Auf einen Blick
- Sprecher: Nicolás Artajo begleitet die Magnus-Chase-Reihe seit dem ersten Band und liefert einen vertrauten, lebendigen Abschluss ab, der die nordische Welt hörbar macht.
- Themen: Freundschaft als Familienersatz, Götterdämmerung und Ragnarök, Identität und Verlust
- Stimmung: Rasant, witzig und episch mit einem herzerwärmenden Kern
- Fazit: Wer die ersten beiden Bände kennt und liebt, wird diesen Abschluss nicht weglegen können.
Es war ein Freitagabend im Oktober, und ich hatte mir vorgenommen, noch eine Stunde mit Magnus Chase zu verbringen. Sieben Stunden und siebenunddreißig Minuten später war es früher Morgen, das Hörbuch war zu Ende, und ich saß mit einem Lächeln im Gesicht, das sich nur schwer erklären lässt, wenn man nicht selbst Teil dieser Hörabenteuer ist.
« Das Schiff der Toten » ist der dritte und abschließende Band der Magnus-Chase-Trilogie von Rick Riordan, und wer hier einsteigt, ohne die Vorgänger zu kennen, wird sich verloren fühlen. Das ist keine Einschränkung, das ist ein Versprechen: Es lohnt sich, von vorne anzufangen. Denn was Riordan mit dieser Reihe gebaut hat, ist eine Figuren- und Weltenwelt, die im Finale ihre volle Wirkung entfaltet.
Wenn Loki endlich von der Leine ist
Der Ausgangspunkt ist klar und dringlich: Loki hat sich nach jahrtausendelanger Gefangenschaft befreit und rüstet das legendäre Schiff Naglfari, gebaut aus den Nägeln der Toten, zum letzten Kampf. Ragnarök, die Götterdämmerung, steht unmittelbar bevor. Magnus, Samirah, Alex, Blitzen und Hearth müssen das Schiff finden und aufhalten, bevor es zu spät ist. Was sich trocken zusammenfassen lässt, entfaltet sich im Hörbuch als eine atemlose Fahrt durch verschiedene Welten der nordischen Mythologie, bevölkert mit Meeresgöttern, Riesen und feuerspeienden Drachen.
Riordan hat ein Talent dafür, mythologische Stoffe so zu verarbeiten, dass sie weder akademisch trocken noch respektlos simplifiziert wirken. Die nordischen Götter und Welten fühlen sich lebendig an, eigenwillig, manchmal brutal, oft absurd komisch. Das Gleichgewicht zwischen Spannung und Humor ist in diesem Band besonders gelungen. Ich musste mehrfach laut auflachen, obwohl die Handlung gleichzeitig echte Fallhöhe hatte.
Was Nicolás Artajo aus Magnus macht
Nicolás Artajo ist für diese Reihe das, was Neil Gaiman für seine eigenen Hörbücher ist: kaum vorstellbar, dass jemand anderes diese Figuren sprechen könnte. Artajo trägt den Roman mit einer Leichtigkeit, die täuscht, denn hinter dieser Leichtigkeit steckt viel Arbeit. Magnus ist ein sensibler, oft zweifelnder Protagonist, der selten Held sein will, es aber immer wird. Artajo gibt ihm eine Erdung, die die Figur trägt, ohne sie schwer zu machen.
Besonders stark ist Artajo in den Dialogszenen. Die verschiedenen Figuren, von der furchtlosen Samirah über den wortkargen Hearth bis zu dem irrsinnig witzigen Alex, werden stimmlich deutlich voneinander abgegrenzt, ohne dass es sich nach Showeinlage anfühlt. Die nordischen Götter klingen, wie man sich vorstellt, dass ein Gott klingt: leicht gelangweilt von der Sterblichkeit und gleichzeitig latent gefährlich.
Ein Serienfinale, das sich seinen Abschluss verdient
Was diesen Band von vielen anderen Jugendfantasy-Abschlüssen unterscheidet, ist die emotionale Ehrlichkeit. Riordan lässt seine Figuren nicht einfach siegen. Die Verluste sind real, die Entwicklungsbögen werden vollständig gezogen, und die Kernbotschaft der Reihe, dass Freundschaft eine Familie ersetzen kann und oft mehr wert ist als Blut, bekommt ihren endgültigen Ausdruck. Eine Rezensentin brachte es auf den Punkt: « Selbst wenn deine biologische Familie dich nicht versteht oder sogar ablehnt, du kannst Freunde finden, die alles für dich tun würden. » Das ist kein Zufall. Das ist das Thema der gesamten Trilogie.
Eine kleine Schwäche möchte ich nicht verschweigen: An einzelnen Stellen dehnt sich die Handlung etwas, besonders wenn eine mythologische Welt ausführlich eingeführt wird und das Tempo kurz nachlässt. Wer Riordan kennt, weiß das aber bereits. Diese Passagen gehören zu seinem Schreibstil, und im Audio fallen sie weniger ins Gewicht als auf der gedruckten Seite, weil Artajos Rhythmus einen darüber hinwegträgt.
Wer reinhören sollte und wer besser von vorne anfängt
Wer die Magnus-Chase-Reihe noch nicht kennt: Bitte unbedingt mit Band 1 beginnen. Der Einstieg hier ist zwar technisch möglich, aber der emotionale Lohn des Finales setzt voraus, dass man diese Figuren auf ihrem gesamten Weg begleitet hat. Wer bereits dabei ist, wird diesen Abschluss als das erleben, was er ist: ein würdiger, herzlicher und unterhaltsamer Ausklang einer ungewöhnlichen Fantasywelt.