, die fertig ist, bevor das Kind unruhig wird, hat ihren Job getan. Für lange Autofahrten mit mehreren Abschnitten ist das allerdings zu bedenken: Man braucht nach 76 Minuten etwas Neues.
Die Rezensionen auf Amazon sind fast ausnahmslos positiv, viele schreiben explizit, dass sie das Buch verschenkt haben oder mehrfach gehört wurde. Das ist ein verlässlicher Indikator für ein Kinderhörbuch, das funktioniert. Nicht jedes Kinderbuch, das Erwachsene mögen, taugt auch für Kinder, und nicht umgekehrt. Dieses Hörbuch scheint beides zu schaffen.
Wer sollte zuhören, wer besser nicht
Dieses Hörbuch ist für Kinder zwischen etwa sechs und neun Jahren gemacht, die gerne Abenteuergeschichten hören und schon ein bisschen Geduld für eine zusammenhängende Handlung mitbringen. Es ist auch für lange Autofahrten oder Einschlafrituale gut geeignet, Tempo und Lautstärke sind beruhigend ohne schläfrig zu machen. Wer die physischen Bücher schon kennt und die Briefelemente vermissen wird, sollte das im Kopf behalten, allerdings leidet die Hörgeschichte nicht darunter. Erwachsene, die auf Kokosnuss keine Verbindung haben, werden weniger mitnehmen als die Zielgruppe, aber lästig ist das Zuhören keineswegs.